Abgas-Manipulation an Lkw: BGL fordert Beweise

Nach TV-Beiträgen über angeblich massenhafte Abgas-Manipulationen bei osteuropäischen Lkw fordert der Spitzenverband BGL Aufklärung, was wirklich dran ist an den Vorwürfen.
Zur Reduzierung der Emissionswerte wird bei modernen Lkw-Motoren AdBlue eingesetzt, das mittlerweile für Trucks an Extra-Zapfsäulen wie bei Total erhältlich ist. | Foto: TOTAL Deutschland GmbH
Zur Reduzierung der Emissionswerte wird bei modernen Lkw-Motoren AdBlue eingesetzt, das mittlerweile für Trucks an Extra-Zapfsäulen wie bei Total erhältlich ist. | Foto: TOTAL Deutschland GmbH
Redaktion (allg.)

Nach den TV-Berichten über Abgasmanipulationen bei osteuropäischen Lkw hat der Bundesverband Güterkraftverkehr und Logistik eine sachliche Aufklärung der Vorwürfe gefordert. Bei den in den ZDF-Magazinen „Frontal 21“ und „Zoom“ angeprangerten Abgasmanipulationen bei osteuropäischen Lkw stützt sich der pauschal erhobene Vorwurf laut BGL auf ein Messverfahren, das – wie die Autoren des Fernsehberichtes laut BGL selbst feststellten – keine gerichtsverwertbaren Daten liefert. Dennoch handle es sich um einen ernst zu nehmende Hinweise auf auffällige NOx-Messwerte von Lastwagen aus mittel- und osteuropäischen Staaten, kommentiert der BGL. Der Verband fordert deshalb, "objektive und beweiskräftige Sachverhalte durch zuverlässige Mess- und Kontrollmethoden aufzuklären". Das sei Sache der staatlichen Kontrollorgane, die dabei auf uneingeschränkte Unterstützung durch den BGL als Spitzenverband des deutschen Transportlogistikgewerbes zählen könnten.

Sollten die aufgezeigten Werte in den beiden Fernsehbeiträgen aus vermuteten Manipulationen vermeidbare Emissionen zu Lasten der Umwelt und unseriöse Wettbewerbsverzerrungen verursachen, sei "ein energisches und sofortiges Einschreiten des Staates mit drastischen Maßnahmen, wie beispielsweise die Stilllegung der betroffenen Fahrzeuge in Verbindung mit hohen Geldstrafen zur Abschöpfung der wirtschaftlichen Vorteile geboten", fordert der BGL.

In einer aktuell verbreiteten Pressemitteilung äußert sich der an den TV-Beiträgen beteiligte Transportverband Camion Pro nun dahingehend, dass das Ausmaß des Lkw-Abgasskandals weit größer als befürchtet sein könnte. Der Chef Andreas Mossyrsch, beruft sich dabei auf eine Studie von Dr. Denis Pöhler vom Institute of Environmental Physics an der Universität Heidelberg, aus der hervorgehen soll, dass 23 Prozent, möglicherweise sogar bis zu 40 Prozent aller osteuropäischen Lkw in Deutschland sogenannte "AdBlue-Killer" zur Manipulation der Abgasreinigungsanlage verwenden. Demnach dürfte die Zahl manipulierter Lkw knapp doppelt so hoch sein als bisher angenommen und die Umweltschäden höher liegen als bei den VW-Manipulationen, behauptet Mossyrsch.

Die vermutete Manipulation geschehe mit Hilfe sogenannter AdBlue-Emulatoren, skizziert der Verbandschef. Es handelt sich dabei um elektronische Bauteile, die die Steuerungselektronik moderner Lkw-Motoren so manipulieren, dass der Motor auch ohne Einspritzung der Harnstofflösung AdBlue seine volle Funktion erhält. Diese Manipulation führt jedoch zu stark erhöhten Emissionswerten der Lkw, insbesondere beim giftigen Stickoxid. (tbu/jr)

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