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Auf einen Blick

Ein digitaler Fahrzeugscanner revolutioniert die Schadensdokumentation bei der Fahrzeugübergabe. 
TÜV SÜD entwickelt das System mit.

Der Digital Vehicle Scan (DVS) ist ein mit bis zu 22 Kameras ausgestattetes Portal, das den Fahrzeugzustand bei der Durchfahrt automatisch erfasst und gegebenenfalls Reparaturbedarf an Karosserie und Aufbau dokumentiert. Bild: Daimler
Der Digital Vehicle Scan (DVS) ist ein mit bis zu 22 Kameras ausgestattetes Portal, das den Fahrzeugzustand bei der Durchfahrt automatisch erfasst und gegebenenfalls Reparaturbedarf an Karosserie und Aufbau dokumentiert. Bild: Daimler
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Tobias Schweikl
digitaler Fahrzeugscanner

Immer wenn Fahrzeuge den Besitzer wechseln, wird in der Regel der Zustand des Kraftfahrzeugs dokumentiert. Das soll sicherstellen, dass etwaige Schäden dem Verursacher zugeordnet werden können. Der Prozess wird derzeit größtenteils noch manuell erledigt. Ein qualifizierter Mitarbeiter begutachtet das Fahrzeug, macht Fotos von möglichen Schäden und trägt sein Ergebnis in eine Mängelliste ein.

Die Daten werden dann mit der Liste der bestehenden Schäden abgeglichen. Dieser manuelle Prozess ist zeitaufwendig und auch fehleranfällig. Zudem mangelt es oft an der technischen Ausstattung und die Fotos sind wenig aussagekräftig.

In Zeiten, in denen das Car-Sharing (und in der Logistik zunehmend auch das Van-Sharing) immer wichtiger werden, birgt dieses Vorgehen enormes Verbesserungspotenzial. Nicht nur, dass es im harten Lieferalltag auf der letzten Meile immer häufiger zu Parkremplern oder ähnlichen Schäden kommt. Spätestens bei der Rückgabe von Leasingfahrzeugen entstehen immer wieder Probleme, falls Beschädigungen nicht rechtzeitig entdeckt oder behoben wurden. Und auch für Flottenmanager, die einen Überblick über den Zustand ihres Fahrzeugbestandes behalten wollen, wäre eine Automatisierung dieses Prozesses interessant.

Die Lösung des Problems heißt Digital Vehicle Scan (DVS). Hinter dem Begriff verbirgt sich ein mit bis zu 22 Kameras ausgestattetes Portal, das den Fahrzeugzustand bei der Durchfahrt automatisch erfasst und gegebenenfalls Reparaturbedarf an Karosserie und Aufbau dokumentiert. Entwickelt wurde das System von der Josef Paul GmbH & Co. KG beziehungsweise deren IT-Spezialisten von der Insisto GmbH aus Passau. TÜV SÜD ist als Kooperationspartner bei dem Projekt mit dabei. Erfasst werden können neben Pkw auch Lieferwagen, Transporter und sogar Lkw und Busse.

Der Ablauf des Prozesses ist denkbar einfach. Ein zu scannendes Fahrzeug wird vor der Einfahrt in den DVS per automatischer Nummernschilderkennung identifiziert und das Scan-Portal anschließend via Schranke freigegeben. Bei der Durchfahrt im Schritttempo erfassen verschiedene optische Kameras und Sensoren das Fahrzeug und dokumentieren den äußeren Zustand von allen Seiten, inklusive des Unterbodens. Die Bilder stehen anschließend sofort auf einer Softwareplattform digital zur Verfügung. Zudem können mithilfe einer zusätzlichen Messanlage Profiltiefe und Luftdruck der Reifen gemessen werden. In 20 bis 30 Sekunden soll so ein kompletter Scanvorgang abgeschlossen sein.

Die gewonnenen Daten werden gesammelt und können extern, zur Analyse oder Dokumentation, weiterverarbeitet werden. Hierzu gibt es verschiedenste Schnittstellen-, Software- sowie App-Lösungen. TÜV SÜD als Kooperationspartner entwickelt derzeit sogar eine automatische Schadenserkennung für den DVS. Eine spezielle Software analysiert mit künstlicher Intelligenz die geschossenen Fotos, gleicht sie mit dem vorhandenen Datenbestand ab und erkennt so gegebenenfalls neu hinzugekommene Lack- und Blechschäden.

Damit soll ab Mitte 2019 der Fahrzeugzustand nicht nur lückenlos erfasst, sondern auch etwaige Mängel sollen automatisch identifiziert werden. Zentrales Element des DVS-Portals sind die je nach Anwendung bis zu 22 Hochleistungskameras, die bei der Durchfahrt ein 360-Grad-Bild des Fahrzeugs erstellen. Reifendruck und Profiltiefe werden durch ein Überfahrsystem des Herstellers Ventech erfasst. Ergänzt wird das Portal durch eine automatisierte Tempokontrolle, die Kennzeichenerfassung, eine Schranke sowie die entsprechende LED-Beleuchtung für die Kameras. Die noch junge DVS-Referenzliste lässt bereits das Potenzial des Systems erahnen. Im Bochumer VAN2SHARE-Projekt (vormals CAR2SHARE Cargo) wurde das System für die Lieferanten und Logistikdienstleister von Amazon Logistics eingeführt. Mercedes-Benz stellt den Amazon-Lieferpartnern hier 100 elektrisch betriebene Elektro-Vans „eVito“ zur Verfügung.

In der Vision soll jeder Fahrer mit seinem Fahrzeug zu Beginn und am Ende seiner Tour durch den Scanner fahren. Schäden und Kratzer werden durch einen Vergleich der Bilder und Daten zwischen Tourbeginn und -ende entdeckt. Der Flottenverwalter wird bei Schäden automatisch benachrichtigt. Das System soll den Missbrauch der schlüssellosen Verfügbarkeit von Lieferfahrzeugen verhindern. Und das über 24 Stunden an sieben Tagen die Woche. Der automatisierte Scanprozess soll integraler Bestandteil des neuen Serviceangebots für Flottenbetreiber werden. Weitere DVS-Komplettsysteme sind bereits an den Mercedes-Benz-Standorten Augsburg, Passau und Neu-Ulm im Einsatz. Es werden verschiedene After-Sales-Anwendungsfälle erprobt und die Attraktivität sowie das Geschäftspotenzial mit Fokus auf Nutzfahrzeugkunden getestet.

Die Idee hier: Der DVS soll zukünftig After-Sales-Themen inklusive der CharterWay-Miete und den Verkauf unterstützen. Ein weiterer klassischer Anwendungsfall des DVS: Der Gefahrenübergang in der weltweiten Lieferkette birgt hohes Schadenpotenzial, welches nur schwer nachzuvollziehen ist. Oft bleibt die Frage offen, wer denn den Schaden verursacht hat. Der DVS kann Beschädigung entlang der Lieferkette eindeutig nachweisen und so für Kostenreduktion und Transparenz sorgen. Die Liste zeigt die Vielfalt der möglichen DVS-Anwendungen, selbst wenn man das System „nur“ zur automatisierten Zustandsdokumentation nutzt. In Verbindung mit der automatisierten Schadenserkennung, wie sie TÜV SÜD derzeit für den DVS entwickelt, wird daraus endgültig eine Lösung für die Fuhrparkverwaltung 4.0. ts

Foto: Daimler; HUSS-Verlag

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Artikel Auf einen Blick
Seite 39 bis 37 | Rubrik Märkte & Trends
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