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Inventuren in der Lebensmittelbranche

Edeka Nord hat den Inventuraufwand für 390.000 Lagerpositionen mithilfe von zwei testierten Softwarelösungen um mehr als 95 Prozent reduziert. Ähnlich macht es die Ostfriesische Tee Gesellschaft.

Nach Einführung des statistischen Inventurverfahrens können sich die Kommissionierer mehr auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren. Bild: Marcus Walter
Nach Einführung des statistischen Inventurverfahrens können sich die Kommissionierer mehr auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren. Bild: Marcus Walter
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Redaktion (allg.)

Hohe Bestandsqualität entsteht nicht per Zufall – das gilt besonders für manuell betriebene Lager. Vor diesem Hintergrund führt Edeka Nord in seinen konventionell geführten Lagerbereichen der Standorte Zarrentin, Neumünster und Malchow täglich rund 500 Nulldurchgangskontrollen durch. Bei jedem Nulldurchgang werden die Kommissionierer aufgefordert, die entsprechende Lagerposition zu zählen und im Staplerterminal zu dokumentieren. Auf diese Weise werden die im Lagerverwaltungssystem geführten Mengen mindestens einmal pro Jahr geprüft, was zu einer extrem hohen Bestandssicherheit führt.

Für die automatisierten Lagerbereiche am Standort Zarrentin gilt dies ohnehin. Rund 330.000 der insgesamt 390.000 Lagerpositionen werden hier vollautomatisch oder zumindest halbautomatisch kommissioniert. Neben einem Hochregallager investierte Edeka Nord in eine Order Picking Machinery (OPM) und ein Dynamic Picking System (DPS) von Witron. Während die OPM die Bestellungen der Edeka-Einzelhändler komplett ohne Personaleinsatz filialgerecht auf Paletten oder Rollcontainer schichtet, wird im DPS die hochdynamische und automatische Kommissionierung von Kleinteilen durch ein Pick-by-Light-System unterstützt – mit minimalen Fehlerquoten.

Vereinfachte Inventur

Vor diesem Hintergrund brachte Edeka Nord die besten Voraussetzungen für ein vereinfachtes Inventurverfahren auf der Basis von Stichproben mit. Diese sind laut HGB immer dann gestattet, wenn ein zuverlässiges Bestandsführungssystem installiert ist und sämtliche Lagerbewegungen realitätsnah abgebildet werden. Dazu muss das Unternehmen sicherstellen, dass seine Bestandsführung ordnungsgemäß ist und das Vereinfachen nicht zu ungenaueren Aussagen führt als die Voll-aufnahme.

Edeka Nord hat diese Bedingungen problemlos erfüllt und sich deshalb bereits 2009 von der Vollinventur verabschiedet, für die in früheren Zeiten bis zu 250 Mitarbeiter acht Stunden lang beschäftigt waren. Auf der Suche nach einem Stichprobeninventursystem entschied man sich schließlich nach einem intensiven Lieferantenvergleich für die Lösungen von Stat Control. Das in Hamburg beheimatete Softwarehaus überzeugte vor allem durch Fachkompetenz, denn das inhabergeführte Unternehmen konzentriert sich ausschließlich auf statistische Verfahren für Inventuren und Bestandskontrollen.

Für Edeka Nord kamen die testierten Stichprobeninventursysteme „Stasam“ und „Staseq“ in Betracht. Stasam ist ein Hochrechenverfahren, das sich vor allem für konventionelle Lager eignet und innerhalb bestimmter Grenzen Wertabweichungen zulässt. Der zu zählende Anteil liegt hier in der Regel zwischen fünf und zehn Prozent der Lagerpositionen. Staseq ist ein sogenannter Sequenzialtest, der in automatisch geführten Lagerbereichen eingesetzt wird und im Idealfall mit nur 30 Stichproben das Inventurziel erreicht.

Noch vor dem Kauf wurden mit der Software am Standort Zarrentin zwei Tests durchgeführt, die beide positiv verliefen. So konnte Edeka Nord bereits am 21. November 2009 die erste Stichprobeninventur durchführen. Die Investitionen für die Software machten sich dabei schon bei der ersten Inventur bezahlt, die seitdem mit nur 25 Mitarbeitern in rund vier Stunden völlig problemlos absolviert werden kann. Besonders beeindruckend ist der Einspareffekt in den automatisch geführten Lagerbereichen: Von den dort gelagerten 328.000 Lagerpositionen müssen dank Sequenzialtest jetzt nur noch 72 Stück gezählt werden, was einem prozentualen Anteil von etwa 0,02 Prozent entspricht. Bei der Stichprobenzählung dürfen dabei maximal acht Differenzen auftreten, um innerhalb der gesetzlichen Toleranz zu bleiben.

Weitere Teilnehmer

Mittlerweile haben sechs der sieben regionalen Großhandelsbetriebe im Edeka-Verbund die Stichprobeninventur eingeführt, wobei sich alle für die Lösungen von Stat Control entschieden haben. Die Stichprobensysteme Stasam und Staseq lassen sich nach einer kurzen Schulung einfach bedienen, wodurch man sich nicht von einem externen Dienstleister abhängig macht. So sind auch die bisherigen Stichprobeninventuren von Edeka Nord fast ohne Hilfe des Softwarelieferanten durchgeführt worden. Lediglich zum Absichern gegen unerwartete Probleme meldet man jede Inventur bei Stat Control an, um im Notfall sofort auf einen Berater zugreifen zu können. Auch hier überlässt Edeka Nord nichts dem Zufall.

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Inventur mit SAP

Vor ganz anderen Herausforderungen stand die Ostfriesische Tee Gesellschaft (OTG): Das traditionsreiche Handelsunternehmen hat seine Warenwirtschaft bereits 2018 als einer der ersten SAP-Kunden auf S/4HANA umgestellt. Initiiert und geleitet wurde das ambitionierte Projekt von Karsten Rösener, der bei OTG die Bereiche IT und Organisation verantwortet. Die Ziele waren hochgesteckt, denn der frühere Beratungsleiter bei SAP wollte im Zuge der Migration auch alle anderen wichtigen Softwareanwendungen von OTG zukunftssicher machen. Vor diesem Hintergrund wechselte er auch das Stichprobeninventursystem, mit dem OTG schon seit über zehn Jahren die jährliche Bestandsaufnahme rationalisiert hatte.

„Unsere alte Lösung wurde vom Anbieter kaum noch weiterentwickelt und bot nicht die notwendige Integration in SAP“, erklärt Rösener, der sich deshalb für die Stichprobeninventursysteme Stasam und Staseq entschied. Bei OTG wird Stasam für die Inventur in den Verpackungsmaterial- und Rohstofflagern an den vier Produktionsstandorten in Norden, Seevetal, Buchholz und Grettstadt genutzt. Die Fertigwaren liegen hingegen in einem automatischen Hochregallager, das eine extrem hohe Bestandssicherheit bietet. Hier kommt deshalb der Sequenzialtest Staseq zum Einsatz. Auf dieser Basis kann die Zählung der gelagerten Fertigwaren in nur vier Stunden abgeschlossen werden.

Außerdem verfügt OTG über externe Lagerstandorte bei Lieferanten und Logistikdienstleistern mit weiteren Lagerstellplätzen. „Auf die Bestandssicherheit in den externen Lagern haben wir nur bedingten Einfluss, sodass wir hier klassische Vollinventuren durchführen“, berichtet Rösener, der hier auf die in SAP S/4HANA integrierte Inventurfunktion vertraut. Somit werden bei OTG für die Bestandserfassung drei unterschiedliche Inventurverfahren und Softwareanwendungen miteinander kombiniert. Doch obwohl die einzelnen Applikationen in den jeweiligen Lagerbereichen für große Erleichterungen sorgen, ist Rösener mit dem Istzustand noch nicht zufrieden.

Deshalb hat er gemeinsam mit den Inventurexperten von Stat Control ein Beratungsprojekt aufgesetzt, das bis Mitte 2019 sämtliche Inventurprozesse erneut auf den Prüfstand stellt. So sollen zum Beispiel die Ausfallzeiten während der Stichprobenzählungen in den Produktions- und Fertigwarenlagern noch weiter reduziert werden.

„Stat Control sieht sich in erster Linie als Beratungsunternehmen für Bestandsmanagement und Inventuren“, stellt Rösener fest. Dieses Selbstverständnis sei für ihn „ein weiterer wichtiger Grund für den Lieferantenwechsel gewesen“.

Fazit: Während die meisten SAP-Anwender den Wechsel zu S/4HANA noch vor sich haben, kümmert sich OTG bereits um die Detailverbesserungen der angrenzenden Prozesse. Durch diesen Vorsprung dürfte der international tätige Teespezialist zu einem beliebten Referenzkunden mit Nachahmungswert werden.mw Bilder: Marcus Walter

Edeka Handelsgesellschaft Nord

Edeka Nord ist eine von sieben genossenschaftlich organisierten Großhandlungen des Edeka-Verbundes. Sie nimmt mit rund 700 Märkten und einer Gesamtverkaufsfläche von circa 775.000 m² eine Spitzenstellung im norddeutschen Lebensmitteleinzelhandel ein. Das Absatzgebiet umfasst Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern sowie Teile Niedersachsens und Brandenburgs. Die Belieferung des Einzelhandels erfolgt aus den drei Logistikzentren Neumünster, Malchow und Zarrentin.

Ostfriesische Tee Gesellschaft

Die 1907 gegründete Ostfriesische Tee Gesellschaft GmbH & Co. KG (OTG) nimmt mit ihren Marken Meßmer, MILFORD und OnnO Behrends eine Spitzenposition im deutschen Markt ein. Das Unternehmen erwirtschaftete 2017 einen Umsatz von 256 Millionen Euro. Jährlich vermarkten die OTG und die weiteren Tochterunternehmen der Laurens Spethmann Holding (LSH) rund zehn Milliarden Teebeutel.

Karsten Rösener

„Auf die Bestandssicherheit in den externen Lagern haben wir nur bedingten Einfluss, sodass wir hier klassische Vollinventuren durchführen.“

Karsten Rösener, Leiter IT, Laurens Spethmann

 

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Artikel Inventuren in der Lebensmittelbranche
Seite 6 bis 9 | Rubrik Reportage
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