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Hyundai H350 3,5 Tonner im Test

Der in Deutschland entwickelte 3,5-Tonner von Hyundai gefällt mit hoher Solidität, kräftigem Motor, wertiger Kabine sowie Raumeffizienz. Nur an Details merkt man, dass beim H350 nicht alles auf einmal passieren konnte – und beim Thema Varianten.

Groß-Offensive: Hyundai H350 (Bilder: J. Reichel)
Groß-Offensive: Hyundai H350 (Bilder: J. Reichel)
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Redaktion (allg.)

Wie machen die Koreaner das bloß? Stellen schon im ersten Streich mit dem im Entwicklungs- und Designzentrum Rüsselsheim erdachten „Hyundai H350“ einen tip-top 3,5-Tonner auf die Räder, der seinem Vorbild von Mercedes kaum nachsteht. Das fängt an bei der Verarbeitung des Interieurs. Dessen Ergonomie übertrifft den Sprinter sogar mit etlichen gut gemachten, rutschfesten und bestens erreichbaren Ablagen.

Den Anschlüssen fürs Handy etwa ist ein auch für großformatige Funker ausreichender Schacht vorgelagert. Bei Regenwetter geben die geriffelten Tritte und der gummibelegte Einstiegsbereich Sicherheit. Die satt an der Scheibe anliegenden, kräftigen Wischer sorgen für Durchblick. Die schlichten Rundinstrumente wirken mit ihrer Hinterleuchtung dennoch edel und setzen mit dem schick gemachten (optionalen) TFT-Farbdisplay einen netten, aber dank ausführlicher Bordcomputerinfos auch praktischen Akzent. Die Jacke hängt genau da, wo sie hingehört, es bleibt auch bei dicker Arbeitsbekleidung Luft. Wie überhaupt die Platzverhältnisse üppig sind, die Armaturentafel baut kompakt. Das liegt auch an den eher für koreanische Körpermaße dimensionierten Sitzen. Denen mangelt es an Auflagefläche und sie lassen Seitenhalt und Kontur missen. Zudem wackelten sie im Testwagen.

Hohe Karosseriequalität


Halt gibt in scharfen Kurven allenfalls das Lenkrad, das sich griffig anfühlt und weit verstellbar ist. Auf Dauer wirken die Kunstlederbezüge, die zwar einen haltbaren Eindruck machen, jedoch schweißtreibend. Für Langstreckeneinsätze sei zum Stoffbezug geraten. Die Luftfederung, Armlehne und Lendenwirbelstütze im Sessel sollte man sich in jedem Fall gönnen. Immerhin hat man vom Fahrerplatz aus dank schlanker A-Säulen und kurzer Fahrzeugfront beste Übersicht, die von den ordentlich dimensionierten Spiegeln rückwärtig ergänzt wird.
Die Türen schließen eher noch satter als beim „Sprinter“, die Griffe wirken, als würden sie auch einer Bärenpranke standhalten. Auch die Schiebetür (eine zweite ist erst gar nicht im Angebot) und die Hecktüren fügen sich in dieses Bild von hoher Solidität, sie schließen sicher und recht leichtgängig.

Bei den Bügeln für die 270-Grad-Öffnung hat man ebenfalls beim Daimler Maß genommen. Sie machen einen langlebigen Eindruck. Die Magnete nageln die Portale regelrecht in gedrehtem Zustand fest. Der mit 3,70 Metern Länge im Verhältnis zu den 6,19 Metern Außenlänge üppig dimensionierte Laderaum ist über die hintere Zwischenstufe trotz heckantriebsbedingt erhöhter Ladekante gut erreichbar. Allenfalls fehlt ein kleiner Handlauf. Seitlich sollte man sich eine gummierte Stufe gönnen, wie überhaupt der Bodenbelag aus Holz zu empfehlen wäre. Andernfalls rutscht man ziemlich haltlos durch das 3,70 Meter lange und mit 1,99 Meter ordentlich hohe Frachtabteil.
Soweit also bis auf die Sitze alles bestens bei der statischen Betrachtung des koreanischen Newcomers. Wäre da nicht die Stunde der Wahrheit beim Wiegen, die wie bei vielen Transportern zutage fördert, dass hohe Karosseriequalität und -steifigkeit ihren Preis hat: Mit der Verglasung, die das Gewicht zusätzlich hochtreibt, und Vollausstattung bringt der Testwagen 2.660 Kilogramm (vollgetankt, mit 75-kg-Fahrer) auf die Waage. Hier „kopieren“ die Koreaner also unfreiwillig den Sprinter, bei dessen Langversion schon auch mal nur Nutzlasten von 800 Kilogramm verbleiben.
Immerhin profitiert der Fahrer beim Komfort vom Ausgangsgewicht: Die hohe Karosseriesteifigkeit legt die Basis für ein kompaktes Handling: Der H350 liegt satt und sicher auf der Straße, zur Not fängt das ESP das bei Nässe wegwischende Heck früh ein. Überhaupt vermitteln die ordentlich zupackenden Bremsen Vertrauen. Ein Highlight setzt der H350 beim Wendekreis: Unterstützt von einer leichtgängigen Lenkung und der schlanken Karosserie kommt man sowohl in der Stadt als auch auf winkeligen Landstraßen bestens zurande. Allenfalls die Lenkpräzision könnte besser sein.

Tadelloser Komfort

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Der Federungskomfort liegt mindestens auf Sprinter-Niveau, der H350 steckt Kanaldeckel, Querfugen oder Kopfsteinpflaster stoisch weg und neigt weniger zum Aufschaukeln als das Original. Zudem zeigt er sich unempfindlich gegen Seitenwind. Dazu kommt ein generell niedriges Geräuschniveau, der H350 lässt kaum Windlaute durch. Das spricht für dicke Dämmung und gründliche Türabdichtung, selbst die nicht einmal isolierte Rückwand lässt sich kein Knistern entlocken. Ebenso wenig die tadellos zusammengefügten Armaturen. Sie lassen sich auch von den um 1.000 Touren herum entstehenden Motorvibrationen nicht zum Knarzen animieren. Hat das VTG-geladene 2,5-Liter-Aggregat diesen Punkt überwunden, zieht es erst recht in der 170-PS-Version dank 422 Nm Drehmoment souverän und mühelos durch. Trotzdem: Auch die 150-PS-Version hat genug Kraft, die 600 Euro Aufpreis kann man sich sparen.
Höhere Drehzahlen muss man in beiden Fällen kaum bemühen. Zudem ist die Übersetzung im sechsten Gang (Serie) recht lang ausgelegt, mit positivem Effekt auf Langstrecken. Am zwölfprozentigen Testberg auf der Landstraße nach einer Ortsdurchfahrt muss man mit dieser Auslegung allerdings Stufe vier des etwas knorrig schaltenden Getriebes bemühen.
Zurückhaltend geben sich die Koreaner bei den Fahrerassistenzsystemen. Da hat der Sprinter erst recht seit dem letzten Facelift die Nase weit vorn, mit Totwinkel-, Seitenwind- oder Kollisionsassistent. Einzig beim Spurassistenten hält der H350 mit. Wobei sich zeigt, dass Daimler in Sachen Regelungsgüte viel Erfahrung hat: Der Spurhalter im H350 agiert nervös und alarmiert optisch wie akustisch häufig verfrüht.
Ein entscheidender Unterschied zum mit Euro 6 zu größerer Sparsamkeit erzogenen Sprinter ist der Verbrauch: Der 2,5-Liter-Hyundai-Motor hat Kraft im Überfluss, aber auch gesunden Durst: 9,7 l/100 km über die Testrunde samt 14 Kilometer Stadtanteil (40 Stopps) sind einen Hauch sparsamer als beim 205-PS-Iveco-Daily von neulich, aber auch nicht top. Hoffnung weckt die Ankündigung, im nächsten Jahr ein moderneres Aggregat ins Rennen zu schicken, möglicherweise den 2,2-Liter-Common-Rail-Diesel aus dem SUV Santa Fe.

Motor + Getriebe

2,5-l-Turbodiesel mit Common-Rail-Direkteinspr., 4 Ventile pro Zyl., Steuerkette, 2 Ausgleichswellen, VTG-Turbolader; Leistung: 170 PS (125 kW) bei 3.600/min, max. Drehmoment: 422 Nm b. 1.500-2.500/min, Euro 5 (EGR/DPF), Hinterradantrieb, Übersetzung i=3,53 (opt. 3,91); manuelles Sechsgang-Schaltgetriebe; Wartung 30.000 km/2 Jahre
Fahrwerk + Bremsen
Einzelradaufhängung McPherson, Schrauben­federn, Querblattfeder vo., Starrachse/Blattfeder, Querstabilisator h.; innenbel. Scheibenbremsen vo. + hi.; Reifen: 235/65 R16; adapt. ESP inkl. Hill Holder
Maße + Gewichte
L x B x H: 6.195(6.365 inkl. Hecktritt) x 2.038 x 2.690 mm; Radst.: 3.670 mm; L x B x H Laderaum: 3.700 x 1.730 x 1.990 mm; Ladevol.: 12,9 m3; B zw. Radkästen: 1.360 mm; B x H Schiebetür: 1.270 x 1.830 mm; B x H Hecktür: 1.540 x 1.830 mm; Diagonale Seite/Heck: 2.300/2.300 mm; Lade­kante: 670 mm; Wendekr.: 12,8 m; Leergew. (Testwg.): 2.660 kg; Test 3.460 kg; Ges.G.: 3.500 kg; Nutzlast: 840 kg; Achslast v/h: 1.850/2.240; Anhängel. (gebr.): 3.000 kg, Tank 75 l
Messwerte
Verbrauch: Gesamt: 9,7 l/100 km; City: 11,2 l/100 km; Landstraße: 8,9 l/100 km; Autobahn 10,2 l/100 km; Elastizität: 80-120 km/h (oberster Gang): 22,5 s; Geräusch (80/120 km/h): 65,6/68,9 dB(A)
Service + Preise (in Euro o. MwSt.)
Grundpreis Hyundai H350 2,5 CRDi 170 L3 Profi: 33.700,-; Serie: ESP inkl. Hill Holder, Start-Stopp, elektr. FH+ZV, Lenkrad höhenverst.; Extras: Fahrerpaket 480,- / Hecktritt 130,- / 270°-Hecktüren 360,- / Bordcomp. TFT 490,- / Einparkhilfe 280,- / Rückfahrkamera (Monitor i. Spiegel) 380,- / AHK 519,- / Holzboden+Zurrsch./Seitenverkl. 990,- / Spurassist. 390,- / Wertpaket (Klima, Navi, LED-Licht) 3.400,-
Fazit von Profi-Tester Johannes Reichel:
Hyundai hat mit dem seriös gemachten H350 ein überzeugendes Paket geschnürt, bis hin zur Drei-Jahres-Garantie und dem nicht billigen, aber fairen Preis. Verbesserungsbedarf gibt es bei Sitzen, Fahrassistenz sowie dem nicht mehr ganz taufrischen Motor mit mauem 30.000er-Intervall. Und bei der Variantenvielfalt: Immerhin, zu Kasten und Fahrgestell sollen bald einige Branchenmodelle kommen. Und zu den anfangs 40 Nfz-Händlern weitere Stützpunkte.

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Artikel Hyundai H350 3,5 Tonner im Test
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