Elektromobilität auf dem Vormarsch

Neben Fahrzeugen mit Elektroantrieb und der Beratung bei der Ladeinfrastruktur arbeiten Hersteller wie MAN auch an neuen Service- und Reparaturkonzepten.

Um Service und Reparatur für E-Transporter anbieten zu können, müssen Werkstattbetriebe speziell ausgerüstet sein. Bild: Tobias Schweikl
Um Service und Reparatur für E-Transporter anbieten zu können, müssen Werkstattbetriebe speziell ausgerüstet sein. Bild: Tobias Schweikl
Tobias Schweikl

MAN Truck & Bus Deutschland will bis Ende 2020 rund 50 eMobility-Standorte im Servicenetz haben. Dort können dann auch Nutzfahrzeuge mit Elektroantrieb gewartet und repariert werden. Zur Einordnung: Das gesamte Servicenetz von MAN umfasst derzeit rund 150 eigene Servicebetriebe sowie circa 200 Servicepartner für die mehr als 245.000 MAN- und NEOPLAN-Fahrzeuge, die auf deutschen Straßen unterwegs sind.

Jüngst wurden die Servicebetriebe in Kassel, Offenburg, Göppingen, Wildau und Pilsting erneuert beziehungsweise neu errichtet. Außerdem fand Ende Januar 2020 der Spatenstich für den Neubau des Servicebetriebs in Wiesbaden statt (siehe Infokasten).

Bei diesen neuen und erneuerten Standorten ist der Wandel zur Elektromobilität bereits berücksichtigt. Denn vollelektrische Fahrzeuge bringen eine Reihe von Veränderungen in den Servicebereich. Lademöglichkeiten müssen genauso gegeben sein wie spezielle Werkstattausstattungen. Außerdem bedarf es intensiver Schulungen zum Umgang mit elektrischen Fahrzeugen. Grundlegende Anforderungen an einen eMobility-Service-Standort von MAN sind sowohl Qualifizierungsmaßnahmen für den Umgang mit batterieelektrischen Fahrzeugen als auch Spezialwerkzeuge sowie ein Hochvolt-Arbeitsplatz und ein Quarantänekonzept für gefährliche Akkus. Gleichzeitig müssen Lademöglichkeiten vorhanden sein.

Schulungen nötig

Für Arbeiten an Elektrofahrzeugen werden zusätzliche allgemeine und fahrzeugspezifische Elektrowerkzeuge benötigt. Diese konzentrieren sich auf die Diagnose und Fehlersuche sowie den Aus- und Einbau von Hochvoltkomponenten. Hat eine Elektrofachkraft die Zusatzqualifikation zum Arbeiten unter Spannung (EFKF + AuS), sind für die Instandsetzung von Systemen und Energiespeichern zusätzliche Werkzeuge notwendig. Dies wird von MAN Transport Solutions in Kooperation mit der MAN Academy ebenso abgedeckt wie die Information über mögliche Gefahren bei Arbeiten mit Hochvolt-Technologie.

Auch auf Kundenseite wirft der Einstieg in die Elektromobilität Fragen auf, die über das eigentliche Fahrzeug weit hinausgehen. So muss die Lösung zum Einsatzzweck passen, je nach Fokus, Reichweite oder Nutzlast. Insbesondere bei der Elektromobilität gilt es Ladelösungen, Energieversorgung und Speicherung im Vorfeld zu beleuchten und sicherzustellen.

Um hier zu beraten, stellt MAN Transport Solutions bei der Anschaffung einer vollelektrischen Fahrzeugflotte – beispielsweise mit dem MAN eTGE, MAN eTGM oder MAN Lion’s City E – ein Expertenteam zur Beratung auf. Dies betreffe sowohl die Bedarfsanalyse als auch die Flottenauslegung, die Ladeinfrastruktur sowie das Energiemanagement, so der Fahrzeughersteller.

Umstieg planen

Der Umstieg auf Elektroantriebe ist nur dann sinnvoll, wenn die Reichweite und Transportleistung aufeinander abgestimmt sind. Besonders im innerstädtischen Einsatz ist Elektromobilität eine Option. Für verlässliche Aussagen zu Einsatzmöglichkeiten und Wirtschaftlichkeit müssen zudem aber noch weitere Faktoren berücksichtigt werden. Darunter finden sich Einflüsse wie Heizung und Klimatisierung, Nebenverbraucher, Verkehrsaufkommen, Fahrzyklen sowie die Fahrweise.

Ob sich mit einem Umstieg auf Elektromobilität Einsparungen gegenüber einem konventionell angetriebenen Fahrzeug erzielen lassen, hängt wesentlich von der Gestaltung der Energieversorgung ab. MAN Transport Solutions prüft hier Mittel zur Kostenoptimierung wie beispielsweise die gezielte Nutzung von Zeiten mit günstigem Strombezug oder gestaffeltes Laden, um teure Lastspitzen zu vermeiden.

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Die Fahrzeugbatterie ist darüber hinaus eine wichtige Schlüsselkomponente. Ihr Zustand und ihre Leistungsfähigkeit sind entscheidend für einen kosteneffizienten Betrieb elektrifizierter Flotten. Gegenwärtig lässt sich noch nicht vermeiden, dass jede Batterie mit zunehmendem Alter an Kapazität und Leistung verliert. Faktoren wie Nutzungsverhalten, Wartung und Ladehäufigkeit haben jedoch einen erheblichen Einfluss darauf, wie schnell und in welchem Umfang sich die Batterieleistung reduziert. Ein optimiertes Batteriemanagement ist daher fest integrierter Bestandteil der Konzepte von MAN Transport Solutions.

Ladeinfrastruktur

Für einen optimalen Einsatz von Elektrofahrzeugen ist die richtige Ladetechnik unerlässlich. Dabei sind die folgenden Lademöglichkeiten, je nach Einsatzgebiet, anwendbar:

AC-Wallbox: Kompakte Ladeeinheit mit 7,2 kW Anschlussleistung. Damit beträgt die Ladezeit bei einem MAN eTGE für eine Komplettaufladung auf 100 Prozent Ladezustand laut Hersteller ungefähr fünf Stunden und 20 Minuten.

DC-Ladestation: Eine Combo-Steckdose CCS mit 40 kW Anschlussleistung schafft mittels schnellem Gleichstrom-Laden beim MAN eTGE laut Hersteller 80 Prozent Ladezustand in rund 45 Minuten.

230-Volt-Steckdose: Eine haushaltsübliche Steckdose ermöglicht ein Nachladen der Batterie nahezu überall. Hier sollte eine Komplettaufladung der Fahrzeugbatterie am besten über Nacht erfolgen. ts

Neuer Servicebetrieb:12,5 Millionen Euro für Wiesbaden

Spatenstich für neuen MAN Truck & Bus Servicebetrieb in Wiesbaden: Im Dezember 2020 will das Unternehmen bereits in das neue Firmengebäude im Industriegebiet Petersweg-Ost in Wiesbaden-Kastel einziehen. Mit 24.500 Quadratmetern verdoppelt sich nicht nur die Fläche, es sollen auch neun neue Mitarbeiter eingestellt werden. So würde unter anderem von 19 auf 25 Monteure aufgestockt, sodass insgesamt 45 Personen am neuen Standort beschäftigt sein werden.

Der Spatenstich am Donnerstag, 23. Januar, war der symbolische Startschuss für ein Großprojekt, dessen Planung bereits vor zwei Jahren begonnen hatte. „Das neue Gebäude ist in vielerlei Hinsicht eine große Verbesserung für uns“, sagt der Regionalleiter Aftersales, Dirk Schneider und spielt damit vor allem auf die gute Verkehrslage an. Die direkte Nähe zur Autobahn ist strategisch und langfristig eine wichtige Investition in die Zukunft des Unternehmens. „Wir vergrößern uns deutlich, die Fläche hat sich fast verdoppelt. Auch die Verkehrslage mit der hervorragenden Autobahnanbindung an die A671 ist eine große Verbesserung für uns.“ Insbesondere für größere Nutzfahrzeuge wird die neue Werkstatt besser anzufahren sein als am bisherigen Standort in der Schoßbergstraße.

Mit dem Umzug im Dezember dieses Jahres, beziehungsweise im Januar 2021, soll es einen „harten Cut“ geben, sagt Schneider. „Wir geben damit unseren alten Standort in der Schoßbergstraße komplett auf und werden mit allen Mitarbeitern direkt in den neuen Standort im Gewerbegebiet Petersweg-Ost ziehen.“

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Artikel Elektromobilität auf dem Vormarsch
Seite 30 bis 31 | Rubrik Test + Technik