Abgasmessungen: Realistischeres Verfahren kommt stufenweise

Neue Abgastests auch auf der Straße zunächst nur als Ergänzung zum Labortest. Schadstoffausstoß darf mehr als doppelt so hoch liegen wie Laborwerte. Derzeit betragen die Abweichungen laut EU noch 400 Prozent.
Näher an der Realität: Der RDE-Zyklus muss mit umfangreichem mobilem Messequipment ermittelt werden, wie hier beim TUZ Pfungstadt eingesetzt. / Foto: TÜV Süd
Näher an der Realität: Der RDE-Zyklus muss mit umfangreichem mobilem Messequipment ermittelt werden, wie hier beim TUZ Pfungstadt eingesetzt. / Foto: TÜV Süd
Johannes Reichel

Die neuen Vorgaben für die Abgasmessung von Diesel-Pkw und leichten Nutzfahrzeugen durch die EU-Kommission sind jetzt in abgeschwächter Form beschlossen worden. Das teilte die EU-Kommission mit. Ein Expertengremium der EU-Mitgliedstaaten befürwortete den Vorschlag, die bisherigen NEFZ-Labormessungen mittelfristig durch das sogenannte Real Driving Emissions-Verfahren (RDE) zu ersetzen. Beim RDE werden die Abgaswerte unter realen Bedingungen ermittelt, etwa nach dem Zufallsprinzip beschleunigt und abgebremst. Allerdings haben die Experten des Technisches Ausschusses den ursprünglichen Vorschlag der Kommission stark modifiziert. So sollen die Straßenmessungen zunächst nur als Ergänzung zu den unrealistischen Labormessungen eingeführt werden und erst ab Herbst 2017 die Laborprüfungen komplett ersetzen. Ab September 2017 sollen neuzugelassene Fahrzeugtypen nur noch nach dem RDE gemessen werden. Sie dürfen für eine Übergangszeit bis 2019 noch mehr als doppelt so viele Abgase wie im Labor ausstoßen. Neuwagen werden ab September 2019 RDE-prüfpflichtig, ein Jahr später als von der EU-Kommission geplant. Die Übergangfrist wurde hier bis 2021 gewährt. Auch längerfristig werden die Prüfwerte in den Straßentests von Dieselfahrzeugen doppelt so hoch liegen dürfen wie im Labor. Für die Messung der Real Driving Emmissions ist das sogenannte PEMS-Verfahren ("Portable Emmission Measurement System") im Gespräch, das die mobile Erfassung der Abgaswerte ermöglicht. Bei schweren Lkw ist die reale Schadstoffmessung per PEMS bereits seit Einführung der Abgasnorm Euro VI Bestandteil der Typprüfung.

Elżbieta Bieńkowska, für Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU verantwortliches Kommissionsmitglied, stellte zu dem Beschluss fest: „Die EU ist sowohl die erste als auch bisher einzige Weltregion, in der diese belastbaren Prüfmethoden verbindlich eingeführt werden. Die Einigung der Mitgliedstaaten über die zulässige Abweichung zwischen einerseits den gesetzlichen, unter realen Fahrbedingungen gemessen Grenzwerten und andererseits den unter Laborbedingungen gemessenen stellt eine erhebliche Verringerung im Vergleich zur derzeitigen Differenz von durchschnittlich 400 Prozent dar." Der Verband der Automobilindustrie VDA hält die neuen RDE-Prüfverfahren für "äußerst ambitioniert". Sie stelle Automobilhersteller und Zulieferer vor "große technische und wirtschaftliche Herausforderungen". Es sei "bedauerlich und unverständlich, dass es im Vorfeld das eigentlich obligatorische Impact Assessment" nicht gegeben habe, erklärte VDA-Präsident Matthias Wissmann zu dem Beschluss.

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