Abgasmanipulation: VW Nutzfahrzeuge klärt per Online-Tool auf

Anhand der Fahrgestellnummer können Kunden überprüfen, ob in ihrem Fahrzeug die betreffende Software verbaut ist. Beim 2,0-l-TDI soll Update genügen.
Zeichen der Krise: Volkswagens Kürzel stand für viel Kraft bei wenig Verbrauch, seit kurzem steht es auch für einen Manipulationsskandal. / Foto: Volkswagen Nutzfahrzeuge
Zeichen der Krise: Volkswagens Kürzel stand für viel Kraft bei wenig Verbrauch, seit kurzem steht es auch für einen Manipulationsskandal. / Foto: Volkswagen Nutzfahrzeuge
Johannes Reichel

Im Skandal um manipulierte Stickoxidemissionen bemühlt sich auch Volkswagentochter VW Nutzfahrzeuge um Aufklärung. Seit dem Wochenende hat der Hersteller ein Online-Tool gestartet, auf dem Kunden mittels ihrer Fahrgestellnummer überprüfen können, ob bei ihrem Fahrzeug die weltweit millionenfach verwendete Manipulationssoftware eingebaut ist. Betroffen sind die Motoren der Reihe EA 189, bei den Nutzfahrzeugen in Form des 1,6 Liter-TDI und 2,0-Liter-TDI der Abgasnorm Euro 5 in den Modellen Caddy und Transporter, möglicherweise auch Crafter verwendet. Auf der Hompepage info.volkswagen.de beantwortet der Hersteller zudem die wichtigsten Fragen rund um die Manipulation, zumindest gemäß dem derzeit noch recht dürftigen Stand der Erkenntnisse.

Unabhängig von einer eigenen Überprüfung weist der Hersteller darauf hin, dass die betroffenen Kunden aktiv informiert würden. Auch die Händler würden den Kunden helfend zur Seite stehen. Darüber hinaus arbeite der Hersteller "mit Hochdruck" an "technischen Lösungen und Maßnahmen", die man noch im Oktober den zuständigen Behörden vorstellen wolle.

Unterdessen wurde über die "Bild am Sonntag" bekannt, dass Volkswagen für die Manipulationen Software des Zulieferers Bosch beim 2,0-Liter-TDI sowie im Falle des 1,6-Liter-Motors von Continental verwendet und modifiziert habe. Laut Conti-Sprecher Felix Gress habe man aber keinerlei Hinweise auf einen Missbrauch der gelieferten Software gehabt, berichtet die Zeitung. Im Falle der Bosch-Software und dem in den Nutzfahrzeugen deutlich häufiger verbauten 2,0-Liter-TDI soll ein Update in der Werkstatt genügen, während beim Continental-System aufwändigere Maßnahmen nötig seien, die auch in die Motortechnik des 1,6-Liter-Common-Rail-Aggregats eingreifen würden.

In der ganzen Affäre rückt der damalige VW-Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg in den Fokus. In Befragungen der internen Konzernrevision hätten mehrere Ingenieure den vor kurzem beurlaubten heutigen Audi-Vorstand beschuldigt, nicht nur von der Manipulation gewusst, sondern diese sogar beauftragt zu haben, wie die BAMS berichtet. Die Software wurde 2008 in den Motor EA 189 integriert, der seit 2005 entwickelt worden war. Zum geplanten Serienstart habe das Aggregat die Abgasnormen aber nicht zu vertretbaren Kosten erfüllen können. Daraufhin sei der Einsatz der Software beschlossen worden, hätten die Ingenieure laut BAMS-Bericht zu Protokoll gegeben.

Laut BAMS steht das gesamte Investitionsbudget bis 2018 von 100 Milliarden Euro auf dem Prüfstand. Für 2016 hat die Nutzfahrzeugsparte von Volkswagen einen komplett neuen VW Crafter angekündigt, den der Hersteller nach dem Ende der Kooperation mit Daimler (Sprinter) in Eigenregie entwickelt sowie fertigt und der auf der IAA Nutzfahrzeuge Premiere feiern soll.

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