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Zwischen Chance und Risiko

Urbane Logistik, Start-ups, Fahrermangel und die neue Seidenstraße – die Themen der Messe transport logistic sind breit gefächert.

Die transport logistic 2019 findet vom 4. bis 7. Juni in München statt. Bild: Messe München
Die transport logistic 2019 findet vom 4. bis 7. Juni in München statt. Bild: Messe München
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Tobias Schweikl

Die transport logistic 2019 soll in diesem Jahr laut Veranstalter Messe München GmbH stark wachsen. Dabei sollen insbesondere die Luftfracht und der maritime Bereich zulegen. Und auch DHL kehrt als Aussteller zurück. Zuletzt war der Logistikdienstleister im Jahr 2011 in München präsent. „Die Rückkehr von DHL ist eine große Bereicherung für die transport logistic – und zeigt zugleich, wie wichtig die Messe für die Branche ist, um ihre internationalen Netzwerke zu pflegen und Geschäfte anzubahnen“, so Gerhard Gerritzen, Mitglied der Geschäftsführung der Messe München.

DHL selbst sieht die Messe als eine Gelegenheit, die eigenen Antworten auf die kommenden Herausforderungen wie Digitalisierung, grüne Logistik und die Zukunft des globalen Handels zu präsentieren. „Die transport logistic 2019 wächst vor allem durch Beteiligungen aus dem Ausland“, berichtet Gerritzen weiter. „Deshalb haben wir eine neue Halle eröffnet und bieten hier Neuausstellern aus der Luftfracht und dem maritimen Bereich sowie Logistikdienstleistern Raum.“ Zu den Neuausstellern gehören Neutral AirCargo aus Hongkong (Special Administrative Region), der Reeder Cosco Shipping Lines mit Headquarter in China sowie erstmals mit Asia Shipping ein Unternehmen aus Brasilien. Dessen CEO Alexandre Pimenta sagt zu seinem Engagement in München: „Wir sind als Logistikdienstleister bereits in Lateinamerika und zahlreichen asiatischen Märkten vertreten. 2019 werden wir nach Europa expandieren, um internationale Unternehmen in ihrer Logistik zwischen Lateinamerika und Europa zu unterstützen.“

Citylogistik im Fokus

Thematisch wird die urbane Logistik auf der transport logistic 2019 einen hohen Stellenwert genießen. „Der Druck auf die Logistikbranche steigt und betroffen sind nicht nur die KEP-Dienstleister, sondern auch die Stückgutspediteure, die dringend neue Konzepte für die Stadtbelieferung benötigen“, so Stefan Rummel, Geschäftsführer der Messe München. „Hochschulen, Forschungsinstitute und führende Logistikdienstleister entwickeln und testen bereits konkrete Lösungsansätze, die den drohenden Kollaps der innerstädtischen Versorgung verhindern sollen – vieles davon ist im Juni auf der transport logistic in München zu sehen oder wird hier diskutiert.“

Vor Ort sind unter anderem Preisträger des Wettbewerbs „Nachhaltige Urbane Logistik“, den das Bundesumweltministerium gemeinsam mit dem Umweltbundesamt ausgeschrieben hatte. Darunter der Logistikdienstleister Dachser (Halle B6, Stand 101/202), der in der Stuttgarter Innenstadt ein emissionsfreies Liefergebiet für Stückgutsendungen definiert und dauerhaft in sein Netzwerk integriert hat. „Dachser Emission-Free Delivery“ nutzt leichte und in Zukunft auch mittelschwere Elektro-Lkw mit einem Gesamtgewicht von bis zu 18 Tonnen und kombiniert diese mit Lastenrädern und Mikrohubs. Damit werden palettierte Stückgutsendungen emissionsfrei zugestellt. Schon heute steht fest, dass Dachser sein Lieferkonzept auch auf andere Städte ausweiten wird. „Dafür haben wir eine Toolbox mit Maßnahmen entwickelt, aus der sich unsere Niederlassungen bedienen können“, erklärt Stefan Hohm, der bei Dachser die Corporate Unit Corporate Solutions, Research & Development verantwortet.

 

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Individuelle Konzepte

In der City Distribution Toolbox werden zum Beispiel Tipps gegeben, wie man mit Kommunen kooperiert und welche emissionsfreien Lieferkonzepte zur Verfügung stehen. „Es kann keinen einheitlichen Masterplan für alle europäischen Städte geben, denn jede Kommune hat ihre eigenen topografischen, politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen“, betont Hohm. Mehr zum Thema Citylogistik allgemein und zum „Dachser Emission-Free Delivery“ im speziellen erfahren Messebesucher am 5.Juni 2019 von 10:00 bis 11:30 Uhr auf dem Fachforum „Nachhaltig in die City: Potenziale und Probleme grüner Logistik in der Praxis“ (siehe Kasten). Die Veranstaltung wird organisiert und moderiert von Johannes Reichel, Leiter Test und Technik bei LOGISTRA.

Ebenfalls unter den Preisträgern des Wettbewerbs „Nachhaltige Urbane Logistik“ war das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML (Halle A3, Stand 501/602). Der Vorschlag der Forscher: die Tagesrand- und Nachtzeiten besser nutzen, um die Innenstädte zu entlasten. Das Logistikkonzept GeNaLog (Geräuscharme Nachtlogistik) etwa setzt auf Elektro-Lkw, geräuschoptimierte Fahrzeugböden und Ladehilfsmittel sowie auf speziell geschulte Fahrer. Ein fünfwöchiger Praxistest der Rewe Group in Köln verlief bereits positiv: „Die Testphase mit dem E-Lkw und den geräuscharmen Technologien verlief ohne größere Schwierigkeiten. Anwohner waren von der geräuscharmen Technik begeistert und haben sich zu keiner Zeit über Ruhestörungen beschwert“, berichtet Daniela Kirsch, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Fraunhofer IML.

Lastentunnel in Hamburg

Ebenfalls an das Fraunhofer IML ging der Sonderpreis für einen visionären Ansatz für den unterirdischen Transport über Rohrleitungen. Der „Smart City Loop“ befördert die Güter auf Lastenträgern von City-Hubs am Stadtrand zu Mikrodepots in der Innenstadt. Das System kann auch umgekehrt genutzt werden, um zum Beispiel Leergut und Retouren zum Stadtrand zu liefern. Das erinnert an die Hyperloop-Pläne im Hafen Hamburg. Die Hanseaten wollen bis 2021 für rund sieben Millionen Euro eine 100 Meter lange Teststrecke zwischen dem Containerterminal Altenwerder und einer Übergabestation bauen. In dem Tunnel bewegt sich dann eine selbstfahrende, 25 Tonnen schwere Kapsel, in der die eintreffenden Seecontainer mit hoher Geschwindigkeit von der Kaikante abtransportiert werden. Eine Messepremiere auf der transport logistic feiern in diesem Jahr die Start-ups. Ein eigens ins Leben gerufene Forum „start.hub Logistics“ will Logistikindustrie und Gründer vernetzen.

Etwa 20 Start-ups sollen sich in Halle B2 auf einer 300 Quadratmeter großen Fläche, bestehend aus einer Bühne, einer Bar und einer Lounge, präsentieren können. „Gerade Start-ups können den mittelständischen, aber auch großen Logistikern dabei helfen, zu innovativen Ideen und Technologien zu kommen, ohne dass die Unternehmen gleich ein riesengroßes Digitalteam aufbauen müssen“, erklärt Julia Miosga, Bereichsleiterin Handel & Logistik, Bitkom – Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.,zu den Chancen der Start-ups. Eine wichtige Rolle im Konferenzprogramm der transport logistic spielt der Fahrermangel. Allein fünf Diskussionsforen widmen sich dem Thema. Die IRU etwa hat eine Kampagne mit dem Titel „Tackling Driver Shortage in Europe“ gestartet, um die Öffentlichkeit für die Bedeutung dieses Themas zu sensibilisieren und neue Talente für den Sektor zu gewinnen. „Die wohl am wenigsten genutzten Talentpools sind junge Menschen und Frauen. Die Herausforderung besteht darin, diese Art von Kandidaten anzuwerben und gleichzeitig erfahrene Fahrer im Beruf zu halten“, fast IRU-Präsident Christian Labrot zusammen. Eigene Marktuntersuchungen des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) haben ergeben, dass der Fahrermangel mit einem verbesserten Image des Berufs sowie einer höheren Wertschätzung sprich Bezahlung entschärft werden könnte. „Ebenso müssen Industrie- und vor allem Handelsunternehmen in ihrem ureigensten Interesse Verbesserungen bei der Organisation ihrer Be- und Entladerampen umsetzen“, betont BGL-Vorstandssprecher Prof. Dr. Dirk Engelhardt. Die Probleme beginnen „bei unkalkulierbar langen Wartezeiten, gehen über zeit- und kostenintensive Probleme beim Palettentausch sowie teils unzumutbare hygienische Zustände und enden keineswegs bei den unzureichend ausgeprägten menschlichen Umgangsformen“. Überdies müsse verstärkt gegen den ebenfalls seit Jahren bestehenden Parkplatzmangel vorgegangen werden – nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen.

Fahrerrolle ändert sich

Die Diskussionen um das autonome Fahren hat das Anwerben von Nachwuchs offenbar zusätzlich erschwert. Die Befürchtungen, dass Fahrer zukünftig überflüssig werden, hält Engelhardt jedoch für unbegründet: „In den Flugzeug-Cockpits hat der Autopilot den Menschen auch nicht ersetzt. Das wird sich beim Lkw nicht anders verhalten.“ Auch die IRU sieht in der Automatisierung keine Gefahr für den Fahrerberuf: „Allerdings wird es mehr Fahrerassistenzsysteme in Lkw geben, und somit werden sich die Aufgaben der Fahrer verändern. Der Beruf könnte sich damit mehr zu einer technologiegestützten Logistikmanagerrolle entwickeln und damit attraktiver für technisch versierte Millennials werden“, prognostiziert Labrot.

Für Rückenwind bei der Fahrersuche dürfte auch der EU-Mobilitätspakt sorgen, den der BGL ausdrücklich begrüßt. Besonders positiv wird die vorgesehene Heimkehrpflicht für Lkw-Fahrer zu ihren Familien sowie die Rückkehrpflicht für international eingesetzte Lkw in ihr Zulassungsland nach jeweils spätestens vier Wochen bewertet. Einen weiteren Erfolg sieht der BGL in der Aufnahme des von ihm vorgeschlagenen Lenkzeitzuschlags um maximal zwei Stunden für Lkw-Fahrer, die sich auf dem Heimweg ins Wochenende befinden. Damit können viele Fahrer auch bei unvorhersehbaren Verzögerungen das Wochenende bei ihren Familien verbringen. ts Foto: Messe München

Nachhaltig durch die City:Potenziale und Probleme grüner Logistik in der Praxis

Schon heute bemühen sich viele Logistiker um nachhaltige Lösungen für den Transport in urbanen Zonen. Die Fachzeitschrift LOGISTRA aus dem HUSS-VERLAG widmet sich diesem Thema seit vielen Jahren und präsentiert innovative Citylogistiklösungen vom E-Cargobike bis zum CNG-Truck.

Bei unserem Fachforum kommen Praktiker zu Wort und berichten über Vor- und Nachteile des Einsatzes alternativer Transportmittel in der urbanen Logistik und geben Tipps für den Einstieg in den Ausstieg.

Vortragssprachen: Deutsch, Englisch

Referenten

Stefan Hohm, Corporate Director CorporateSolutions/R&D, Dachser Group SE & Co. KG, Kempten

Beres Seelbach, CEO, ONO Motion/Tretbox GmbH, Berlin

Josha Kneiber, BPW Bergische Achsen KG, Business Development Elektromobilität

Dr. Dustin Schöder, Deutsche Bahn, Strategische Ressortprogramme – Practice Transport und Logistik

Prof. Dr. Payam Dehdari, Hochschule für Technik Stuttgart, Fachgebiet Umweltorientierte Logistik

Termin

5. Juni 2019, 10:00 bis 11:30 Uhr,
Forum IV, Halle A4 (West)

transport logistic 2019: 
Zahlen & Fakten

Veranstaltungsort

Messe München

Termin

4. bis 7. Juni 2019

Öffnungszeiten

Dienstag bis Donnerstag von 9 bis 18 Uhr; 
Freitag 9 bis 16 Uhr

Tageskasse

Tageskarte: 30 Euro; Dauerkarte: 44 Euro

Ausstellungshallen

A3 – A6, B1 – B6, Freigelände F7+F8

Eingänge

West, Ost

Aussteller

Rund 2.200 (2017: 2.162)

Ausstellungsfläche

117.000 m² (2017: 115.000 m²)

Ausstellungsbereiche

Air Cargo Europe; IT, Telematik, E-Business, Telekommunikation; Dienstleistungen, Güterverkehr und Logistik; Ausrüstung für den Güterverkehr; Intralogistik, Warehouse Management Systeme, AutoID und Verpackungen

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Artikel Zwischen Chance und Risiko
Seite 12 bis 14 | Rubrik transport logistic
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