Wechselstrategie für Lkw-Reifen

Die Reifen in unserem ersten Lkw-Praxistest „bestof9.eu“ überzeugten mit hoher Laufleistung. Durch etwas Reifenmanagement lässt sich die Gesamtlaufleistung noch optimieren.

Symbolbild LOGISTRA (Foto: T. Schweikl)
Redaktion (allg.)

Bei allen bestof9.eu-Sattelzugmaschinen waren an den Lenkachsen die Michelin-Reifen „MultiWay 3D XZE“ montiert, an den Antriebsachsen tragen die Reifen das Kürzel XDE, das „D“ steht dabei für Drive-Axle. Der MultiWay als Ganzjahresreifen ist auf Grip und Langlebigkeit ausgelegt. Dass dies zutrifft, belegen unsere Protokolle, die jeweils nur eine Laufdecken-Ablösung an einem Trailer-Pneu (durch zu geringen Luftdruck) und kleinere Gewaltschäden durch Schnitte und eingedrungene Fremdkörper dokumentierten.
Selbst die Michelin-Techniker, die zum Ende des ersten bestof9.eu-Tests noch einmal die Verschleißbilder der Reifen analysierten, waren von der Laufleistung überrascht. Besonders positiv stechen die Trailerreifen auf der dritten Achse hervor, die auf dieser Position durch das Rangieren besonders stark beansprucht werden. Eine Laufleistung von rund 300.000 Kilometern auf der dritten Achse sei deshalb ein „überragendes“ Ergebnis. Dieser hohe Wert zeige, so Michelin, dass Niederquerschnittsreifen der Dimension 385/55 R 22.5 nutzbares Ladevolumen durchaus mit hoher Laufleistung verbinden können. Theoretisch, so die Michelin-Techniker weiter, könnten die Zugmaschinen mit der aktuellen Bereifung noch bis zum Sommer 2015 fahren. Dazu müssten zunächst die Reifen auf der Antriebsachse nachgeschnitten werden. Dadurch lasse sich die Laufleistung um zusätzliche 25 Prozent erhöhen. Die Reifen auf der Vorderachse könnten sogar noch bis in den nächsten Herbst fahren.
Idealerweise würde man jetzt für den Winter neue Reifen mit Maximalprofil montieren und im Frühjahr dann wieder auf die aktuellen, nachgeschnittenen MultiWays zurückwechseln, um diese bis zum nächsten Winter abzufahren. Ihr Leistungspotenzial ließe sich mit dieser Wechselstrategie zu hundert Prozent ausschöpfen. Die Reifen an der Lenkachse werden am geringsten beansprucht, entsprechend hoch fällt ihre Laufleistung aus: Nach durchschnittlich 340.000 Kilometern waren alle Lenkachsen noch mit den Erstreifen vom April 2012 ausgerüstet. Sie hatten im Schnitt noch ein Restprofil von 7,5 Millimetern. Rechnet man das auf ein Restprofil von drei Millimeter hoch, ergibt sich eine Laufzeiterwartung von 510.000 Kilometern für den MultiWay 3D auf der Vorderachse.
Von ähnlich hoher Zuverlässigkeit zeigten sich die Reifen der Antriebsachsen (XDE): Acht von neun Zugmaschinen sind zum Testende noch auf den Antriebsreifen vom Teststart unterwegs. Nach zweieinhalb Jahren haben die Reifen eine Profiltiefe von durchschnittlich 5,8 Millimetern. Hochgerechnet auf drei Millimeter Restprofil ergeben sich Laufzeiterwartungen von 440.000 Kilometern. Bei den Trailern wurden Reifen, die bei Teststart auf den vorderen und mittleren Trailerachsen montiert waren, bis September 2014 auf andere Achspositionen gewechselt oder auch nachgeschnitten. Die Reifen auf den dritten Achsen sind inzwischen alle ersetzt. Die durchschnittlichen Restprofile der Trailerreifen: erste Achse: 3,1 Millimeter, zweite Achse: 7,4 Millimeter und dritte Achse: 3,0 Millimeter.
Reifenmanagement
An den Werten lässt sich die Beanspruchung der Achspositionen ablesen und deshalb durch geschicktes Reifenmanagement die Gesamtlaufleistung der Reifen optimieren. Am stärksten wird die dritte Achse beansprucht. Danach folgt die vordere Achse. Die Reifen auf der mittleren Achse zeigen stets den geringsten Verschleiß.
Daher lautet die Faustregel:

■Reifen der dritten Achse bei zwei bis vier Millimetern nachschneiden und auf die mittlere Achse umstecken.

■Reifen von der mittleren auf die dritte Achse umstecken. Etwas später: Reifen der ersten Achse nachschneiden und dort lassen.
■Später nach Bedarf die Reifen der ersten und dritten Achse ersetzen. Reifen der mittleren Achse laufen noch weiter.
Die Unterschiede der Laufleistungen zwischen den einzelnen Fahrzeugen resultieren aus den unterschiedlichen Fahrzeugmodellen, Touren und Fahrweisen. Fallen mehr Rangiertätigkeiten auf einer Tour an, macht sich das beim Reifenverschleiß bemerkbar. Beim Fahren beeinflusst die Fußbremse Reifen auf allen Positionen, der Retarder hingegen wirkt sich nur auf die Reifen der Antriebsachse aus. Dies jedoch umso stärker. Für die jüngst angelaufene zweite Staffel von bestof9.eu werden die Züge mit Reifen der Serie Michelin „X-Line-Energy“ ausgestattet, die speziell für den Fernverkehr entwickelt wurden. Dessen Vorgänger „Michelin Energy Savergreen“ war der bevorzugte Reifen auf Test-Trucks und stets montiert, wenn es um optimale Verbrauchswerte ging. Über seine Laufleistung hingegen ist bis- lang nur wenig bekannt.
Während wir die Laufleistung im Vergleich zum MultiWay 3D aus der ersten Staffel also gut vergleichen können, müssen wir beim Vergleich des Kraftstoffverbrauchs vorsichtig sein. In der ersten Staffel fuhren 420-PS-Lkw, überwiegend in Euro-5-Ausführung, während die zweite Staffel 450 bis 460-PS-Zugmaschinen mit Euro 6 bestreiten. Zu erwarten sind Einsparungen beim Spritverbrauch. Ob dafür die Reifen oder die Euro-6-Motoren ursächlich sein werden, wird sich nicht genau quantifizieren lassen. Robert Domina

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