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Abgasemissionen: Nur Daimler und VW wollen Nachrüstungen bezahlen

Bei einem Treffen mit den deutschen Autoherstellern sagen nur Daimler und VW unter bestimmten Bedingungen Geld für Nachrüstungen zu. Fahrverbote auch in Köln und abschnittsweise in Bonn.

Sauberkeit zum Nachrüsten: Als einer der wenigen Hersteller bietet Baumot Twintec ein Nachrüstset an, das bisher in einem VW Passat seine Wirksamkeit unter Beweis gestellt hat. | Foto: BaumotTwintec
Sauberkeit zum Nachrüsten: Als einer der wenigen Hersteller bietet Baumot Twintec ein Nachrüstset an, das bisher in einem VW Passat seine Wirksamkeit unter Beweis gestellt hat. | Foto: BaumotTwintec
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Johannes Reichel

Das Kölner Verwaltungsgericht hat der Stadt Köln ab April ein Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge der Euro-4-, etwas später auch Euro-5-Norm in der grünen Umweltzone auferlegt. Neben Köln verordnete das Verwaltungsgericht auch die Stadt Bonn ein partielles Diesel-Fahrverbot auf zwei besonders belasteten Strecken. Unterdessen haben sich Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und die deutschen Autobauer in den Verhandlungen zu Hardware-Nachrüstungen älterer Diesel offenbar auf einen Kompromiss geeinigt. Die deutsche Autoindustrie habe sich jetzt „sehr stark bewegt“, freute sich Scheuer nach einem weiteren Spitzentreffen mit den Topmanagern der Branche in Berlin. Konkret sollen die Hersteller laut Scheuer zugesagt haben, Besitzer älterer Diesel zusätzlich mit bis zu 3.000 Euro pro Fahrzeug zu unterstützen. Das gilt allerdings nur für die 15 Städte in Deutschland, in denen Schadstoff-Grenzwerte besonders stark überschritten werden.

Die Maßnahme solle für die Kunden gelten, welche nicht die „Tauschprämien“ der Hersteller nutzen und auf sauberere Autos umsteigen wollen. Dafür wurden bereits hohe Preisnachlässe gewährt, was die Autoindustrie unterm Strich immer noch günstiger kommt als Umrüstaktionen zu ihren Lasten. Daimler und VW stellten letztendlich sogar mögliche Hardware-Nachrüstungen in Aussicht, die sie mit dann mit bis zu 3.000 Euro pro Auto unterstützen würden. Bis das ganze Paket allerdings komplett in die Praxis umgesetzt werden kann, dürfte es aber noch dauern, bis alle rechtlichen und technischen Voraussetzungen für geplante Hardware-Nachrüstungen vorliegen. Weiterhin strikt abgelehnt wird die Nachrüstung vom Hersteller BMW, der dafür keine Notwendigkeit auch bei seinen älteren Modellen sieht und auf das höhere Gewicht sowie den Mehrverbrauch hinwies. Auch Opel lehnt Nachrüstungen bisher strikt ab. Offen bleibt auch die Beteiligung der Importeure, die Hardware-Nachrüstungen in der Regel generell ausschließen und stattdessen ebenfalls Rabatte als „Tauschprämien“ einräumen. PSA weist stellvertretend darauf hin, dass "wichtige regulatorische Fragen nach wie vor offen"  seien und spielte den Ball zurück in die Politik. (gs/jr)

LOGISTRA Kommentar:

Ganz ehrlich: Das Kind ist längst in den Brunnen gefallen, das holt man da nicht mehr heraus. Und zwar fiel es in dem Moment, als die Politik mit laschen Formulierungen zu Abgasregulierungen sämtliche Thermofenster und Hintertürchen selbst und ohne Not geöffnet hat, wohl in dem Glauben, der Industrie zu nützen und damit irgendwie auch  Arbeitsplätze zu schützen etc. pp. Indem die Autoindustrie diese Gesetze teils grade noch legal, teils illegal äußerst weit ausgelegt hat und die Ausnahme des Motorschutzes zur Regel machte, hat sie sich selbst keinen Gefallen getan. Kurzfristig optimierte man die Rendite, langfristig ruinierte man das Image. Noch ist unklar, ob der finanzielle Schaden nicht sogar größer ist als der hochheilige Profit. Wenn man die Talfahrt der Aktienkurse ansieht ...

Feststeht: Die Autoindustrie hat sich selbst großen Schaden zugefügt und damit gleichzeitig den Druck in der Politik erhöht, in der Sache jetzt mit harten Bandagen für den Bürger zu kämpfen. Zu spät, Du rettest den (Industrie)Freund nicht mehr, kann man nur mit Schiller sagen. Viel zu spät erkennt die Politik, für wen sie sich eigentlich einsetzen sollte: Für die Interessen der Bürger, in Sachen Gesundheit ebenso wie in Sachen Geldbeutel. Da kann der Verkehrsminister jetzt noch so sehr in Wut ausbrechen. Der Schaden ist angerichtet und immens. Ob der ganze Streit und Aufwand mit den fragwürdigen, noch nicht mal käuflichen geschweige denn homologierten Nachrüstsets die Luftqualität in Deutschland letztlich tatsächlich verbessert, steht dagegen noch in den Sternen. Die Politik sollte für die Zukunft daraus lernen - und klare Regeln mit einer eindeutigen Formulierung und Zielsetzung erlassen, an die sich alle zu halten haben. Wie das geht, bewies man im lobbyschwächeren Lkw-Segment: Nach anfänglichen Trickserein mit der Harnstoffdosierungstechnik hieb die Politik mit klarer Kante dazwischen. Seither läuft jeder Schwer-Lkw bei den Stickoxiden sauberer als viele angebliche Premium-Pkw. Da glänzten nur die Karossen.

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