Checkliste: Gebrauchte Stapler kaufen

Gebrauchte Stapler sind schnell verfügbar und selbst Marken­geräte gibt es zum kleinen Preis. Aber aufgepasst: Der günstigste Gebrauchte kann teuer werden, wenn man die Grundregeln nicht beachtet. Eine Checkliste.

Bild: Jungheinrich/Volker Strey
Bild: Jungheinrich/Volker Strey
Redaktion (allg.)

Der gebrauchte Stapler glänzt frisch gewaschen und poliert, der Preis stimmt – ein echtes Schnäppchen. Wirklich? Mehr noch als beim Erwerb eines Neufahrzeugs kommt es beim Kauf eines gebrauchten Gabelstaplers auf gründliche Prüfung an. Wer weiß schon, wie viele Betriebsstunden er im Lauf seines bisherigen Daseins zurückgelegt hat, wie hart er von den Fahrern beansprucht worden ist und welche Macken sich unter Rahmen und Haube verbergen? Abhilfe schafft eine Checkliste für den Gebrauchtstaplerkauf. Anhand der nachfolgenden Kriterien lässt sich jedes Fahrzeug auf Herz und Nieren prüfen.
1 Einsatzprüfung des Fahrzeugs:Eine wichtige Frage sollte sich der Kaufinteressent gleich zu Beginn stellen: Ist der Stapler wirklich das richtige Gerät für seinen Einsatzfall? Passt er überhaupt zu seinen örtlichen Gegebenheiten? Dabei sind vor allem Durchfahrtshöhen und Arbeitsgangbreiten, der Einsatz im Innen- oder Außenbereich, maximale Einlager- und Auslagerhöhen, zu befördernde Gewichte sowie die Einsatzdauer im Ein- oder Mehrschichtbetrieb zu beachten. Bei dieser Entscheidung sollte er sich am besten von einem Fachmann beraten lassen. Ist der richtige Fahrzeugtyp gefunden, sollten die folgenden Punkte möglichst bei einer persönlichen Besichtigung vor Ort geklärt werden.
2 Sind Teile des Fahrzeuges ausgetauscht worden? Bei einer ordnungsgemäß geführten Fahrzeughistorie sollte der Verkäufer diese Frage mit Blick auf die Unterlagen schnell und umfassend beantworten können. Aufschlussreich kann dabei auch ein Blick auf das Typenschild und das Resttragfähigkeitsdiagramm sein. Sind sie korrekt angebracht? Beziehen sie sich tatsächlich auf den vorhandenen Mast und etwaige Anbauten? Denn Achtung: Es könnten Teile oder der gesamte Mast ausgetauscht worden sein. Wichtig ist auch, dass das CE-Zertifikat vorliegt. Es belegt, dass das Fahrzeug innerhalb des EU-Binnenmarkts verkehrsfähig ist.
3 Betriebsanleitung und Serviceberichte: Die richtige und vollständige Betriebsanleitung sollte auch bei jedem Gebrauchtgerät immer vorliegen und dem Käufer mit ausgehändigt werden. Außerdem müssen alle Aufkleber und Warnhinweise in der richtigen Sprache vorhanden sein. Liegt zudem ein aktueller und mängelfreier UVV-Prüfbericht vor, der nachweist, dass der Stapler nach Unfallverhütungsvorschriften geprüft worden ist? Ein wichtiger Nachweis für die regelmäßige Wartung des Fahrzeugs sind die Serviceberichte. Ist das Fahrzeug in regelmäßigen Intervallen gewartet worden? Sind die Betriebsstunden korrekt dokumentiert?
4 Motor: Einen Gabelstapler in Augenschein nehmen ist das eine, es ersetzt aber nicht die Probefahrt. Deshalb sollte vor einem Kauf immer ein Funktionstest durchgeführt werden. Dieser beginnt bei einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor beim Kaltstart: Ist eine erhöhte Rauchentwicklung gegeben? Sind Leckagen vorhanden? Dazu empfiehlt es sich, den Stapler bei laufendem Motor für eine Viertelstunde auf eine saubere Bodenfläche zu stellen und alle Hydraulikfunktionen zu betätigen.
5 Mast: Eine besondere Prüfung verlangt der Mast: Dabei sollte geprüft werden, ob es zwischen den Mastprofilen und dem Gabelträger Spiel gibt. Geben Mast und Gabel unter Last nach?
6 Gabeln: Als Nächstes sollten sich Kaufinteressenten die Gabeln und deren Halterungen genau anschauen, um etwaige Risse zu erkennen. Die Arretierungen müssen vorhanden sein und einwandfrei funktionieren. Ferner müssen die Gabeln mindestens 90 Prozent der Dicke vom Gabelrücken haben. Zur Überprüfung sollte die Dicke im Gabelknick gemessen werden.
7 Lenkung: Die Lenkung sollte stets leichtgängig und einwandfrei funktionieren. Fährt der Stapler auch ohne Betätigung des Lenkrades auf ebenen Böden stabil in der Spur?
8 Bremsen: Auch die Bremsen müssen intakt sein und seitengleich wirken. Funktioniert neben der Fuß- auch die Feststellbremse?

9 Beleuchtung: Sind alle Leuchten und Scheinwerfer funktionstüchtig? Ferner müssen alle Kabel und Anschlüsse einwandfrei sein und die Leuchtgehäuse dürfen keine Feuchtigkeit enthalten.
10 Batterie: Handelt es sich bei dem Gebraucht­gerät um einen Elektrostapler, ist der Zustand der Batterie ebenfalls genau zu überprüfen. Grüne und weiße Kristalle an den Polen deuten auf Sulfatierung hin, sind die Zellen nach außen gewölbt, ist das ein Hinweis auf hohes Alter. Beides kann zum Ausfall der Batterie führen. Interessenten sollten daher den Verkäufer in dem Zusammenhang unbedingt fragen, ob er eine Gewährleistung auf die Batterie gibt und ob sie aufgearbeitet ist. Weitere Informationen lassen sich auch über ein eventuell vorhandenes Prüfprotokoll recherchieren.
11 Reifen: Der Reifenverschleiß ist immer ein Thema. Ist die sogenannte Verschleißmarke (Reifenverschleißanzeige) noch deutlich zu erkennen? Gibt es Einschnitte, Ausbrüche oder sonstige Beschädigungen?
12 Karosserie (Rahmen, Hauben und tragende Teile): Zunächst sollte die Karosserie für eine optische Prüfung sauber sein. Weist sie Beulen oder Verformungen auf? Ist sie verkratzt oder sind gar Rostschäden erkennbar?
13 Test am Einsatzort: Bei einer Probefahrt sollten alle Funktionen, Schalter und Hebel durchgetestet werden. Macht das Fahrzeug ungewöhnliche Geräusche im Betrieb? Reagieren Gaspedal und Bremse ohne Verzögerungen? Wie ist das Fahrgefühl mit und ohne Last? Eine Probefahrt auf dem Hof des Verkäufers ersetzt jedoch nicht den Test im Einsatz. Daher sollte der Kaufinteressent fragen, ob er das Fahrzeug auf seinem eigenen Gelände testen darf. So kann er den Zustand des Staplers am besten prüfen. Obendrein stellt er auf diese Weise fest, ob das Gerät für den geplanten Einsatz auch tauglich und das richtige ist.
Sind sich Verkäufer und Käufer einig, sollten sie neben dem Kaufpreis auch eine mögliche Gewährleistung verhandeln. Wie lange und für welche Merkmale/Teile/Ausstattung bietet der Verkäufer eventuell eine Gewährleistung an? Inzwischen betreiben einzelne Premiumhersteller auch eigene Aufarbeitungszentren, um Gebrauchtstapler nach hohen Qualitätsstandards professionell aufzuarbeiten. Diese optisch kaum von Neugeräten zu unterscheidenden Fahrzeuge werden zum Beispiel von Jungheinrich direkt mit Gewährleistung und verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten wieder am Markt angeboten.
Damit ist der neue Betreiber sicher, ein hochwertiges Gebrauchtgerät zu erwerben und kann dafür sogar Leasing- oder Mietkauf-Modelle und Full-Service-Verträge vereinbaren. Der Erwerb eines Markengeräts hat den Vorteil, auf ein flächendeckendes Servicenetzwerk mit schneller Ersatzteillieferung und Reparatur durch geschulte Servicetechniker zugreifen zu können. Damit ist das Gerät schneller wieder verfügbar, denn schließlich werden Gebrauchtstapler vor allem eins: gebraucht!

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