Smartphones, PDAs, robuste Mobilcomputer: Welche Option ist die richtige?

Auf dem Markt wimmelt es von Smartphones, PDAs und robusten Mobilcomputern für Unternehmen. Fünf Tipps für deren Auswahl.

Symbolbild LOGISTRA (Foto: T. Schweikl)
Redaktion (allg.)

Unter Dutzenden von Anbietern, Hunderten von Geräten und Tausenden von Konfigurationen passt möglicherweise nur ein Modell genau zu Ihrer Umgebung und Belegschaft. Mit fünf einfachen Tipps können Sie die Auswahl rasch eingrenzen.

1. Eignung für IhreUmgebung und Anwender
Das vorrangige Kriterium ist die Einsatzumgebung. Die jährliche Ausfallrate tragbarer Geräte schwankt zwischen elf und 38 Prozent, dabei ist Herabfallen die Hauptursache für Schäden und daraus resultierende Ausfälle. Um als robust eingestuft zu werden, muss ein Gerät wiederholt einem Aufprall auf eine harte, nicht nachgebende Oberfläche aus mindestens 1,50 Metern Höhe standhalten.
Es lohnt sich auch, die Mitarbeiter beim Tagesgeschäft zu beobachten. Beispielsweise kann sich selbst ein kleiner, leichter Tastencomputer als unpraktisch erweisen, wenn Mitarbeiter ständig Gegenstände heben oder ziehen müssen. Hier empfiehlt sich Spracherkennung zur Dateneingabe.
Müssen häufig in Absprache mit Vorgesetzten oder Kollegen Probleme gelöst werden, lässt sich die Produktivität durch Sprachübertragung – VoIP per Datenfunk oder Push-to-Talk (PTT) – steigern. Hier ist es wichtig, dass der Mobilcomputer die nötige Software unterstützt. Headsets sollten sich sowohl über Kabel als auch kabellos über Bluetooth anschließen lassen.
Neben Sprachkommunikation können Handhelds noch weitere Aufgaben erfüllen: Scannen von Barcodes, Lesen von RFID-Tags, Fotografie, Bilderfassung und kabelloses Drucken, um nur einige Beispiele zu nennen.
Nicht zuletzt sollten die Mitarbeiter ihre Mobilcomputer während eines ganzen Arbeitstags bequem mitführen und bedienen können. Dabei ist es mit der Auswahl des kleinsten und leichtesten Modells nicht unbedingt getan. Wichtige Kriterien sind die Formgebung, die Gewichtsverteilung und die Einfachheit, mit der Bediener das Gerät tragen und die Tastatur bedienen können.

2. Industriestandards und Zertifizierungen
Mobilcomputer sollten den Unternehmensstandards für die Datenübertragung, Sicherheit und Entwicklung gerecht werden. Dadurch sinken die Entwicklungs-, Integrations- und Supportkosten – ein nur schwer kalkulierbarer Ausgabeposten.
Die Entscheidung für einen Mobilcomputer mit einem Microsoft-Betriebssystem, insbesondere Win­dows Mobile, ist die beste Möglichkeit, derartige Ausgaben zu begrenzen. Die Microsoft-Umgebung bietet schlichtweg die größte Auswahl an gebrauchsfertiger Software, unabhängigen Softwareanbietern, Systemintegratoren, Entwicklungstools und Gerätemanagementsystemen.
Die Kommunikation zwischen Mobilcomputern und Unternehmenssystemen sollte über standardisierte, sichere Verfahren erfolgen. Verschiedene Mobilcomputer auf dem Markt unterstützen branchenübliche Sicherheitsprotokolle für den Datenfunk (802.11x, WPA2 und FIPS) sowie virtuelle private Netzwerke (VPNs).
Unternehmen mit einem WLAN-Backbone von Cisco Systems sollten nach einem Mobilcomputer mit CCX-Zertifizierung Ausschau halten, um die Integration und Verwaltung zu erleichtern und die erweiterte Funktionalität der Cisco-Umgebung nutzen zu können.
Wenn Sie zudem ein WWAN einsetzen möchten, sollte der Gerätehersteller auf Partnerschaften mit Mobilfunkbetreibern verweisen können. Achten Sie darauf, dass der Mobilcomputer für die Sprach- und Datenübertragung über Ihr bevorzugtes Mobilnetz zertifiziert ist.
Es gibt Mobilcomputer mit integrierter Unterstützung für Backend-Systeme von SAP, Oracle, IBM und Microsoft, führende Lager­verwaltungssysteme und gängige Außendienstlösungen.

3. Einfacher Support
Supportfreundliche Geräte verfügen oft über integrierte Funktionen, die Bereitstellung und Inbetriebnahme erleichtern. Auch ferngesteuerte Konfiguration und Diagnose sind keine Seltenheit. Zudem bieten Hersteller Dienstleistungen rund um Implementierung, Support und Wartung, die sich nach Kriterien wie der Reaktionszeit und Einhaltung von Rollout-Plänen vergleichen lassen.
Besonders wichtig ist Remote-Management im Außendienst. Da den Mitarbeitern keine Ersatzgeräte zur Verfügung stehen, kann ein Ausfall erhebliche Produktivitätsverluste nach sich ziehen. Mit ferngesteuerter Diagnose können IT-Mitarbeiter das Problem beheben, ohne dass der Bediener in die Zentrale zurückkehren muss.
Manche Managementsysteme für Mobilgeräte warnen vor drohendem Akkuausfall, damit rechtzeitig für Ersatz gesorgt werden kann. Funktionen der Zugriffssteu­erung können eine unautorisierte Datenübertragung sowie eine Internet-, Telefon- und E-Mail-Nutzung zu Privatzwecken verhindern.

4. Flexibilität
Der Hauptgrund, warum Mobilcomputer aus dem Einsatz in Industrie, Einzelhandel, Distribution oder Kundendienst ausscheiden, ist nicht Beschädigung oder Abnutzung. Die meisten Geräte werden ersetzt, weil sie als technologisch veraltet betrachtet werden. Das lässt sich vermeiden, indem man einen Mobilcomputer auswählt, der mit dem Unternehmen wächst.
Mobilcomputer mit Bluetooth-Funktionalität sind weitgehend gegen Veralten aufgrund geänderter Peripherieanforderungen geschützt. Die Technologie bietet eine standardisierte Datenfunkschnittstelle, über die sich Tausende externer Geräte integrieren lassen.
Häufig kommt es vor, dass erst nach der Implementierung von Mobilcomputern auf Mobildrucker umgestellt wird. Mit einer Bluetooth-Schnittstelle ist dies kein Problem, denn tragbare Drucker für Lagerhaltung und Außendienst sind mit einer derartigen Funktion ausgestattet. Daneben können auch Barcodescanner, Headsets für VoIP-Telefonie und sprachgeführte Systeme, Waagen, Sensoren, GPS-Empfänger und Dockstationen für Computer über Bluetooth kommu­nizieren.
Ein weiterer Einschnitt ist die Umstellung von Barcodescannern auf anspruchsvollere Systeme der Bilderfassung. Dabei geht es nicht nur darum, 2D-Barcodes zu lesen, sondern auch Kundenunterschriften als Liefernachweis zu erfassen, den Warenzustand bei der Abholung, Lieferung oder Wartung anhand digitaler Fotografien zu dokumentieren oder Dokumente zur elektronischen Weiterverarbeitung zu digitalisieren. All dies ermöglichen integrierte Imager zusätzlich zur Erfassung herkömmlicher Barcodes.
Die RFID-Technologie wiederum wird von den meisten Unternehmen zunächst in einem begrenzten Bereich – etwa zur Verfolgung bestimmter Anlagegüter oder Warensendungen – implementiert und später nach und nach ausgeweitet. In einer solchen Situation ist die Möglichkeit, die Mobilcomputer vor Ort nachzurüsten, von unschätzbarem Wert.

5. Effiziente ­Energieverwaltung
Scannen und Imaging, Datenerfassung und -verarbeitung, mobile Kommunikation: All diese Funktionen zehren am Akku. Die Energieverwaltung ist ein häufig übergangenes, aber wesentliches Merkmal von Mobilgeräten, das sich direkt auf die Geräteverfügbarkeit, Mitarbeiterproduktivität und Akzeptanz auswirkt. Bei der Produktauswahl ist ein kurzer Blick in die technischen Daten meist nicht ausreichend. Bestimmen Sie anhand von Pilotversuchen und weiteren Tests die Einsatzdauer und Einsatzart (Barcodescannen, mobile Kommunikation) der Geräte, um eine genauere Vorstellung des Energiebedarfs zu erhalten.
Die voraussichtliche Akkulaufzeit ist nur ein erster Anhaltspunkt. Berücksichtigen sollten Sie auch, ob bei Abbruch der Stromversorgung ein Datenverlust droht, wie schnell sich der Akku nachladen lässt, ob die Ladestation einen Überladeschutz bietet (Überladen schadet der Akkukapazität), wie oft sich der Akku nachladen lässt, ob der Mobilcomputer durch intelligente Energieverwaltung den Stromverbrauch reduziert und ob Akkus mit verlängerter Laufzeit erhältlich sind.

Fazit
Das Angebot auf dem Markt mag unübersichtlich erscheinen, doch zahlreiche Modelle können von Anfang an ausgeschlossen werden – beispielsweise weil ihre Akkulaufzeit nicht für einen ganzen Arbeitstag ausreicht oder weil sie nicht zuverlässig genug für eine drei- bis fünfjährige Lebensspanne erscheinen. Merkmale wie eine robuste Bauweise, ein vielfach unterstütztes Betriebssystem, standardisierte Schnittstellen, Remote-­Management und eine flexible Peripherie steigern den Wertbeitrag der Investition, indem sie einem vorzeitigen Gerätewechsel entgegenwirken.

Autor:

Marcus Krebs (47) ist seit Januar 2010 Country Manager für Deutschland, Österreich und die Schweiz bei Intermec. Zuvor leitete er zwei Jahre den Partnervertrieb. Krebs verfügt über langjährige Erfahrung im Technologie- und Auto-ID-Umfeld.

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