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Elektromobil in die Stadt

Beim 5. Kongress Smart City Logistik wurden Lösungsvorschläge für einen wirtschaftlichen Einsatz von E-Fahrzeugen zur Belieferung der Innenstädte diskutiert.

Der 5. Smart City Logistik Kongress war begleitet von einer Ausstellung aktueller E-Fahrzeuge. Bild: Tobias Schweikl
Der 5. Smart City Logistik Kongress war begleitet von einer Ausstellung aktueller E-Fahrzeuge. Bild: Tobias Schweikl
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Tobias Schweikl

Der Vertreter des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, Christian Liebich, brachte das Problem in seinen einleitenden Worten auf den Punkt: „Die eine Antwort wird es nicht geben“, so sein Fazit zu den komplexen Fragestellungen rund um den Bereich City Logistik und Elektromobilität. Zu unterschiedlich sind die Interessenslagen – egal ob Logistiker, Innenstadtanwohner, Fahrzeughersteller oder Politik. Und zu grundlegend ist der Systemwandel, der mit der Einführung der E-Mobilität in der Logistik verknüpft ist. In den meisten Fällen genügt es eben nicht, ein dieselbetriebenes Fahrzeug durch ein elektrisch angetriebenes zu ersetzen. Technisch bedingt begann der Wandel hin zu mehr Elektrofahrzeugen nämlich „von unten“ bei den kleinen Einheiten wie etwa den Lastenfahrrädern.

Erst nach und nach kommen nun größere Einheiten auf den Markt, wie etwa die KEP-Lieferfahrzeuge Streetscooter Work, Streetscooter Work L und Streetscooter Work XL, mit dem ab 2019 dann ein vollwertiger 3,5 Tonner mit E-Antrieb zur Verfügung steht. Vom Fahrzeugangebot der etablierten Hersteller zeigten sich nahezu alle auf dem Kongress anwesenden enttäuscht. „Meist wird man auf 2020 und später vertröstet“, so der Mann aus dem Wirtschaftsministerium mit Blick auch auf elektrifizierte Verteiler-Lkw.

Es muss sich rechnen

Liebich alleine kenne drei Forschungsprojekte zur Elektromobilität, die nicht starten konnten, weil es keine entsprechenden Fahrzeuge gab, so die Aussage.

Im Zentrum aller Überlegungen bei der Elektrifizierung der letzten Meile steht die Wirtschaftlichkeit. Erst wenn sich der Fahrzeugeinsatz rechnet, werden diese Verkehre in nennenswertem Umfang umgestellt. Und das ist laut Thomas Becker, Geschäftsführender Gesellschafter der Dako GmbH, nur eine Frage der Zeit: „Elektromobilität ist Teil unserer Zukunft. Die Frage ist nur wann und wo.“ Dako engagiert sich gemeinsam mit anderen Partnern im Projekt Smart Distribution Logistik und ist zudem der Veranstalter des SCL-Kongresses.

Dass im Markt derzeit viel in Bewegung ist, konstatierte Dr. Harald Hempel, bei Dako verantwortlich für die Bereiche Innovation und Forschung. „Die Hälfte der E-Fahrzeuge im Markt wurde im Jahr 2017 zugelassen“, so Hempel. Dabei stellt auch er fest: „Je kleiner das Fahrzeug, desto eher erreicht man die Wirtschaftlichkeit.“

Hempel weiß wovon er spricht, denn ein Arbeitsschwerpunkt des Konsortiums lag im vergangenen Jahr auf der Kostenermittlung im Fahrzeug und der Frage, wie man alle relevanten Kosten inklusive der Personalkosten in einen einfachen Cent-pro-Kilometer-Wert bekommt. Man habe sich letztlich dafür entschieden, rund 150 unterschiedliche Daten in diese Berechnung einfließen zu lassen. Eine weitere Erkenntnis der Praxistests: „Es geht ums Teilen“, so Hempel. So könnten Elektrofahrzeuge, die frühmorgens die eine Aufgabe übernehmen, am Nachmittag woanders eingesetzt werden. „Fahrzeuge stehen momentan noch sehr viel herum“, so das Fazit.

Ein angesichts der immer näher rückenden Fahrverbote für Dieselfahrzeuge akutes Problem ergibt sich für Kühltransporten und hier speziell im Pharmabereich. „Die GDP ist mit Elektrofahrzeugen deutlich schwerer zu erreichen“, stellt etwa Matthias Krause, Geschäftsführer der eLOG Systembetrieb GmbH fest. Das Unternehmen ist in der Pharmalogistik tätig und muss regelmäßig Apotheken in Innenstädten anfahren. Dazu seien E-Fahrzeuge eigentlich ideal, doch die nötige Transportklimatisierung belaste die Batterie stark. Zudem sei es schwierig Fahrzeuge zu finden, die eine entsprechende GDP-Zertifizierung aufweisen.

In die gleiche Kerbe schlagen Olaf Höhn, Inhaber der Florida-Eis Manufaktur GmbH und Alexander Schad von Cateringanbieter Aveato, einem Unternehmen der Eatat System AG. Schads Hoffnungen ruhen derzeit auf dem Nissan eNV 400, den er demnächst erhalten soll. Mit dem Streetscooter, den er bereits testet, ist er eigentlich zufrieden, weil das Fahrzeug „toll konzipiert“ und „sehr zuverlässig“ sei. Ein entsprechender Kühlausbau des Herstellers Kress sei jedoch zu teuer. Und Florida-Eis-Mann Höhn experimentiert derzeit gar in Eigenregie, um seine Fracht zu kühlen. Mit überschaubarem Erfolg, wie er zugibt.

Sehr zufrieden ist man bei Aveato mit dem elektrisch betriebenen „Tripl“ der EWII mobility A/S. Das elektrische Motorrad auf drei Rädern hat eine große Lieferklappe vor dem Fahrer. Es ist laut Schad „super flexibel“ und werde – im Gegensatz zu dem von ihm ebenfalls getesteten Lastenrad E-Bullit – von seinen Leuten gerne gefahren. Zudem könne der Tripl nicht so einfach entwendet werden, von den Bullits verschwanden bei Aveato in drei Monaten zwei Stück. Für das Unternehmen ebenfalls interessant: der Tripl sei „ein absoluter Eye-Catcher“ und dadurch ein guter Werbeträger.

Mit mehr als 130 Teilnehmern ist der Smart City Logistik-Kongress zu einem wesentlichen Anlaufpunkt für Praktiker und Anwender gewachsen. Er hat mittlerweile bundesweite Beachtung erlangt. Auch 2019 will das Konsortium die Kongressreihe fortsetzen, um die Elektrifizierung durch einen offenen Austausch voran zu bringen.ts

Fotos: T. Schweikl, B. Brandenburg

 

VISION mobility THINK TANK: CO2-frei in die Stadt

Im Rahmen des 5. Smart City Logistik Kongresses fand ein weiterer VISION mobility THINK TANK statt. Die Podiumsdiskussion stand unter der Leitung von LOGISTRA-Chefredakteur Tobias Schweikl und widmete sich dem Thema „CO2 – Konsequent gekappt: Wie komme ich möglichst smart, schnell und sauber in die Stadt?“ Unter reger Beteiligung des Publikums diskutierten Wolfgang Beecken von der Letzte-Meile-Unternehmensberatung First Mile, Steen Meldgaard von der EWII mobility mit seinem elektrisch betriebenen Lieferdreirad Tripl sowie Leif Beuth von der Deutschen Post AG, der für den Streetscooter einstand. Der Tenor der Veranstaltung: zum einen sind die richtigen Elektrofahrzeuge mittlerweile vorhanden. Zum anderen genügt es meist nicht, ein dieselbetriebenes Fahrzeug durch mehrere kleine elektrische zu ersetzen. Um diese sinnvoll einzusetzen, sind zentrale Hubs in der Stadt nötig, von denen aus die Feinverteilung startet. Das fordert ein Umdenken auch in den Logistikkonzepten. Aus dem Publikum kam zudem die Anmerkung, dass die nun existierenden E-Fahrzeuge für Kühltransporte nicht oder nur zu sehr hohen Kosten für spezielle Kühlaufbauten einsetzbar sind. Die Veranstaltungsreihe VISION mobility THINK TANK widmet sich auf Messen und Kongressen dem Thema moderne Mobilität. Die nächsten THINK TANKs sind auf der Automechanika, der New Mobility World auf der IAA Nutzfahrzeuge, der eMove 360˚ und der Hypermotion geplant. Sie werden von den Unternehmen BPW, Dako und DKV als Sponsorpartner unterstützt.

 

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Artikel Elektromobil in die Stadt
Seite 28 bis 29 | Rubrik Märkte & Trends
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