3. Nationale Radlogistik-Konferenz: Hannovers OB Onay sieht Bikelogistik als Schlüssel

Mit einem Plädoyer für mutige und andere Mobilität eröffnete Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay den parallel zur IAA staffindenden Branchentreff. Das Lastenrad werde die Logistik der Zukunft umkrempeln, glaubt der Politiker.

Ließ sich moderne Lastenradtechnik erklären: Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay eröffnete unmittelbar nach der IAA die Radlogistikkonferenz - im "Wohnzimmer" der Stadt, dem Trammplatz vor dem Rathaus. | Foto: J. Reichel
Ließ sich moderne Lastenradtechnik erklären: Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay eröffnete unmittelbar nach der IAA die Radlogistikkonferenz - im "Wohnzimmer" der Stadt, dem Trammplatz vor dem Rathaus. | Foto: J. Reichel
Johannes Reichel

Kurz nach der Eröffnung der IAA TRANSPORTATION hat Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay auch die 3. Radlogistik-Konferenz des Radlogistikverband Deutschland RLVD, die zeitgleich und in enger Abstimmung zu der Nutzfahrzeugschau in Hannover stattfindet, eröffnet. Hannover bewege sich gerade mächtig, stellte der Grünen-Politiker bei der Veranstaltung auf dem Trammplatz unmittelbar vor dem Neuen Rathaus fest. Zudem bemerke er eine große Lust auf eine andere, menschen- und umweltfreundlichere Mobilität, meinte Onay weiter.

„Radlogistik ist ein Baustein für resiliente und lebenswerte Städte. Daher freue ich mich sehr, die 3. Nationale Radlogistik-Konferenz dieses Jahr in Hannover begrüßen zu können“, erklärte das Stadtoberhaupt.

Der Radlogistik traut er dabei eine Schlüsselrolle im urbanen Transport zu. Die Radlogistik werde überhaupt die zukünftige Logistik umkrempeln, prognostiziert Onay. Bei der aus seiner Sicht dringend notwendigen Neuaufteilung des knappen öffentlichen Raums in den Städten gebe es natürlich auch Konflikte mit der bisher praktizierten Logistik. Hier könnten dezentrale und "mikromobile" Konzepte wie die Radlogistik mit Zwischenlagern helfen. Es gelte, treffsichere Angebote zu gestalten und Mobilität nicht immer nur in "Auto" zu denken, forderte das Stadtoberhaupt.

Nicht gegen das Auto, sondern für lebenswertere Städte

Das Automobil und die autogerechte Stadt sei in der schwer vom Krieg zerstörten Niedersachsen-Metropole wie in vielen anderen Städten das Symbol des Wiederaufbaus gewesen. Dennoch sei es als Transportmittel im stehenden wie im ruhenden Verkehr eine Belastung. Die Räume müssten neu sortiert werden und in diesem Ranking rutsche das Auto zwangsläufig nach hinten. Er sei aber deshalb nicht gegen das "Auto" als solches, sondern eben für eine menschenfreundliche und lebenswertere Stadt, die zudem klimaresilient gemacht werden müsse. Dafür brauche es Anreize, aber sicherlich auch einen gewissen Druck. Das Fahrrad sei in dieser Transformation ein Schlüsselelement. Es könne Klimaschutz, mit Raumeffizienz und sozialen Faktoren verbinden, gerade in Zeiten steigender Energiepreise böte das Bike eine günstige Alternative. Onay verwies auf die zahlreichen Maßnahmen in der Stadt, die den Radverkehr sicherer machen sollen, wie etwa auch die zwölf Velorouten oder den City-Rad-Ring. Die Landeshauptstadt und die Region Hannover sowie das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung unterstützen die  zweitägige Konferenz.

Branche zeigt sich bereit für die Transformation

Tom Assmann, Vorsitzender des RLVD bekräftigte die Bereitschaft der Branche, bei der Transformation mitzuhelfen und die passenden Instrumente zur Verfügung zu stellen, was auch Lars Wichmann, Geschäftsführer des Spezialisten Velogold unterstrich. Assmann betonte, dass Lastenräder den Lkw keinesfalls komplett ersetzen könnten, aber in bestimmten Bereichen eine ideale Ergänzung wären. Innerstädtisch würden oft zu große Fahrzeuge eingesetzt, die viel Platz beanspruchten und zudem dieselbetrieben seien. Hier könne das Cargobike seine Stärken ausspielen und zugleich eine höhere Pünktlichkeit bei niedrigeren Betriebskosten einbringen. Bis zu einem Drittel der urbanen Transporte traut der Verband dem neuen Transportmittel zu.

„Die junge dynamische Radlogistik-Branche wird in den nächsten Jahren Logistik und Wirtschaftsverkehr deutlich umkrempeln. Wir stehen erst am Anfang einer spannenden Entwicklung", ist Assmann überzeugt.

Dass man allerdings auch Langstrecken per Lastenrad bewältigen kann, hatte bei der Anreise aus Hamburg der Logistiker und Bikehersteller tricargo unter Beweis gestellt. Bei der Konferenz im Hannover Congress Centrum treffen sich Radlogistiker und Experten um zu debattieren, wie dieses Ziel erreicht werden kann. Zudem stand eine Exkursion zu aktuellen Radlogistikprojekten in der Stadt auf dem Programm. Zu den Stationen gehören Mikrodepot-Standorte für die Radlogistik, das DHL-Depot am Güterbahnhof und das Radlogistik-Unternehmen Tretwerk.

Radlogistik-Versender des Jahres: MEMO AG

Auf einer Abendveranstaltung in der Leibniz Universität kürte der RLVD erstmalig den „Radlogistik-Versender des Jahres“. Der Preis ging an das bundesweit tätige Unternehmen  MEMO AG, für die Vorstandsvorsitzender Frank Schmähling die Auszeichnung des Radlogistik-Verband Deutschland entgegennahm. Der Versender setzt auf der letzten Meile gezielt auf Radlogistik-Pioniere.

Zum Abschluss fahren die Aussteller der Konferenz auf die IAA TRANSPORTATION, um am in Kooperation vom HUSS-VERLAG und dem VDA veranstalteten "International Cargobike of the Year"-Award der Zeitschrift LOGISTRA teilzunehmen. Dieser findet auf dem neuen IAA Cargobike-Parcours statt, der gemeinsam mit dem RLVD realisiert wurde.

„Wir freuen uns sehr über die Kooperation zwischen der IAA Transportation und der Nationalen Radlogistik-Konferenz und ganz besonders auf die erstmalige Verleihung des International Cargobike of the Year Award auf der IAA Transportation", erklärte VDA-Geschäftsführer Jürgen Mindel im Vorfeld.

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