Mercedes-Benz EQV: Vor dem Marktstart in die Kälte

Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Für die Daimler-Entwicklung ist es ein Routine-Prozess, den man selbstverständlich und erst recht auch für Elektrofahrzeuge aufrecht erhält: Über mehrere Wochen unterzog das Entwicklungsteam die erste batterieelektrische Großraumlimousine von Mercedes-Benz im schwedischen Arjeplog einem Härtetest unter besonderen klimatischen Bedingungen. Bei Temperaturen von bis zu minus 30 Grad Celsius, vereister Fahrbahn und tiefem Schnee soll der EQV seine Einsatzfähigkeit unter Extrembedingungen unter Beweis gestellt - und somit einen der letzten Meilensteine auf dem Weg zur Markteinführung genommen haben. Diese ist nach aktuellem Stand für die zweite Jahreshälfte 2020 avisiert. Damit wäre der EQV das zweite Fahrzeug des neuen E-Auto-Labels EQ unter dem Daimler-Dach.

Mit spezieller Messtechnik erprobten 30 Ingenieure die Auswirkungen extremer Kälte auf Handling, Ergonomie und Komfort. In Kältezellen überprüften sie das Startverhalten sowie die Kälteabsicherung der Antriebskomponenten, Software und Schnittstellen und das Thermomanagement des gesamten Fahrzeugs wurde analysiert und optimiert. Weiteres wichtiges Element der Tests war das Ladeverhalten. Der EQV verfügt über einen DC-Schnelllader mit CCS-Anschluss und optional 110 kW Ladeleistung (50 kW Standard), mit dem das Fahrzeug binnen 45 Minuten von 10 auf rund 80 Prozent der Kapazität nachgeladen sein soll. Dies sei auf Reisen ein großes Plus an Flexibilität, muss aber unabhängig von der Temperatur zuverlässig funktionieren, wie der Hersteller erklärt.

Vorheizen am Netz per App

Eine weitere wichtige Funktion speziell im Winter: Das sogenannte "Pre-Conditioning" über die Mercedes me App, bei der man eine Abfahrtszeit eingibt und den Innenraum auf die gewünschte Temperatur vorheizen sowie Schnee oder Eis auf den Scheiben schmelzen lässt - mit Strom aus dem Netz, nicht aus der Fahrbatterie. Auch dies scheint funktioniert zu haben. 

Pausenfüller: Wahlweise mit 110 kW CCS-Lader an Bord

Und schließlich erprobten die Daimler-Mannen auch noch das Handling bei Eis und Schnee, wobei dem Fronttriebler dabei die tiefe und zentrale Anordung des riesigen 100-kWh-Lithium-Ionen-Akkus (90 kWh netto) im Unterboden zu Pass gekommen sein soll. Ob die strammen 362 Nm Drehmoment des 204-PS-Elektromotors Probleme auf Eis gemacht haben, wurde allerdings nicht verlautbart. Der EQV wird in zwei Radständen und mit einem auf 3.500 Kilogramm erhöhten Gesamtgewicht angeboten und soll bei einem Stromverbrauch von laut Werk 26,4 kWh/100 km bis zu 420 Kilometer weit fahren können. Na, vielleicht nicht, wenn die Heizung voll aufgedreht ist ...