Abgasskandal: Daimler weist Vorwürfe der Manipulation zurück

Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt wegen Verwendung illegaler Abschalteinrichtungen bei den auch in den Transportern Mercedes-Benz Sprinter und Vito verwendeten Motorbaureihen OM 642 und OM 651.
Im Visier: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt wegen Einbau illegaler Abschalteinrichtungen beim Motor OM451, der auch im Bestseller Sprinter eingesetzt wird. | Foto: Daimler
Im Visier: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt wegen Einbau illegaler Abschalteinrichtungen beim Motor OM451, der auch im Bestseller Sprinter eingesetzt wird. | Foto: Daimler
Johannes Reichel

Nach den schweren Vorwürfen der Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen den Daimler-Konzern auf eventuellen Einsatzes von illegalen Abschalteinrichtungen in Modellen zahlreicher Diesel-Baureihen, darunter möglicherweise auch die leichten Nutzfahrzeuge Sprinter und Vito, setzt sich der Konzern zur Wehr. Das Kraftfahrtbundesamt hatte auf Geheiß von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) angeordnet, entsprechende Modelle zu überprüfen. "Auf Basis der uns vorliegenden Informationen würden wir gegen den Vorwurf einer illegalen Abschalteinrichtung durch das KBA mit allen rechtlichen Mittelnvorgehen", ließ Daimler-Sprecher Jörg Howe am Freitag nachmittag verlautbaren. Die Regulierung der Abgasreinigung sei eine technisch und rechtlich hochkomplexe Frage, teilte der Autobauer laut DPA zudem mit.

Sollten die KBA-Prüfer den Vorwurf der Staatsanwaltschaft bestätigen, könnte das KBA einen Rückruf oder sogar den Entzug der Zulassung für die Fahrzeuge anordnen. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft geht nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung davon aus, dass Daimler fast ein ganzes Jahrzehnt lang, von 2008 bis 2016, in Europa und den USA Fahrzeuge mit einem unzulässig hohen Schadstoffausstoß verkauft haben könnte. Die Autos und Kleintransporter mit den Motoren OM 642 (3,0-l-V6-Common-Rail-Diesel) und OM 651 (2,1 l Common-Rail-Diesel) seien wegen einer Abschalteinrichtung auf den europäischen Markt nicht zulassungsfähig gewesen, zitiert die SZ aus dem Beschluss. Es bestehe die Gefahr einerStilllegungsverfügung. Betroffen wären schätzungsweise etwa eine Million Fahrzeuge.

Der Stuttgarter Konzern teilte grundsätzlich mit, man arbeite in Abstimmung mit den Behörden intensiv an Maßnahmen, um die Stickoxid-Emissionen bei Dieselfahrzeugen der Schadstoffklassen Euro 5 und Euro 6 Fahrzeugen weiter zu reduzieren. Direkte Anfragen des Recherchekollektivs von SZ, NDR und WDR, in welchen Modellen die betreffenden Motoren verbaut seien, beantwortete der Hersteller dem Zeitungsbericht nach nur mit der allgemeinen Feststellung: "Die Motoren dieser Familien unterscheiden sich technisch und sind auch aus Sicht der Zertifizierung differenziert zu betrachten. Abweichungen resultieren zum Beispiel aus unterschiedlichen Leistungsvarianten, Abgasstufen (EU5 oder EU6), unterschiedlichen Abgasnachbehandlungssystemen, Getriebevarianten (Schalter oder Automatik) sowie nicht zuletzt aus der Einbausituation im jeweiligen Fahrzeug".

Was genau in dieser Causa unter anderem auf die zahlreichen Transporterkunden zukommt, ist derzeit noch unklar. Dass es zu nachträglichem Entzug der Betriebserlaubnis kommt, ist eher unwahrscheinlich, das Verkehrsministerium hat diese Option auch schon als "nicht vorgesehen" bezeichnet. Vermutlich dürfte es zu der Anordnung von Rückrufen durch das KBA und in der Folge Nachbesserungen kommen.

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