Interview mit Joachim Drees, Vorstandsvorsitzender der MAN Truck & Bus AG

Joachim Drees, Vorstandsvorsitzender der MAN Truck & Bus AG, über die Vorteile einer Zweimarkenstrategie, über die Herausforderungen von Elektromobilität und Digitalisierung, über effiziente und gleichsam leistungsstarke Motoren sowie über den Einstieg in den Transportermarkt. (Foto: MAN)
Joachim Drees, Vorstandsvorsitzender der MAN Truck & Bus AG, über die Vorteile einer Zweimarkenstrategie, über die Herausforderungen von Elektromobilität und Digitalisierung, über effiziente und gleichsam leistungsstarke Motoren sowie über den Einstieg in den Transportermarkt. (Foto: MAN)
Redaktion (allg.)


Dieser Artikel stammt aus der IAA Messezeitung IAA aktuell 2016. Englischer Text auf Seite 2 / english version on page 2.

Sie sind bei der MAN Truck Holding jetzt ziemlich genau seit eineinhalb Jahren im Amt. In dieser Zeit ging es ja auch darum die Marken MAN und Scania unter einem Dach zusammenzuführen. Wie funktioniert das?
Joachim Drees: Wir werden die Marken nicht zusammenführen. Als Marke gehören wir zu Volkswagen Truck & Bus, auf dem Markt agieren wir unabhängig voneinander und eigenständig. Weil die Überlappung zwischen den Kunden beider Marken nicht sehr groß ist, funktioniert das auch sehr gut. Also werden die beiden Marken auf der Vertriebsseite vollkommen unabhängig voneinander agieren. Synergien werden wir im Bereich der Entwicklung schaffen. Dort steigen die Herausforderungen. Wir werden den Dieselmotor weiter entwickeln und das automatisierte Fahren voranbringen. Elektromobilität spielt eine wichtige Rolle und dann kommt noch die Digitalisierung dazu. Das sind große Herausforderungen, bei denen wir die Skaleneffekte zwischen beiden Unternehmen nutzen. Immerhin sind beide Marken zusammen überall dort, wo sie vertreten sind, auch die Marktführer.
Als neuer Truck-Chef wollten Sie die MAN von Anfang an auch für die Zukunft rüsten. In diesem Kontext ist wohl auch die Studie „What Cities Want“ zu sehen, in der es um die Mobilität der Zukunft geht. Was haben Sie daraus gelernt?
Im Prinzip ging es uns bei der Studie um die Frage, wie wir die Mobilität in den Ballungsgebieten sicherstellen können. Dafür haben wir uns viele internationale Städte angeschaut und überlegt, wie dort der Personenverkehr der Zukunft zu gestalten ist. Die Städte haben uns einen tiefen Einblick in ihre Pläne gegeben, damit wir verstehen, wohin sich ihre Ballungsgebiete entwickeln. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Städte den motorisierten Individualverkehr weltweit reduzieren wollen. Im Fokus steht die Reduzierung der Emissionen. In diesen Metropolen bildet der Bus das Rückgrat für den öffentlichen Nahverkehr. Für die Ökologie würde eine Elektrifizierung dieses Verkehrs also eine Menge bringen.
Gibt es bei MAN aktuelle Projekte im Bereich der elektrischen Antriebe?
Ja, wir beschäftigen uns mit der Technik. 2019 werden wir einen vollelektrischen Bus auf den Markt bringen. Aber wir brauchen auch vollelektrische Distributionsfahrzeuge. Sie sind Bestandteil der Produktneuordung, mit der wir uns gerade befassen.
Für die IAA hat MAN gerade erst seinen 640-PS-Motor vorgestellt. Treten Sie damit nicht in direkte Konkurrenz zu Scania?
Im Markt sind wir Wettbewerber, das ist klar. Aber unsere direkte Konkurrenz sehe ich woanders und so richten wir uns auch aus. Da ist der 640-PS-Motor ein Statement, mit dem wir sagen: Wir haben einen hocheffizienten Motor, einer der Topmotoren, vielleicht sogar der beste in seiner Literklasse. Auf jeden Fall der effizienteste. In Deutschland werden wir nicht viele davon verkaufen. Aber weltweitgibt es schon ein paar Anwendungen. Scania verkauft seinen V8-Motor, das ist etwas Anderes. Insofern sehe ich das mit der Konkurrenz nicht ganz so kritisch. Und wenn wir Volvo ein einige Kunde abluchsen können, ist das auch gut.
Neben den Motoren, was stellen Sie denn noch vor auf der IAA?
Wir beschäftigen uns mit der E-Mobility, da spielen die Anwendungen eine größere Rolle. Wir stellen neue Antriebsstränge für unsere Lkw-Baureihen vor. Dabei bieten wir unseren Kunden mehr Leistung und mehr Drehmoment bei gleichzeitig geringerem Verbrauch. In diese neue Technologie haben wir einen dreistelligen Millionenbetrag investiert. Mit unserer neuen EfficientLine 3 haben wir einen echten Quantensprung hinbekommen. Der Transporter MAN TGE ist natürlich ein Highlight. Einen neuen Bus stellen wir vor, und die Digitalisierung nimmt einen breiten Raum ein. Unser Auftritt ist nicht so sehr auf einen Konzepttruck hin ausgerichtet, es geht bei MAN mehr um direkte Kundenanwendungen und Lösungen, die wir heute schon in den Markt bringen.
Wo sehen Sie denn eigentlich die Kundschaft beim Transporter TGE?
Wir sehen ihn als Zusatzangebot für unsere bestehenden MAN-Kunden. Schließlich haben wir eine hohe Aufbaukompetenz, weil wir gewohnt sind mit den Aufbautenherstellern zusammen zu arbeiten. Dazu kommt, das unser Vertriebsnetzes sehr kommerziell und auf B2B hin ausgerichtet ist. Wir glauben, dass wir damit Kunde gewinnen können, die ihre Transporter bisher bei der Konkurrenz gekauft haben und die wir jetzt mit den mehr Lkw-orientierten B2B-Angeboten locken können.
Wie organisieren Sie den Service für die MAN-Transporter?
Die MAN-Werkstätten werden auch den Transporter warten können. Wir werden sie alle entsprechend ausstatten und die Mitarbeiter schulen. Und ich glaube, dass wir damit für alle einen Mehrwert leisten können. Die MAN-Werkstätten haben andere Öffnungszeiten. Die Kunden können auch am Samstag kommen, an manchen Servicestationen sogar noch um 21:00 Uhr. Unsere Serviceangebote sind eben typisch sind für einen Nutzfahrzeughersteller. Kunden, die das zu schätzen wissen, wird es sicherlich auch im VAN-Bereich geben. Wir sehen uns damit als eine gute Ergänzung zu unseren Kollegen bei VW. Das Thema bleibt also mit Sicherheit spannend!

Quelle: IAA aktuell 2016

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You’ve now been CEO at MAN Truck Holding for almost exactly 18 months. During that time, one of your tasks has been to bring the MAN and Scania brands together under one roof. How is that working out?
Joachim Drees: We do not intend to merge the brands in any way. As brands, we are part of Volkswagen Truck & Bus. In the market, however, the brands operate separately and autonomously. Since there is little overlap between the two brands’ customers, it’s working out really well. On the sales side, the two brands operate completely separately from each other. R&D is expected to be the main source of synergy benefits. That’s the area where we see the greatest challenges. We will continue to develop the diesel engine and work towards autonomous driving. Electric mobility is playing an increasingly important role, as is digitisation. The challenges are immense, so the benefits of scale provided by the two businesses will help us. And it’s also worth pointing out that the two brands are market leaders in all of the fields in which they operate.
As the new head of the truck business, you immediately saw the importance of equipping MAN for the future. The “What Cities Want” study on future mobility probably also needs to be read in this context. What did you learn from it?
Basically, for us the study was all about ensuring future mobility in metropolitan areas. With this aim in mind, we selected a number of international cities and looked at the potential design of passenger transport systems for the future there. The cities concerned gave us detailed insights into their existing plans, thus enabling us to obtain a good understanding of how they are likely to develop going forward. However, one thing became abundantly clear: the various cities around the world all intend to reduce the scale of motorised individual transport, with the primary focus on reducing emissions. Buses generally provide the backbone of public transport systems in these metropolitan centres. Powering this mode of transport with electricity would therefore be a great benefit for the environment.
Are there any ongoing projects at MAN involving electric drive systems?
Yes, we are engaged in various development projects in this area. We will be bringing out a fully electric bus in 2019. But we also see the need for fully electric distribution vehicles and these are included in the new product structure we are currently working on.
MAN has just presented its first 640 hp engine for the IAA. Doesn’t this mean you’ll be entering into direct competition with Scania?
We are competitors on the market, that’s true. But I see our direct competition elsewhere and that is why we’re adopting this strategy. Our 640 hp engine is a statement, letting the market know that we have a highly efficient engine, an outstanding engine, perhaps even the best in its class. At any rate it is the most efficient. Sales volume in Germany is likely to be low. However, there will be a number of applications for it worldwide. Scania is selling its V8 engine, that’s something different. For that reason, I don’t really see any negative competitive issues. And if we can lure a few customers away from Volvo, it can only be a good thing.
Apart from engines, what else are you showcasing at the IAA?
We’re focusing on e-mobility, an area in which applications play a greater role. We are presenting new powertrains for our various truck series that offer a combination of additional torque, greater performance and lower fuel consumption. We’ve invested a three-digit euro million amount in this new technology. And we’ve achieved a genuine quantum leap with our new EfficientLine 3. The MAN TGE commercial van is, of course, a highlight. We are also presenting a new bus, and digitisation is another key topic. Our stand is not so much focusing on a concept truck, but rather directly on customer applications and solutions that we already have on the market.
Where do you see your customer base for the TGE commercial van?
We see the new commercial van as an additional product for existing MAN customers. We can boast a high degree of expertise in building vehicle bodies, reflecting the fact that we are used to working together with body manufacturers. We also have a highly commercial sales network that is geared towards B2B. We believe that these factors will enable us to win business from customers that have previously bought their commercial vans from our competitors and whom we can now tempt with more truck-oriented B2B business deals.
How will you organise service arrangements for the MAN commercial vans?
The MAN workshops will also be able to provide repair and maintenance services for our commercial vans. We will equip all of them accordingly and provide training to our workforce. I am convinced that this will add value for all concerned. MAN’s workshops have different opening times, including Saturdays, with some service stations even open until 9 p.m. Our range of services is typical for a commercial vehicles manufacturer, which will no doubt attract customers from the van market once they identify these benefits. We see this as an excellent supplement to the products and services offered by our colleagues at VW. It will certainly remain an interesting topic.

Copyright: IAA aktuell 2016

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