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Innovationen am Rad

Mit den Test Days auf der Eurobike startete der von LOGISTRA initiierte „International Cargobike of the Year“-Award in die vierte Runde. Zahlreiche Neuheiten bei Light, Heavy und Trailer präsentierten sich der Jury.

Und Action! 13 Bikes nahmen die Juroren um Redakteur Johannes Reichel in Augenschein. Neu für die Jury im Sattel: Aline Künzler von Veloblitz (im Bild). Bild: J. Reichel
Und Action! 13 Bikes nahmen die Juroren um Redakteur Johannes Reichel in Augenschein. Neu für die Jury im Sattel: Aline Künzler von Veloblitz (im Bild). Bild: J. Reichel
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Redaktion (allg.)

Mit den „Test Days“ im Rahmen der Eurobike 2023 in Frankfurt ist der „International Cargobike of the Year“-Award in die nächste Runde gestartet. Die fünf Juroren um Initiator und LOGISTRA-Redakteur Johannes Reichel nahmen insgesamt zwölf Bikes und einen Trailer unter die Lupe, je sechs in den Kategorien Light und Heavy. Unterschiedliche Konzepte kamen dabei zum Einsatz.

Im leichten Segment gibt es einen „Mini-Trend“ zu Micro-Cargobikes. Wie dem ultrawendigen, aber hochstabilen und dem Anspruch nach extrem wartungsarmen DLiWR Pulse Pro, dem in einem modular aufgebauten System auch noch ein Trike mit Frontkorb folgen soll. Auch Yoonit setzt auf ein kompaktes und kurzes Lieferbike mit Zarges- oder ProBag-Box vorne drauf – und macht das leichte Rad dank starkem Shimano EP8-Motor zur Zugmaschine einer kleinen Sattelkombi mit dem bewährten (und bisher einzigen Trailer-Bewerber) Carla-Cargo-Anhänger. Der fungiert dann neuerdings mit XXL-Zarges-Box oder mit den leichten Con-Pearl-Stapelboxen und Rampe am Heck als mobiles Mikrodepot. Generell zeigt diese Kombi stellvertretend, welche Potenziale der Einsatz von Trailern bietet, im Hinblick auf die Frachtkapazität, aber auch den wirtschaftlichen Einstieg in die Lastenradlogistik.

Sehr trailertauglich wäre auch der Klassiker von Larry vs. Harry: Das eBullitt ging mit langem Radstand als XL mit robuster und geräumiger Convoy-Box an den Start – und leisem wie starkem Shimano-EP8-Antrieb, ein Antrieb aus einem Guss. Muli-cycles aus Köln überzeugten einmal mehr mit dem kompakten, vielseitigen, auch beladen wunderbar leicht zu fahrenden Faltkorb-Long-John. Als Newcomer mit „Made in Germany“-Anspruch gefiel das „Long Tail“ von Metz dank feinem, leisem und starkem eigenen Motor nebst geschmeidiger Enviolo-Automatik-Kombi, allerdings etwas „wankelmütigem“ Handling. Ebenfalls auf regionale „Zutaten“ setzt das Mäx & Mäleon mit zugkräftigem ZF-Motor und günstigem wie robustem 3x3-Getriebe. Es ist das einzige leichte Trike, wartet mit raffinierter Neigetechnologie an den Vorderrädern auf, jetzt auch als Cargo mit flexibel nutzbarer Plattform.

Groß wie ein Van: Fulpra

Bei den schweren Bikes fuhren die Niederlande groß auf und stellten mit dem Cargo Cycling Chariot sowie mit dem Fulpra 3000 L fürs Gewerbe hochspannende Kandidaten auf die (Lasten)Räder. Beides sind Neigetechnik-Trike-Konzepte, was die Fahrdynamik, aber vor allem auch den Komfort verbessern soll. Cargo Cycling setzt auf einen weiteren Trend und verwendet einen kettenlosen Antrieb mit Mando-Generator, der den Tretimpuls auf den Heinzmann-Frontmotor – für flaches Terrain genug, aber nicht für steilere Rampen – oder wahlweise zwei Heinzmann-Radnabenmotoren überträgt. Kombiniert werden robuste Bremsen und Komponenten vom deutschen Heavy-Duty-Teilespezialist „Fahrwerker“. Fulpra schießt mit der 3.000-Liter-Box den „Volumen-Vogel“ ab und zeigt, dass ein Lastenrad ein Van-Ersatz sein kann. Am Stand zu bewundern war zudem die Frigo-Version mit aktiver Kühlung und Profi-Isolieraufbau.

FlexiModal aus Frankreich setzt auf ein Liegeradkonzept mit Frontantrieb, Bosch-Motor und Rohloff-Nabe mit einer U-förmigen Aufnahme für einen Wechsel-Rollcontainer am Heck, was das Handling mit vorkommissionierten Waren erleichtert. Urban Mobility aus Oberbayern verfeinerte sein Konzept eines Neigetechnik-Trikes mit kettenlosem Antrieb mittels Generator und zweier VRC-Industriemotoren an den Hinterrädern, das sogar Rekuperationsfähigkeit bietet. Kombiniert zeigte man das Schwerlasttrike mit einem AL-KO-Zweiachshänger, womit ein kleiner Gliederzug entsteht. VUF fuhr sein filigranes, wenig verwindungssteifes Stahlrahmen-Trike Transporter XXL auf, das neben dem Mubea als Erstes über den neuen Valeo-Cyclee-Antrieb verfügt. Bei dem ist der 130 Nm starke E-Motor und das Automatikgetriebe in einer Einheit integriert. Er treibt hier allerdings noch eine lange Kette an, in Summe leider ziemlich laut.

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Bike oder Car ist die Frage

Als diesmal einziges Quad im Wettbewerb verdeutlichte das Metrucks Doer E-Ped, dass vier Räder viel Komfort für Fahrer und Fahrstabilität bringen, wenngleich auf Kosten von Raumeffizienz, Wendigkeit und „Fahrradhaftigkeit“. Fahrwerkseitig tafelt man ähnlich auf wie Vorjahressieger Mubea Cargo (Cargobike of the Year 2022), die Kandidaten Vowag Cargo M oder das äußerst robuste Invelo 4 (früher A.NT Cargo). Sprich automobile Konstruktionen. Im Metrucks mit Dreieckslenkern, Federn, Dämpfern und einem Mando-Generator-Antrieb (plus Differenzial), der über zwei Heinzmann-Motoren erfolgt. Konsequent: Hydraulische Profi-Cargobike-Scheibenbremsen von Fahrwerker. Preislich tendiert das deutsche Start-up allerdings auch Richtung Pkw, mit 22.000 Euro. Aktuell strebt man in die Serie.

Am Abend des Test Days zogen die Juroren eine vorläufige Zwischenbilanz, im Rahmen der Cargo Academy. Die Fokus-Session für Lastenräder feierte Premiere und war von der Verkehrswendeagentur cargobike.jetzt und dem Verband Zukunft Fahrrad organisiert worden. Beim CABOTY geht es nach der ersten Runde mit dem Finale auf der IAA MOBILITY weiter. Dann sollen die Sieger in den Kategorien feststehen und feierlich prämiert werden. Wer dort präsent ist, kann sein Lastenbike noch bewerben! Johannes Reichel

CABOTY: Die Jury

Der „International Cargobike of the Year“-Award wurde 2019 von LOGISTRA initiiert und würdigt die Innovationsleistungen der jungen Lastenradindustrie für wirtschaftliche und umweltfreundliche Citylogistik-Lösungen.

Der Fachjury gehören neben dem LOGISTRA-Ressortleiter Test + Technik und Initiator Johannes Reichel ausgewiesene Fachleute und Praktiker der Cargobike-Branche an: Thomas H.L. Schmitz, Mitglied im Radlogistik Verband Deutschland e.V. und Geschäftsführer der Schmitz & Bramer GmbH (Radlader.bike), Martin Schmidt, Radlogistiker von Cycle Logistics CL GmbH sowie Chef von Blue Cargo Biketechnik GmbH, der Urban-Mobility-Spezialist Satish Kumar Beella, Lector engineering & Product development in The Hague University of Applied Sciences, sowie neu dabei Aline Künzler vom Radkurier Veloblitz, Betreiberin der Transportbike-Beratung „velogisch“ und technische Beraterin bei einem Biketrailerhersteller.jr

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Artikel Innovationen am Rad
Seite 12 | Rubrik Märkte & Trends
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