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LogiMAT: Ansturm in Stuttgart

Die Intralogistikmesse LogiMAT 2016 hat deutlich die Marke von 43.000 Fachbesuchern überschritten. Industrie 4.0 und Digitalisierung erwiesen sich als Besuchermagnete.

Bilder: Euroexpo; HUSS-VERLAG; Reichel
Bilder: Euroexpo; HUSS-VERLAG; Reichel
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Redaktion (allg.)

Volle Hallen, interessierte Fachbesucher, zufriedene Aussteller: Zum Auftakt des Messejahres 2016 hat die Intralogistikmesse LogiMAT ihren Ruf als Trendbarometer der Intralogistik mit neuen Rekordzahlen unterstrichen. Erstmals belegte die Veranstaltung alle Ausstellungshallen des Stuttgarter Messegeländes. Damit war die 14. Internationale Fachmesse für Distribution, Material- und Informationsfluss „der erste Gastveranstalter, der das Messegelände komplett füllt“, so die Stuttgarter Messegesellschaft. Mit einem weiteren Superlativ belegte Prof. Dr. Michael ten Hompel, Institutsleiter am Fraunhofer IML, die Veranstaltung: „Mit den aktuellen Zahlen ist die LogiMAT 2016 meines Wissens die größte Materialflussmesse der Welt.“

Konkret bedeutet dies: 1.280 internationale Aussteller (+10,2 Prozent), davon fast ein Viertel aus 32 Ländern (+15 Prozent) der Welt, präsentierten auf 95.400 Quadratmetern Ausstellungsfläche (+12 Prozent) in acht Hallen ihre aktuellen Lösungsangebote und Produktentwicklungen. Der Zuwachs bei den internationalen Ausstellern und Messebesuchern verweise dabei auf die hohe Aufmerksamkeit, die die LogiMAT auch im Ausland erfahre, so Messeleiter Peter Kazander, Geschäftsführer Euroexpo Messe- und Kongress-GmbH. Ein wichtiges Erfolgskriterium jeder Messe ist der Besucherzuspruch. Darin übertraf die LogiMAT 2016 die ohnehin schon als Rekordveranstaltung geltende LogiMAT 2015 noch einmal deutlich. Während der drei Messetage kamen in diesem Jahr insgesamt 43.465 Fachbesucher auf das Stuttgarter Messegelände. Das sind 8.360 beziehungsweise 23,8 Prozent mehr als im Jahr 2015. Jedoch waren die Zahlen des Vorjahres von Streiks bei den Zubringerverkehren leicht verzerrt worden. Die seriös erhobenen Daten wurden vom unabhängigen Baseler Marktforschungsinstitut Wissler & Partner erfasst. „Der Stellenwert einer erfolgreichen Messe bemisst sich nicht nur nach Ausstellerzahlen und Ausstellungsfläche, sondern insbesondere auch an den Besucherzahlen und der Zufriedenheit des Fachpublikums“, so Messechef Kazander. „Wir wollen dem Fachpublikum nicht Größe bieten, sondern Vielfalt.“

Davon bot die LogiMAT 2016 mehr denn je. Vielfach wurde die Messe von den Ausstellern als exklusive Präsentationsfläche für ihre Neuheiten und Innovationen genutzt, die oft bereits konkrete Lösungsansätze im Rahmen der Megatrends Industrie 4.0, Internet der Dinge und E-Commerce aufzeigten. „Das belegt den Ruf der LogiMAT als Informationsplattform, Arbeitsmesse und Trendbarometer für die Entwicklungen in der Intralogistik“, sagt dazu Dr. Petra Seebauer, ebenfalls Geschäftsführerin der Euroexpo Messe- und Kongress-GmbH. „Was man auf der LogiMAT nicht findet, gibt es noch nicht“, ergänzt Kazander.
Hohen Zuspruch seitens Ausstellern und Fachpublikum erfuhr auch die Handelsplattform TradeWorld, die zum dritten Mal im Rahmen der LogiMAT veranstaltet wurde. Sie fokussierte die enge Verzahnung der Logistik mit den Handels- und Vertriebsprozessen in B2B und B2C. Die Aussteller dort zeigten in diesem Jahr Lösungsangebote zu Retail 4.0, etwa zu E-Procurement, Payment, Marketing, Shoplösung, Versandmanagement, Fulfillment und Retouren-Handling. „Die diesjährige TradeWorld hat bestätigt, wie die E-Commerce- und Omnichannel-Prozesse sowie die dahinterliegende Logistik einander ergänzen“, so Petra Seebauer, die innerhalb der Euroexpo die Leitung der TradeWorld ver­antwortet. „Die Integration der Handelsplattform TradeWorld in die Fachmesse LogiMAT hat sich als richtig erwiesen. E-Commerce ist ein besonderer Wachstumsmotor. Damit zeigt die TradeWorld den enormen Mehrwert, den die enge Vernetzung von E-Commerce und Logistik bietet. Die Präsentation entsprechender Lösungsangebote werden wir weiter ausbauen.“

Obwohl die LogiMAT 2016 alle Messehallen in Stuttgart belegte, war die Veranstaltung für Aussteller ausgebucht. Bis 2018, dem Fertigstellungstermin der neuen Halle 10, muss weiteres Wachstum auf den vorhandenen Ausstellungsflächen erfolgen.
Die nächste LogiMAT öffnet ihre Tore übrigens bereits vom 19. bis 21. April 2016. Im chinesischen Nanjing findet dann die LogiMAT China statt. In Stuttgart wird die LogiMAT 2017 vom 14. bis 16. März 2017 veranstaltet. ts

Forum und Sonderschau: Grüne City-Logistik

Teil der TradeWorld war das Fachforum „Urbane Logistik“, in dem LOGISTRA Test + Technik-Ressortleiter Johannes Reichel Ansätze präsentierte, wie Transporte in der Stadt nachhaltiger organisiert werden können. „Wir werden keine Rückläufigkeit des Verkehrs in der Stadt erleben.“ So lautet die Prognose von Martin Stockmann, der beim Fraun­hofer IML urbane Logistik untersucht und den Hauptvortrag hielt. Nicht zuletzt der Trend zum Multichannel werde für mehr Distribution sorgen.
Und das vor dem Hintergrund von Platzproblemen, Restriktionen und dem Ziel der EU, die Städte bis 2050 CO2-frei zu organisieren. Schlussfolgerung: „Wir müssen uns etwas einfallen lassen.“ Können City-Hubs am Rand der Stadt Entlastung bringen? Liegt eine Chance in der Nachtbelieferung, sofern sie mit E-Fahrzeugen geräuscharm organisiert wird? Vor allem müsste man für Akzeptanz bei den Bürgern sorgen.
Das ist ein Punkt, dem Rainer Kiehl von UPS voll beipflichtet: „Man muss die Bürger mitnehmen.“ Er präsentierte den bundes- und europaweit bisher einmaligen Ansatz, Lastenräder mit innerstädtischen Mikrodepots zu kombinieren, im Falle von UPS eine Wechselbrücke. Das mit dem lokalen Handel geborene Projekt habe zwar in Hamburg zahlreiche administrative Hürden nehmen müssen, und die Verstreuung der Zuständigkeit für die Logistik in diversen Referaten habe die Arbeit nicht erleichtert. Dennoch sei am Ende die Stadt Hamburg entschlossen gewesen, Neues zu wagen. Der Erfolg gibt dem Projekt Recht. Paris eifert Hamburg bald nach, München startet ein ähnliches Projekt, Anfragen zum Lastenradeinsatz lägen aus Offenbach und Frankfurt vor. „Wir sparen damit neun Zustellfahrzeuge“, bilanziert Kiehl. Neben den Cargo Bikes läuft nur noch ein Lkw, und der ist vollelektrisch. Dass damit Parkplätze abgebaut würden, sei nicht der Fall. „Wir blockieren ja viel weniger Straßenraum.“
Dass man Transporter eben nicht ganz ersetzen kann, das unterstrich auch Gerd Seber, Nachhaltigkeitsmanager bei DPD: „Unsere Fahrzeuge kommen voll bis unters Dach aus dem Depot.“ Daher setze man auf die Ein-Fahrzeug-Lösung mit einem umgebauten Hybrid-Sprinter. Als Ergänzung sieht aber auch Seber Potenzial in Lastenrädern. Das erschließt bereits Raimund Rassillier von VeloCarrier aus Tübingen. Und weitet es stetig aus: „Über unser lokales Netzwerk kommen immer mehr Kunden. Jetzt organisieren wir mit unseren Cargo Bikes etwa gebündelt die Blumenlogistik für Fleurop, vorher lauter Einzelfahrten.“ Übrigens hat er in seinen Kofferaufbauten auch an Ladungssicherung gedacht. Ein stets etwas heikler Punkt, auf den der TÜV Süd zum Schluss hinwies. „Das sollte man auch bei Lastenrädern von Anfang an mitbedenken“, erklärte LaSi-Experte Markus Otremba.
Das Fachforum ergänzte eine von LOGISTRA organisierte Sonderschau, auf der auf über 300 Quadratmetern elektrische und alternative Zustellfahrzeuge von UPS, Hermes, Go! und DPD präsentiert wurden. Auch Fahrzeughersteller wie Fuso, Iveco und eForce beteiligten sich.

Auszeichnung: Bestes Produkt der LogiMAT 2016

Ein Kommissionierfahrzeug, das seinem Bediener auf Schritt und Tritt folgt, eine Software, die eine intermodale 360°-Transportüberwachung ermöglicht und ein System, das auf einfachste Weise eine standardisierte Pflege von Artikelstammdaten ermöglicht: Die Preisträger der Expertenwahl „Bestes Produkt 2016“ der ­LogiMAT bieten Lösungen für die Logistik der Zukunft.
Messechef Peter Kazander verkündete am Dienstag im Rahmen der Eröffnungsfeier der Messe zum 13. Mal die drei Unternehmen, die für ihre innovativen Produkte mit dem Preis „Bestes Produkt“ ausgezeichnet wurden. Jeder Sieger hat in seiner Kategorie nach Ansicht einer Expertenjury, bestehend aus Wissenschaftlern und Fachjournalisten, wesentlich zur Rationalisierung, Kostenersparnis und zur Steigerung der Produktivität in der innerbetrieblichen Logistik beigetragen.
„Unter den zahlreichen Einsendungen zunächst die Finalisten zu identifizieren und am Ende dann die Gewinner auszumachen, ist eine große Herausforderung, aber auch Verantwortung. Der Preis hat inzwischen eine so große Bedeutung erlangt, dass viele namhafte Firmen im Rennen sind. Zum Schluss war es aber hochverdient für die aktuellen Preisträger“, so Jurymitglied Prof. Dr. Willibald A. Günthner, Inhaber des Lehrstuhls für Fördertechnik Materialfluss Logistik, Technische Universität München.
In der Kategorie „Kommissionier-, Förder-, Hebe-, Lager­technik“ ging der Preis an die Still GmbH, Hamburg. Der Flurförderzeughersteller wird für das Kommissionierfahrzeug mit dem Produktnamen „iGo neo CX20“ ausgezeichnet. Wie ein autonomer Kollege folgt dieses Fahrzeug dem Bediener auf Schritt und Tritt. Weil es ihm stets den Vortritt lässt, kann der Bediener beim Picken um das Gerät herumlaufen. Die beim manuellen Fahren nötigen Laufwege von und zum Fahrzeug gehören damit ebenso der Vergangenheit an wie das zeitaufwendige Auf- und Absteigen. Das Kommissionierfahrzeug erkennt die gesamte Lagertopologie per Laserscan. Neben Regalen oder Hindernissen „sieht“ das System auch den Bediener und andere Personen. Diese Innovation steht nach Ansicht der Jury für ein bisher nicht gekanntes Plus an Prozesssicherheit.
In der Kategorie „Software, Kommunikation, IT“ gewinnt die Synfioo GmbH, Potsdam, mit ihrem „360° Transportation Monitoring“ für mehr Information in der Logistikplanung. Zuliefer- und Transportplanung ist eine sehr wissensintensive Tätigkeit, bei der unvollständige Informationen eine optimale Entscheidung erschweren. Existierende Lösungen zur Informationsaufbereitung integrieren sich nicht vollständig in den alltäglichen Ablauf, vernachlässigen zumeist äußere Einflussfaktoren, fokussieren historische Analysen oder vernachlässigen logistikspezifische Anforderungen.
Synfioo bezieht in Echtzeit vielfältige interne und externe Einflussfaktoren aus verschiedenen – auch öffentlich zugänglichen – Informationsquellen ein. Sie ermittelt dann aus einer Vielzahl zur Verfügung stehender Daten für jeden einzelnen Transport in Echtzeit die relevanten Stör­einflüsse. Durch die Echtzeitanalyse erhalten die Anwender eine höhere Planungssicherheit und die Robustheit der Lieferketten gegen äußere Einflüsse wird erhöht, so die Jury in ihrer Urteilsbegründung.
In der Kategorie „Identifikation, Verpackungs- und Verladetechnik, Ladungs­sicherung“ geht der Preis an die Sick Vertriebs-GmbH,
Düsseldorf, für ihren „Master Analyzer“. Industrie 4.0 erzeugt, nutzt und verändert Artikelstammdaten. Sie sind oft der Schlüssel zur flexiblen Automatisierung. Die zunehmende Individualisierung verlangt eine ständige Erweiterung und Veränderung dieser Daten. Der „Master Analyzer“ ermöglicht auf einfachste Weise eine standardisierte Erfassung von Informatio­nen wie Größe, Gewicht, Artikelnummer inklusive Bildaufnahme. Die Anwendungsgebiete reichen von der Erfassung im Wareneingang über die Lagerflächen- und Stauraumoptimierung bis hin zur Datenerfassung für den Versand.
Besonders beeindruckt hat die Jury in diesem Jahr die Anzahl und Qualität der Bewerbungen. Die Auszeichnung wird von Ausstellern und Besuchern gleichermaßen als zentraler Bestandteil der Messe und als Qualitätssiegel für clevere und zukunftsträchtige Lösungen und Produkte verstanden.

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