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Gegen den Diebstahl von Fracht

Das Jahr 2018 hielt einen traurigen Rekord, was Ladungsdiebstähle anbelangt. Doch es gibt Möglichkeiten, sich zu wehren.

Ein kleiner Dreiecksschlitz zum Ausspähen der Ladung, eine große geschlitze Klappe für den Zugriff - auf dunklen Rastplätzen bleiben die Diebe damit nachts meist unbeobachtet. Bild: Projekt CARGO
Ein kleiner Dreiecksschlitz zum Ausspähen der Ladung, eine große geschlitze Klappe für den Zugriff - auf dunklen Rastplätzen bleiben die Diebe damit nachts meist unbeobachtet. Bild: Projekt CARGO
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Redaktion (allg.)

Was haben Hüpfburgen, Windeln, Whiskey, Medikamente, Haferflocken, Kobalt, Kupfer und Flachbildschirme gemeinsam? All das sind Güter, die Diebe im vergangenen Jahr in Europa aus Lkw stahlen. Wer den Jahresbericht der Transported Asset Protection Association (TAPA) zu Ladungsdiebstählen in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika liest, bemerkt schnell, dass im Grunde alles aus Frachträumen geklaut wird. Kein Wunder, denn in Onlinemärkten lässt sich jede Art von Ware an den Mann bringen. Die TAPA hat noch nie so viele Vorfälle verzeichnet wie im Jahr 2018. Der volkswirtschaftliche Schaden ist laut einer Studie, die Verbände aus den Bereichen Logistik, Handel, Versicherungen und Sicherheit erstellen ließen, enorm. Demnach haben im Jahr 2016 Kriminelle Waren im Wert von 1,3 Milliarden Euro aus Lkw in Deutschland gestohlen.

Mit Folgeschäden liegt der Gesamtschaden sogar bei 2,2 Milliarden Euro. Diese Summe bezahlt letztlich der Verbraucher, weil die Diebstähle zu höheren Versicherungsprämien, höheren Transportkosten und somit zu höheren Produktpreisen führen. Die Täter sind meistens professionell organisiert und schlagen bevorzugt nachts auf ungesicherten und unbeleuchteten Parkplätzen an Autobahnen zu. Dabei gehen sie systematisch vor. Zuerst fahren sogenannte Späher auf den Parkplatz. Sie schneiden kleinere, etwa 30 Zentimeter große Schlitze in die Planen. Durch diese Löcher schauen sie nach, wo es besonders wertvolle Fracht zu holen gibt. Immer öfter setzen sie dafür Endoskope ein. Die Informationen geben sie an die eigentlichen Diebe weiter, die etwas später anrücken. Diese erweitern die Löcher, sodass sie durchschlüpfen und die Beute herausnehmen und in ihre Kleinlastwagen umladen können.

Kaum zu bemerken

Im Schutz der Dunkelheit und von den hohen Lastwagen gut verdeckt, bemerkt sie kaum jemand. Und für den Fall der Fälle haben die Kriminellen häufig sogenannte Jammer dabei. Damit können sie den Mobilfunk in einem Umkreis von ein paar Hundert Metern lahmlegen.

Der Empfang verschwindet dann nicht nur bei gewöhnlichen Handys, sondern sogar beim Polizeifunk. Doch das Planenschlitzen ist nicht die einzige Art, wie Kriminelle die Ladung eines Lastwagens entwenden. Filmreif agieren die von der Polizei als „Akrobaten“ bezeichneten Täter. Sie nähern sich während der Fahrt mit einem Pkw dem Heck eines Lastwagens. Die Diebe klettern auf die Motorhaube des Pkw, von wo aus sie die Tür des Lastwagens aufknacken und so in den Frachtraum gelangen. Die wertvolle Ware werfen sie dann ihren Komplizen im Auto zu. Akrobaten sind selten, doch es gibt sie. Viel häufiger passiert es jedoch, dass Betrüger die Verlader austricksen. Sie geben sich als seriöse Frachtführer aus, sind jedoch „Phantomfrachtführer“. Sie holen die Ware ordnungsgemäß ab und verschwinden damit. Raubüberfälle wiederum sind selten. Wenn sie passieren, dann zumeist in Frankreich und in Italien.

Bei so viel krimineller Energie kann es einem bange werden. Doch es gibt auch gute Nachrichten. Beispielsweise fördert das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) seit 2018 die Nutzung von sicheren Parkplätzen in Deutschland im Rahmen des De-minimis-Programms. Das ist nützlich, denn das Übernachten auf einem ungesicherten Parkplatz ist der Risikofaktor Nummer eins für Ladungsdiebstahl.Wenn Transportunternehmen ein böses Erwachen vermeiden wollen, sollten sie Übernachtungen auf gesicherten Parkplätzen einplanen.Der Infokasten zeigt, wo man sichere Parkplätze findet.

Und die Firmen sollten bereit sein, Geld für die Parkplätze auszugeben. Das BAG greift ihnen zwar finanziell unter die Arme, aber es bezahlt nicht alles. Es bezuschusst bis zu 80 Prozent der Gebühren für Sicherheitsparkplätze. Der absolute Höchstbetrag für Förderungen beträgt 33.000 Euro. So erfreulich die Zuschüsse sind, das Kernproblem bleibt nach wie vor der Mangel an sicheren Parkplätzen. Laut einer im März 2019 veröffentlichten Studie der Europäischen Kommission fehlen EU-weit rund 400.000 sichere Parkplätze.

Neue Ansätze

Hier bietet die Sharing Economy Hoffnung. Einige Firmen haben damit begonnen, Plattformen für Sicherheitsparkplätze anzubieten. Viele Transportfirmen sowie Industrie-
und Handelsunternehmen haben gut gesicherte Betriebshöfe in Autobahnnähe. Manche bieten die dortigen Stellplätze auf Plattformen gegen eine moderate Gebühr auch externen Transportfirmen an. Somit werden vorhandene Sicherheitsparkplätze besser genutzt. Dieses Beispiel zeigt, dass im Kampf gegen Ladungsdiebstahl neue kreative Konzepte entstehen. Auch bei der Sicherheitsausrüstung von Lkw tut sich einiges. So sind Alarmplanen zu einem ausgereiften Produkt geworden. Aber auch Ansätze wie die umsichtige Auswahl der Disponenten und Fahrer sowie deren Schulung leisten einen spürbaren Beitrag zur Sicherheit. Transportfirmen und Verlader müssen Ladungsdiebstahl also keineswegs hinnehmen. Sie haben eine Menge Möglichkeiten, sich
zu wehren. Doch sie müssen selbst aktiv werden.

László Dobos,

freier Journalist und Buchautor

Sichere Parkplätze finden

Eine Reihe von Organisationen und Firmen bietet Webseiten und Apps an, mit denen man Sicherheitsparkplätze findet:

European Secure Parking Organisation (ESPORG): www.esporg.eu/locations-2

International Road Transport Union (IRU): www.iru.org/apps/transpark-app
Die entsprechende App für Mobilgeräte heißt „TRANSPark“.

Truck Parking Europe: https://app.truckparkingeurope.com. Die App heißt „Truck Parking Europe“.

Vereinigung deutscher Autohöfe (VEDA): www.autohof.de/veda-kompass.html

Parkplatz-Sharing der Firma Bosch: https://portal.bosch-secure-truck-parking.com

Parkplatz-Sharing der Versicherung KRAVAG (nur für Kunden der Versicherung): 
https://www.kravag-truck-parking.de

Auf Großbritannien spezialisiert ist die App „intruck – Truckstop App“.

Auf Österreich spezialisiert ist die App „Unterwegs“ des Autobahnbetreibers ASFINAG.

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Artikel Gegen den Diebstahl von Fracht
Seite 44 bis 45 | Rubrik Praxiswissen
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