Abgasmanipulation: VW will schnell Nachrüstlösung anbieten

Konzern arbeitet "mit Hochdruck an einer technischen Lösung". Auch VW Nutzfahrzeuge wohl betroffen. Mehrverbrauch unklar.
VW will "schnellstmöglich" eine Nachrüstlösung für seine Fahrzeuge anbieten, um die Normen zu erfüllen. / Foto: VW Nutzfahrzeuge
VW will "schnellstmöglich" eine Nachrüstlösung für seine Fahrzeuge anbieten, um die Normen zu erfüllen. / Foto: VW Nutzfahrzeuge
Johannes Reichel

Im Skandal um die manipulierten Abgaswerte bei Volkswagen will der Konzern jetzt schnell eine Nachrüstlösung präsentieren. Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung habe VW ein diesbezügliches Ultimatum des Kraftfahrt-Bundesamts in Flensburg akzeptiert. Termin sei der 7. Oktober. Bei Nichteinhaltung könne im schlimmsten Falle die Behörde die Zulassung entziehen. VW-Markenvorstand Herbert Diess hatte bereits am 25. September öffentlich erklärt, man arbeite mit "Hochdruck an einer technischen Lösung, die wir so rasch wie möglich dem Handel, unseren Kunden und der Öffentlichkeit präsentieren werden". Die Fahrzeuge, darunter wohl auch Typen der Marke VW Nutzfahrzeuge, seien einstweilen aber "technisch sicher und fahrbereit". Ziel sei es, "unsere Kunden schnellstmöglich zu informieren, damit ihre Fahrzeuge vollumfänglich den Vorschriften entsprechen", so Diess in einer Pressemitteilung.

Wie diese Lösung, deren Kosten Experten laut SZ auf 100 bis 200 Euro taxieren, aussehen könnte, ließ Diess allerdings offen. Auch, ob sich damit etwa der Kraftstoffverbrauch erhöhen würde. Üblicherweise steigen bei sinkenden Stickoxidwerten die CO2-Werte an, weil die Verbrennung weniger effizient abläuft. Ingenieure sprechen von einem Zielkonflikt. Bei neuesten Modellen der Euro-6-Norm und schon länger bei schweren Nutzfahrzeugen wird dieser Zielkonflikt mit Hilfe eines SCR-Abgasreinigungssystems stark verringert. Dieses System reduziert die Stickoxide im Nachgang mit Hilfe des Reduktionsmittels Harnstoff (Adblue), ist allerdings teuer und erfordert das Nachfüllen eines weiteren Betriebststoffes. Bei den neuesten Modellen von VW Caddy und VW Transporter kommt dennoch ausschließlich die SCR-Technik für die Erfüllung der Euro-6-Norm zum Einsatz, die der Hersteller nach eigenen Angaben sogar weitgehend kostenneutral zum Vorgänger umgesetzt haben will. Zudem ist in diesen Fahrzeuge eine komplett neu entwickelte Diesel-Motorenreihe EA288 verbaut, nicht der von den Manipulationen betroffene Typ EA189. Dieser kommt allerdings bei den VW Nutzfahrzeugen vor den gerade vollzogenen Modellwechsel zahlreich zum Einsatz.

Andere Hersteller wie Fiat setzen bei ihren leichten Nutzfahrzeugen auf sogenannte NOx-Speicherkatalysatoren, die ähnlich dem Rußpartikelfilter die Stickoxide auffangen und von Zeit zu Zeit abbrennen. Damit einher geht aber wie beim Rußfilter normalerweise ein leichter Verbrauchsanstieg. Zuletzt hatten etwa Fiat, Opel, Renault und Nissan ihre Strategie für Euro 6 bekannt gegeben und neue Modelle vorgestellt. Hier setzen die Hersteller bei den City-Vans auf einen NOx-Kat (Renault Kangoo, baugleich Mercedes Citan sowie Opel Combo, baugleich Fiat Doblo sowie Nissan NV200), ab der Kompaktklasse (2,8 Tonnen) auf SCR-Technik. Fiat hat angekündigt, auch beim schweren Ducato wahlweise eine preiswertere und in der Handhabung unproblematischere Lösung mit NOx-Speicherkat anzubieten, optional bei den Nutzfahrzeugen und obligatorisch bei den Personenvarianten eine SCR-Reinigung.

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