Handel ist Wandel

Das Großhandelsunternehmen VOG AG hat im laufenden Betrieb in ein vollautomatisches Paletten-Hochregallager investiert und parallel dazu die Kapazitäten im Bereich konventioneller Lagersysteme ausgebaut. Projektpartner war SSISchäfer.

Die VOG AG, ein österreichisches Traditionsunternehmen, betreibt ein großflächiges Logistikinfrastrukturnetz mit zwölf eingebundenen Tochtergesellschaften. Bild: SSI Schäfer
Die VOG AG, ein österreichisches Traditionsunternehmen, betreibt ein großflächiges Logistikinfrastrukturnetz mit zwölf eingebundenen Tochtergesellschaften. Bild: SSI Schäfer
Tobias Schweikl

Die VOG AG wurde 1916 als Einkaufsgemeinschaft von 21 oberösterreichischen Lebensmittelgroßhändlern infolge einer Zuckerversorgungskrise während des Ersten Weltkrieges in Linz gegründet.

Die weitere Expansion war und ist geprägt von dem Grundsatz „Handel ist Wandel“, der die Gesetzmäßigkeiten der Branche treffend umschreibt. Demnach ist Anpassungsfähigkeit an sich verändernde Markt- und Kundenanforderungen ein wichtiger Stützpfeiler des Erfolgs. Gleichzeitig steht der Name VOG für kontrollierte Qualität, Produktsicherheit und Produktvielfalt. Dies betrifft das aus Eigen- und Vertriebsmarken bestehende Lebensmittelsortiment ebenso wie den Non-Food-Bereich.

Performance und Wirtschaftlichkeit

Als Serviceunternehmen des Handels betreibt das österreichische Traditionsunternehmen ein großflächiges Logistikinfrastrukturnetz mit zwölf eingebundenen Tochtergesellschaften. Lagerhäuser, die als Drehscheiben für die Verteilung von Waren an mitteleuropäische Kund:innen dienen, befinden sich unter anderem in Österreich, Polen, Tschechien und Ungarn. Koordiniert werden die Logistikaktivitäten der gesamten Gruppe durch den hauseigenen Dienstleister Vogtrans Speditions- und Verpackungsgesellschaft mbH. „Transparenz über sämtliche Bestände wird aufgrund der steigenden Anforderungen an die Produktrückverfolgbarkeit immer wichtiger“, so Mag. Matthias Ritzberger, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied bei VOG. Zudem erfordern steigende Betriebskosten beim Ressourceneinsatz ein Umdenken.

Aber auch Bestandssicherheit ist ein zentrales Thema, gerade bei saisonalen Spitzen. „Mit Blick auf diese Herausforderungen und das überzeugende Lösungskonzept von SSI Schäfer, welches sich zudem vom Wettbewerb abhob, haben wir Anfang 2021 beschlossen, den nächsten Schritt in Richtung Zukunft gemeinsam mit SSI Schäfer zu gehen“, sagt Matthias Ritzberger.

Das Lösungskonzept von SSI Schäfer sah den Neubau eines weiteren manuellen Lagers sowie eines vollautomatischen Paletten-Hochregallagers vor. Beide waren in die vorhandenen Strukturen am Standort Linz zu integrieren und bestmöglich mit dem Bestand zu verknüpfen. „Mit dem Hochregallager haben wir erstmalig in eine vollautomatische Anlage investiert“, berichtet Matthias Ritzberger weiter.

Ziel war es, eine beschleunigte, fehlerminimierte Bereitstellung der angeforderten Güter bei erhöhter Ressourcenunabhängigkeit zu erreichen. Darüber hinaus sollten Prozesse optimiert und eine höhere Lagerdichte erzielt werden. „Das von SSI Schäfer präsentierte Konzept hat unmittelbar überzeugt“, so Matthias Ritzberger. „Die Faktenlage war klar und das Lösungsangebot genau darauf zugeschnitten.“

Flexibilität im operativen Betrieb

„Um konstante und effiziente Abläufe zu gewährleisten und sich zukunftssicher aufzustellen, empfiehlt es sich, sukzessive und mit Bedacht in die Automatisierung einzusteigen“, sagt dazu Jürgen Ringelmann, Projektmanager bei SSI Schäfer. „Unternehmen können, so wie VOG es vormacht, in der Automatisierung von Teilbereichen erste Erfahrungen sammeln und ihre ganz eigenen Prioritäten für die Zukunft setzen.“

Nach einer Bau- und Installationsdauer von gerade einmal zwei Jahren fand die Inbetriebnahme planmäßig Anfang 2023 statt. Die Vorzone des Paletten-Hochregallagers ist über eine neu integrierte, bidirektionale Fördertechnik mit einer Bestandshalle verbunden, über die sich Waren flexibel zu- und abführen lassen. Fördertechnisch angeschlossen ist außerdem ein Versandgebäude.

Das Hochregallager dient primär der Bevorratung von Rapsöl der Eigenmarke „Rapso“ sowie Konserven und Qualitätswein aus eigener Produktion. Es bietet Platz für 11.000 Paletten bei doppeltiefer Einlagerung durch vier energieeffiziente Regalbediengeräte vom Typ SSI Exyz von SSI Schäfer. „VOG hat sich bewusst für eine Inhouse-Bauweise entschieden“, weiß Jürgen Ringelmann. „So behält sich der Kunde alle Optionen offen, wie er die Anlage eventuell in 20 bis 30 Jahren nutzen will.“

Zusätzliche 11.000 Stellplätze für Paletten sind in einem weiteren, ebenfalls neu errichteten manuellen Lager mit 15 Gassen entstanden. Die erforderlichen Regalzeilen hat SSI Schäfer parallel aus einer Hand geliefert und installiert.

Zum Einsatz kommt bei VOG erstmals auch die Logistiksoftware WAMAS von SSI Schäfer. Das Materialflusssystem „WAMAS MFS“ steuert und optimiert fortwährend die Prozesse im vollautomatischen Paletten-Hochregallager vom Wareneingang bis zum Warenausgang. Dies geschieht im Echtzeitabgleich mit dem „WAMAS WCS“ (Warehouse Control System), das die Aufträge jeweils freien Kapazitäten in den Bereichen Fördertechnik und Kommissionierung zuordnet.

Auf diese Weise lassen sich neben kurzfristig anberaumten Eilaufträgen auch Spitzen effizient abwickeln. „Die Leistung von Automatiksystemen ist immer auch eine Frage der Software“, so Jürgen Ringelmann. Speziell bei VOG konnten die vertraglich vereinbarten Anforderungen dank des WAMAS WCS sogar noch übertroffen werden: Je nach Auftragsstruktur ist das System in der Lage, bis zu 180 Paletten je Stunde zu handeln.

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Präventive Wartung und kurze Reaktionszeiten

Auch Vertrauen in die maximale Verfügbarkeit über die gesamte Lebensdauer des Systems hat bei VOG höchste Priorität. Dank der präventiven Wartung, die von den SSI Schäfer Servicetechnikern durchgeführt wird, kann die Anlage auf permanent hohem Leistungsniveau betrieben werden. Tritt eine Störung auf, wird über die Hotline rasch und effizient remote unterstützt.

Alternativ kann auch auf die „SSI Augmented Support“-Lösung zurückgegriffen werden. Hierbei handelt es sich um ein mobiles Video-Kommunikations-System, bei dem das Geschehen in Echtzeit übertragen wird und der Techniker bei VOG sofort mit der Ermittlung des Problems beginnen kann. Und wenn es aus der Ferne doch nicht lösbar ist, helfen die geschulten und zertifizierten SSI Schäfer Servicetechniker vor Ort und sorgen für eine rasche Fehlerbehebung und damit für den reibungslosen Betrieb der Anlage.

„Unsere Erfahrungen mit dem Automatiksystem in Linz sind seit dem Go-live durchweg positiv“, betont Matthias Ritzberger von VOG. „Die Anlage muss nicht immer unter Volllast laufen, das spart Energie. Sie kann aber dank des von SSI Schäfer geschaffenen, skalierbaren Puffers in kürzester Zeit hochgefahren werden, um die Durchsatzleistung deutlich zu steigern. Das hat den Vorteil, über die Anlage nicht nur saisonale Spitzen, sondern auch kommendes Wachstum bedienen zu können.“

Energieeffizientes Hochregallager

Auch bei der Bestandsführung sei VOG dank softwarebasierter permanenter Inventur auf der sicheren Seite, sodass erforderlicher Nachschub rechtzeitig geordert werden kann. Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass das Hochregallager als ein in sich geschlossenes, hochverdichtetes Lagersystem mittel- bis langfristig wesentlich energieeffizienter als manuelle Lagerbereiche mit Personen- und Staplerverkehr zu betreiben ist.

Anteil daran haben auch die SSI Exyz-Regalbediengeräte, die durch Verwendung eines im Mast integrierten Gegengewichts Energie bereits bei der Hubbewegung einsparen. Sollten innerhalb der VOG-Gruppe weitere Investitionsentscheidungen im Bereich der Logistik anstehen, werden die mit dem Automatiksystem gewonnenen Erfahrungswerte in die Überlegungen miteinbezogen. ts

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Seite 12 bis 14 | Rubrik Märkte & Trends