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bauma 2022: Die größte Messe der Welt steht voll unter Strom

Johannes Reichel
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Auch sintflutartige Regenfälle konnten die Interessierten nicht davon abhalten, in Massen die weltgrößte Branchenmesse zu fluten – die Messe lebt!

Das Wetter hätte schlechter nicht sein können – es regnete aus Eimern in München – doch viele der in Branche Arbeitenden stehen ohnehin bei Wind und Wetter ihren Mann und ihre Frau! Dass sie wahrlich nicht aus Zucker sind, bewiesen die vollen Messestände und Gänge allerorten – mit dem ersten Messetag waren die Anwesenden jedenfalls hochzufrieden. Und viele – vor allem Kundenbetreuer und Verkäufer der Ferngebliebenen – ärgerten sich.

Viele Hersteller aus der Topliga blieben unverständlicherweise fern

Denn die bauma ist mehr denn je eine Messe, an der man anpacken und probesitzen respektive -baggern möchte. Umso unverständlicher ist das Fernbleiben Volvos, wo man neben den Baumaschinen auch Lkw der eigenen Marke und Renault Trucks verkauft. Zumal man bei Baumaschinen mit Caterpillar, Komatsu und Liebherr eigentlich in der Topliga spielt. Blöd, dass die Volvo-Kunden, die einen Radlader der Schweden und vielleicht noch einer anderen Marke haben, jetzt eben nur diese besuchten. Ähnliches gilt für die Traton-Gruppe, die sich mit MAN und Scania auch den großen Auftritt sparte – viele potenzielle Kunden und Fahrer fanden sich so unvermittelt bei Meiller wieder, wo man alle Marken aufbaut und stehen hatte – Gleiches galt auch für Iveco.

Daf, Daimler und sogar Tatra erklären: Die elektrischen Lkw kommen

Blieb Paccar mit dem gewohnt kleinen Daf-Stand (an gleicher Stelle wie 2019) und Tatra, wo man Daf als „Basis“ nutzt, mit dem etwas größeren Stand (exakt: an gleicher Stelle wie 2019) dahinter. Ganz groß fuhren in Halle B4 nur Daimler Trucks samt Fuso und Schmitz Cargobull auf. Während der Daimler-Konzern mehrere Elektro-Lkw (E-Actros für den Verteilerverkehr, batterieelektrischer Arocs in Zusammenarbeit mit Paul Nutzfahrzeuge, Fuso e-Canter) zeigte, drehte sich bei den Cargobullen einmal mehr alles um die Effizienzsteigerung beim Kippsattel. Heißt: Bessere Bedienbarkeit und ein paar eingesparte Kilogramm hier und da. Die Aussage von Daimler-Truck-Chefin Karin Rådström war dann auch klar: „Wir sind bereit“ – ab 2024 will man in Serie gehen. Allerdings konnte sie sich auf der Pressekonferenz am Stand einen Seitenhieb nach Brüssel nicht verkneifen, wo sie erst kürzlich zu Beratungen bezüglich der Elektrifizierung des Lkw-Verkehrs zu Besuch war. Dort, so hatte sie den Eindruck, hoffe man, dass sich das Thema Ladeinfrastruktur samt deren Ausbau „irgendwie von allein“ lösen wurde – was Rådström zumindest im Hochlauf nicht so sieht.

Denn die Industrie steht bereit: Auch Daf Trucks arbeitet an elektrischen Lkw, die auch im Bauverkehr kommen dürften. Nachfrage auch bei Tarta, wo man eher im Hardcore-Segment, aber grundsätzlich mit Daf-Kabinen- und Antrieben arbeitet: 2024 plant man dort mit der neuen Daf-Kabine, Elektromobilität und Brennstoffzelle seien mittlerweile auch im tschechischen Kopřivnice gesetzt.

Cat, Komatsu und Liebherr: Titanen unter Strom

Gehen wir weiter über die Hallen B6, in der Putzmeister, Komatsu und Caterpillar elektrische Betonmischer, Bagger und Radlader zeigen, ins Freigelände. Dort stehen seit je die größten Bagger und Dumper bei Komatsu am Stand: Und während der gigantische Komatsu PC4000-11 mit 22-Kubikmeter-Löffel und 1400 kW seine rund 400 Tonnen Betriebsgewicht übers Messegelände schwenkt, hätte Liebherr mit dem T274 den passend großen Dumper dabei, den man an ein Oberleitungs-Trolley-System gehängt hat, um den elektrischen Anteil in der Grube zu erhöhen. Der Gigant, der mit dem noch größeren T282 verwandt ist, leistet 2720 kW und trägt bei 223 Tonnen Eigengewicht bis zu 305 Tonnen Nutzlast – dann sind 528 Tonnen unterwegs.

Auch die Brennstoffzelle war einmal mehr Thema

Aber auch in der Betontechnik setzt Liebherr auf Elektroantriebe und stellte gleich mehrere Fahrmischer mit elektrischer Trommel (die auch die Basis für den Arocs am Daimler-Truck-Stand bildete) aus, dazu unter anderem den Radlader H507, der mit Brennstoffzelle seine Arbeit verrichtet. Auch Hyundai hatte einen Radbagger mit Hydrogen-Technology im Gepäck, in der Regel tun Cummins-Diesel Dienst in Hyundais Baggern. Und auch am Stand von Kramer respektive wacker-Neuson, fand man eine komplette Palette an Rüttlern und Baggern rein elektrisch vor, ebenso wie bei Hitachi rein elektrische Bagger der Typen ZX85US-6EB und ZX135-7EB standen. Und aucvh bei Avant baggerte man elektrisch.

 
E-Actros mit Meiller-Hydraulik hinter der Kabine für den Baustellen-Verteilerverkehr. | Foto: G. Soller
E-Actros mit Meiller-Hydraulik hinter der Kabine für den Baustellen-Verteilerverkehr. | Foto: G. Soller
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Wollen wir das? Hörte man die Profis immer wieder fragen – sofern das laden und die Stromversorgung gesichert sind, durchaus – es ist ein leises und kräftiges arbeiten. Doch wenn der Bagger immer wieder umgesetzt wird und die Baustellen viel Leistung fordern – was schon bei der Versorgung mit Diesel oft Umstände bereitet – da sind die Profis noch skeptisch. Trotzdem standen sie wie eh und je unter Strom auf der Bauma – strömendem Regen zum Trotz!

Was bedeutet das?

Die Ansage der Lkw-Hersteller war klar: „Wir sind bereit“ kam unisono die Aussage von Daf über Daimler bis Tatra – und auch die Baumaschinenindustrie bietet mittlerweile zahlreiche Zero-Emissioneers an. Müssen bloß Ladetechnik und Gesetzgebung folgen – denn wenn elektrisch TCO-seitig teurer ist als Diesel, wird es sehr schnell sehr uninteressant.

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