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Fit für die Innenstadt

Der Paketdienstleister UPS setzt in Münchens Zentrum auf Lastenräder. Ein intelligentes Containersystem soll den Lieferprozess effizient halten.

Der Rytle MovR im Einsatz bei UPS in München. Bild: Julian Kral
Der Rytle MovR im Einsatz bei UPS in München. Bild: Julian Kral
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Julian Kral

Das KEP-Unternehmen UPS rüstet am Standort München zum Teil von Diesel auf Muskelkraft um. Die bisherigen Lieferwagen im klassisch amerikanischen Look fahren bislang noch mit roter Plakette, in Zeiten drohender Fahrverbote in der Innenstadt ist das mehr als nur ein Imageproblem. Rund 160 E-Transporter ergänzen deshalb bereits europaweit das Lieferkonzept des Paketdienstleisters, etwa die Hälfte davon in Deutschland. Für den Einsatz an den drei Standorten in München fehle es allerdings an der nötigen Ladeinfrastruktur, so das Unternehmen.

Auch für eigene Erweiterungen ist an den alten Lieferzentren im dicht besiedelten Stadtgebiet kein Raum. Die Lösung soll bei UPS eine noch umweltschonendere Alternative bringen: Lastenräder. Die Cargobikes, vorzugsweise mit Elektroantrieb, liefern in Münchens Zentrum rund um Marienplatz und Glockenbachviertel schnell und flexibel. Dabei setzt das Unternehmen unter anderem auf Technik vom Lastenradanbieter Rytle. Der bietet nicht nur ein Fahrzeug an, sondern ein komplettes Logistikkonzept aus E-Lastenrad und Mikro-Hubs mit Wechselbrücken. Das soll die Lieferprozesse nicht nur lokal emissionsfrei, sondern gleich auch schlanker gestalten.

Abgestimmte Lieferkette

Das System setzt nicht erst in der Innenstadt, sondern schon viel früher an. Es besteht aus aufeinander abgestimmten Standardkomponenten einer Lieferkette, von denen das Lastenrad – der Rytle MovR – nur das sichtbarste Glied ist. Er ist als Pedelec zugelassen und darf überall dorthin, wo klassische Fahrräder fahren dürfen – weder Führerschein noch Versicherungskennzeichen werden benötigt. Der MovR transportiert einen vorkonfektionierten Wechselcontainer – die Rytle-Box.

Diese Box hat das Außenmaß einer Europalette, bietet bis zu 180 Kilogramm Ladevolumen und kann über die montierten Rollen manuell verschoben werden. Es können Päckchen, Pakete und anderes Stückgut transportiert werden, ebenso wie gekühlte Lebensmittel und warmes Essen aus Schnellrestaurants. Die Rytle-Box wird beim Logistikdienstleister vorkommissioniert und der Fahrer des MovR kann sie direkt aufnehmen. Eine mechanische Hebevorrichtung hebt die Box in den MovR und arretiert sie.

Am Anfang der Kette steht der Rytle-Hub. Er basiert auf einer klassischen Wechselbrücke und dient als mobiles Depot mit geringem Platzbedarf. Es können jeweils neun vorkommissionierte Boxen oder auch Paletten zugeladen werden. Mittels hydraulischer Stützen ist er bis auf Bodenniveau absenkbar. Somit können die darin transportierten Boxen auch ohne Flurförderzeuge entladen werden. Das ganze System ist so geplant, dass es von einer einzelnen Person betrieben werden kann. Bei UPS in München hat man die Auslieferung so organisiert, dass je drei MovR einer Box zugeordnet sind. Nach je drei Touren sind damit alle neun Boxen ausgeliefert. Die Boxen selbst werden aus dem UPS-Lager in Garching vor den Toren Münchens in die Innenstadt transportiert. Rund ein Drittel des dortigen Gesamtvolumens der Auslieferungen gehe mittlerweile schon über Lastenräder, so UPS.


Grüne Mobilität

UPS sammelt bereits seit einigen Jahren Erfahrungen mit Lastenrädern in der Paketzustellung. Leuchtturmprojekt ist dabei Hamburg, wo die zweitgrößte Radflotte des Paketzustellers aufgestellt ist. Ergänzt wird der Fuhrpark dort um E-Transporter und sogar Sackkarren für eine, laut UPS, lokal emissionsfreie Belieferung eines ausgewählten Bereichs im Zentrum der Hansestadt. Drei mobile sowie zwei stationäre Container werden dazu täglich in der Innenstadt positioniert beziehungsweise befüllt, von dort starten Fahrer anschließend ihre Liefertouren. Am Standort München sitzt mittlerweile die weltweit größte Radflotte des KEP-Dienstleisters.

München und Hamburg sind im „City2Share“-Projekt, welches im Rahmen des Förderprogramms „Erneuerbar Mobil – Förderung von Forschungsvorhaben zum Thema Elektromobilität“ des BMU, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, gefördert wird. Ziel des Projekts ist eine vielfältige Förderung der Elektromobilität und gleichzeitig das Erproben lokaler Maßnahmen zur Bildung stadtverträglicher Mobilität. Dabei soll Raum geschaffen, Verkehr aus der Stadt herausgezogen, die Anzahl der Fahrzeuge und Mikro-Staus reduziert und die Wohnqualität verbessert werden.

UPS ist einer von mehreren Partnern des Projekts. Seit 2016, nach zwei Jahren Planung und einem Jahr Projektphase, liefert das Unternehmen im Rahmen der Initiative in München mit Lastenrädern. Vom Paketzentrum in Garching starten derzeit täglich zwei Lkw bestückt mit Verteilcontainern in den zähen Münchner Stadtverkehr und stellen diese an ausgesuchten Plätzen in der Innenstadt auf. Um die idealen Stellplätze zu finden, wertete die Universität der Bundeswehr München, ein Projektpartner, Daten und Zahlen des Paketdienstleisters zur Zustellung aus. Das Design auf den 12,5-Tonnern mit Anhänger wurde in einem Wettbewerb an der AMD, der Akademie für Mode&Design in München, gestaltet.

Flexibel,
wenn es eng wird

In München starten unter der Leitung von Helfer-Koordinator und Teamleader Kosta Sirikelas von den Stellplätzen aus insgesamt 17 Fahrer am frühen Vormittag ihre Tour. Neben dem Rytle-MovR sind auch noch andere Pedelecs und Lastenräder für UPS im Einsatz. Zuvor halten alle gemeinsam ein PCM (Pre-Work Communication Meeting), eine Mannschaftsansprache, in welcher der Tagesablauf besprochen und auf eventuelle Pläne, aber auch Probleme eingegangen wird.

Die Fußgängerzone wird aufgrund strenger Restriktionen bei den Zufahrtszeiten gleichzeitig mit den Expresszustellungen zuerst beliefert. Die Cargobikes punkten besonders hier mit ihrer Flexibilität: Enge Gassen, Parkplatzmangel und dementsprechend Parken in zweiter Reihe sind mit ihnen kein Thema mehr. Auch bei kurzfristig eintreffenden Abholungen können die Fahrradzusteller, die über ein Headset ständig in Kontakt mit ihrem Teamchef sind, on theRoad auf neue Aufträge schnell reagieren. In puncto Auslieferungsgeschwindigkeit seien die Bikes den Transportern sogar überlegen, so UPS. Bis das große Fahrzeug eine Adresse anfährt, einen Stellplatz findet und der Fahrer den Zustellvorgang zu Fuß abschließt, ist das Lastenrad schon einige Adressen weiter. Und sollten die traditionellen Kollegen mit ihren Transportern oder Lkw wieder einmal eine Straße blockieren – im Zustellgewerbe ein häufiges Problem – kann das Fahrrad auch über Gehsteige ausweichen.

Die Cargobikes füllen während einer Tour zwei- bis dreimal an den Containern nach, täglich kommen auf jedes Rad etwa 100 Stopps zu. Die Akkuleistung reicht dabei für den ganzen Tag, geladen werden die Räder nachts an gemieteten Stellplätzen speziell für Lastenräder oder in Tiefgaragen in der Nähe der Containerplätze. Zu Schichtbeginn holen die Fahrer dort auch die Bikes ab.

„Der Münchner Verkehr zur Zustellzeit ist manchmal schon sehr heftig und steigt auch in Zukunft weiter an. Dadurch entstehen längere Anfahrten für alle, sowohl Transporter als auch Container-Lkw. Im zweiten Schritt auf der letzten Meile aber sind Container und Lastenräder effizienter“, erklärt Sirikelas.

Gern gesehen sind die Container trotz aller Vorteile nicht von allen. Die Stellplätze sind zwar von UPS angemietet, die Anwohner stört es aber manchmal trotzdem, dass gleich vier Parkplätze blockiert werden. Auch hier soll das Hub-System von Rytle Erleichterung bringen, weil es nur noch einen Stellplatz benötigt. Insgesamt beurteilt UPS das Feedback auf sein Lastenrad-Engagement aber positiv. Fahrer werden sogar manchmal von Passanten auf die Räder angesprochen. Die Leute freuen sich auch darüber, dass in ihrer Wohngegend weniger Lkw und Transporter unterwegs sind.

Vom positiven Image profitiert offenbar auch die Personalabteilung. Laut UPS bewerben sich Fahrradkuriere oft schon initiativ auf Pressemitteilungen zum künftigen Einsatz. Und auch begeisterte Radfahrer beziehungsweise Innenstadtbewohner ohne eigenen Führerschein können sich für die Arbeit begeistern. 
 Julian Kral

Bilder: Julian Kral

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Artikel Fit für die Innenstadt
Seite 22 bis 24 | Rubrik Markt & Meinung
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