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Abgasskandal: ZDF erhebt Verdacht gegen Renault

Politmagazin Frontal 21 ermittelt auffällig hohe Stickoxidemissionen im Realbetrieb selbst bei identischem Fahrprofil. Auch Daimler, BMW und manipulierter Volkswagen mit erhöhten Werten.
Nachgesetzt: Das ZDF ermittelte mittels mobilen Messeinrichtung PEMS - im Bild eine ähnliche Messvorrichtung des TÜV Süd - erstmals den Verbrauch im NEFZ-Zyklus-identischen Fahrprofil abseits des Rollenprüfstands. | Foto: TÜV Süd
Nachgesetzt: Das ZDF ermittelte mittels mobilen Messeinrichtung PEMS - im Bild eine ähnliche Messvorrichtung des TÜV Süd - erstmals den Verbrauch im NEFZ-Zyklus-identischen Fahrprofil abseits des Rollenprüfstands. | Foto: TÜV Süd
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Johannes Reichel

Das ZDF-Politmagazin Frontal 21 hat mit eigenen Messungen im Labor und auf der Straße den Verdacht gegen den Hersteller Renault möglicher Manipulationen erhärtet. Auch bei Euro-5-Diesel-Fahrzeugen der Hersteller Daimler und BMW ergaben sich deutliche Abweichungen zwischen Labor- und Realmessungen bei exakt der gleichen Fahrweise und dem gleichen Fahrprofil. Beim Renault Laguna DCI Euro 5 ermittelte die Abgasprüfstelle der Berner Fachhochschule eine Abweichung bei den Stickoxidwerten zwischen NEFZ-Labormessung und Zyklusfahrt auf der Straße um das 6,6-fache. Daimler und BMW emittierten im Straßenbetrieb bei gleicher Fahrweise das 2,7 und 2,8-fache der NEFZ-Werte, ein VW Passat mit Abschalteinrichtung das 3,7-fache der Zykluswerte.

"Bei gleicher Fahrweise, also bei gleicher Leistungsanforderung wie im Labor, müssten eigentlich ähnliche Abgaswerte herauskommen. Diese hohen Abweichungen sind physikalisch-chemisch nicht zu erklären", kommentierte Axel Friedrich, Umweltexperte und früherer Abteilungsleiter im Umweltbundesamt, das Ergebnis der Stichprobe gegenüber "Frontal 21". Ähnlich äußerte sich der stellvertretende Leiter der Berner Prüfstelle, Pierre Comte: Die festgestellten hohen Abweichungen seien erklärungsbedürftig.

Diese Erklärungen gegenüber "Frontal 21" fielen allerdings nur bedingt überzeugend aus. VW kritisierte laut Frontal 21 ebenso wie Daimler und BMW den Testaufbau und hält die Messergebnisse im Labor und auf der Straße für nicht vergleichbar. So herrschten auf der Straße andere Bedingungen als im Labor, so VW. Es gebe "Luftdruckveränderungen, Wetterverhältnisse oder unterschiedliche Fahrbahnbeschaffenheit". Daimler habe gegenüber dem ZDF angegeben, keine unzulässige Abschalteinrichtung zu verwenden: "Wie bereits mehrfach erklärt, kommt ein Defeat Device, sprich eine Funktion, die die Wirksamkeit des Abgasnachbehandlung unzulässig einschränkt, bei Mercedes-Benz nicht zum Einsatz", zitiert das TV-Magazin den Hersteller. Auch BMW bestreite den Verdacht und wird von Frontal 21 zitiert: "Bei der BMW-Group wird nicht manipuliert und wir halten uns (...) an die gesetzlichen Vorgaben." Und Renault konstatierte ebenfalls zum wiederholten Mal:"Renault täuscht nicht". Weiter habe der Hersteller gegenüber Frontal ausgeführt: "Unsere Fahrzeuge verfügen über keinerlei zusätzliche Vorrichtung, um Vorschriften zu umgehen. Renault respektiert die Vorschriften." Das Bundesverkehrsministerium habe auf Nachfrage von "Frontal 21" zu den auffälligen Ergebnissen der Abgasmessungen keine Stellung nehmen wollen.

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