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Der Nissan NV200 Kastenwagen im Test

Mit einer Eigenentwicklung hat Nissan im vergangenen Jahr im Bereich Stadtlieferwagen Aufsehen erregt. Unser Test zeigt Licht (Motor, Preis,Übersicht) und Schatten (Laderaum, Verbrauch) des „NV200“.

Symbolbild LOGISTRA (Foto: T. Schweikl)
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Redaktion (allg.)

Der europäische Kleintransporter-Markt ist hart umkämpft. Wer hier bestehen will, muss einen Kastenwagen mit großzügigen Platzverhältnissen bei gleichzeitig kompakten Außenmaßen im Angebot haben“, erklärte Simon Thomas, Senior Vice President für Sales & Marketing bei Nissan Europa zur Markteinführung des „NV200“. Das mag ja auch richtig sein und für den kleinen Stadtflitzer von Nissan zutreffen. Aber wo, bitte schön, ist der Drehzahlmesser?
Der von Grund auf neue Lieferwagen wurde überwiegend in Japan entwickelt. Vielleicht ist das ein Grund für den fehlenden Drehzahlmesser: eine andere Philosophie. In einer Zeit, in der wirtschaftliches Fahren – auch bei leichten Nutzfahrzeugen – immer ssentieller wird, schafft Nissan also den Drehzahlmesser ab. Obwohl der Drehzahlbereich doch immer im Auge behalten werden muss, sagen die Spritspar-Trainer.

Nun, wir werden sehen, wie sich das auf unserer Testrunde ausgewirkt hat. Eine andere Philosophie als die meisten europäischen Hersteller fahren die Japaner auch beim Thema Motorenangebot. Genau zwei Motoren stehen zur Auswahl: ein Diesel- und ein Ottomotor. Der ,6-Liter-Benziner leistet 109 PS. In unserem Testmodell war der 86 PS starke Diesel-Vierzylinder mit Common-Rail-Einspritzung eingebaut, der bei 2.000 U/min sein Höchstdrehmoment von 200 Nm erreicht. Das 1,5-Liter-Triebwerk konnte uns auf unserer Testrunde durchaus überzeugen. Bergprüfungen wie den langgezogenen Kindinger Berg auf der A9 bewältige der Japaner mit 140 km/h und beschleunigte dabei sogar in der Steigung noch.

Und das trotz 300 Kilogramm Zuladung sowie einer Zwei- Mann-Besatzung. Nissan hatte zwar angekündigt, in diesem Jahr einen zweiten, stärkeren Dieselmotor nachzulegen, doch den braucht es nach unserer Ansicht nicht unbedingt. Der 86-PS-Motor war immer Herr der Lage, selbst bei 60 km/h im fünften Gang beschleunigte er unseren Testwagen gleichmäßig ohne Ruckeln und Murren eine Landstraßensteigung hoch – natürlich bei durchgedrücktem Gaspedal, wie es sich laut Eco-Training für moderne Motoren gehört. Der Schalthebel unseres NV200 war dagegen alles andere als modern. Er fühlte sich an, wie aus dem letzten Jahrzehnt: wie ein kurzbeiniger Storch. An der technischen Nutzbarkeit des Storchenhebels können wir allerdings nichts aussetzen. Die kurzen Schaltwege waren gut geführt, wenn auch der fünfte Gang etwas harkte.

Kein Lärm im Innenraum

Im Innenraum ging es weitgehend leise daher. Weder vom Motorraum, noch aus dem Laderaum dröhnte es störend. Das Armaturenbrett ist für ein japanisches Nutzfahrzeug klassisch gestaltet: obustes Material, dunkelgrau ohne Abstufungen, billig anmutendes Glattplastik in der Mittelkonsole. In puncto Ergonomie tut das Armaturenbrett seinen Dienst. Die wichtigsten Regler sind gut erreichbar, das Lenkrad ist höhenverstellbar. Der Sitz kann seine Neigung und Position verändern, nicht aber seine Höhe. Auch eine Höhenanpassung für den Sicherheitsgurt fehlt.

Negativ aufgefallen ist die elektrische Bedienung der Außenspiegel, die unterhalb des Lenkrads angebracht ist, und damit direkt vor den Knien. Das ist nicht ergonomisch. Absolut positiv zu bewerten für diese Fahrzeugklasse ist die Sitzposition des Fahrers. Sie ist sehr aufrecht und man sitzt höher als man allgemein im Pkw sitzt. Das führt zusammen mit den großen Außenspiegeln und den enstern in den Seiten- und Hecktüren zu einer fabelhaften Übersicht. Und diese ist besonders im Stadtverkehr, wo das Auto ja angesiedelt ist, von Bedeutung. Zumindest theoretisch sehen lassen kann sich die Serienausstattung des NV200 bei einem Preis für die Basisversion von 14.100 Euro (alle Preisangaben ohne MwSt) mit dem 86-PS-Dieselmotor. Es gibt insgesamt drei Ausstattungspakete: „Pro“, „Comfort“ (+500 Euro Aufschlag auf das Basismodell,) und „Premium“ (+1.100 Euro Aufschlag auf Comfort). Unser Testauto kam in der Comfort-Ausführung.

Darin enthalten sind unter anderem: Fahrer- und Beifahrerairbag, elektrische Fensterheber und Außenspiegel, Zentralverriegelung inklusive Funkfernbedienung, sechs starre Zurrösen, Seitenverkleidung im Laderaum sowie die verglasten, asymmetrisch geteilten Hecktüren mit Scheibenwischer. In der Praxis kann man aber an einigen Ausstattungsmerkmalen rummäkeln. Da wäre zum Beispiel der Gummiboden im Laderaum, der auch zum Comfort-Paket gehört. Der Boden ist nicht richtig verklebt, was dazu führt, dass er Wellen schlägt, wenn man mit dem Hubwagen drüber fährt.

Auch die sechs standardmäßig verbauten Zurrösen sind nur schlecht nutzbar, weil sie sich nicht drehen lassen. Was den Verbrauch angeht, so kann man sagen: durchschnittlich. Die 6,56 Liter (immer pro 100 Kilometer) auf der Autobahn (Durchschnittsgeschwindigkeit 106 km/h) sind genauso wenig rühmlich wie die 6,14 Liter auf der Landstraße (Durchschnittsgeschwindigkeit 56 km/h). Das geht heutzutage auch sparsamer – zumal der Testtag ein wunderschöner Sommertag war. Zur Information: Beide Strecken sind etwas über 100 Kilometer lang. Versöhnlicher stimmt da der Innenstadtverbrauch mit 6,78 Litern auf unserer knapp 50 Kilometer langen Testtour durch München.

Eine Eigenentwicklung

Ob die erzielten Verbräuche mit dem Fehlen eines Drehzahlmessers oder einer Schaltempfehlung zu tun haben, ist natürlich schwer zu sagen. Am Wetter lag es zumindest nicht. Fazit: Der NV200 ist bei Nissan der Nachfolger des „Kubistar“. Der neue Lieferwagen ist kein umgelabelter Renault beziehungsweise Opel mehr, sondern eine eigene Entwicklung mit Licht und Schatten. Der guten Fahrbarkeit und Übersicht stehen Mängel in der Verarbeitungdes Laderaums und der passable Verbrauch gegenüber. Der Preis für das Fahrzeug liegt rund 2.500 Euro unterhalb eines „Volkswagen Caddy“ – bei in etwa gleicher Ausstattung, aber kleinerem Caddy-Motor. Ein echter Konkurrent ist das nicht – zumindest nicht auf dem deutschen Markt.

(Auror: Thomas Pietsch)

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