Acatech-Studie: Lkw dominieren Wasserstoffanwendung im Verkehr

Acatech und Dechema präsentieren eine Analyse zum Wasserstoffeinsatz im inländischen Mobilitätsbereich. Fazit: Bis 2045 können bis zu 33 Prozent des Energiebedarfs des Verkehrssektors mit H2 gedeckt werden. Größter Abnehmer werde dabei der Schwerlastverkehr.

Den höchsten Anteil Wasserstoff wird der Schwerlastverkehr benötigen. Im Busverkehr und der Schifffahrt wird der Energiebedarf deutlich geringer sein. (Symbolbild: Pixabay)
Den höchsten Anteil Wasserstoff wird der Schwerlastverkehr benötigen. Im Busverkehr und der Schifffahrt wird der Energiebedarf deutlich geringer sein. (Symbolbild: Pixabay)
Johannes Reichel
(erschienen bei Transport von Nadine Bradl)

Wasserstofftechnologien spielen eine entscheidende Rolle für die Energiewende. Kurz vor dem Markthochlauf stellt sich jedoch die Frage, welche Rolle Wasserstoff in verschiedenen Branchen spielen wird. Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, Acatech, und die Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie, Dechema, führen im Rahmen des gemeinsamen Projektes Wasserstoff-Kompass eine Metaanalyse durch und erarbeiten unter anderem, wie unterschiedliche Studien und Szenarien den zukünftigen Einsatz von Wasserstoff in den einzelnen Sektoren prognostizieren. Nun veröffentlichten Acatech und Dechema eine Analyse zum Einsatz von Wasserstoff im inländischen Mobilitätssektor.

Schwerlastverkehr benötigt bis zu 80 Prozent des Wasserstoffs

Für die Metaanalyse zum Einsatz von Wasserstoff im inländischen Mobilitätssektor wurden insgesamt vier Studien miteinander verglichen. In den meisten Szenarien werden im Jahr 2045 zwischen 6 bis 33 Prozent des inländischen Endenergiebedarfes des Verkehrssektors durch Wasserstoff gedeckt. In Zahlen absoluten ausgedrückt bedeutet das: Im Jahr 2045 wird im Verkehrssektor Wasserstoff in einer Größenordnung von 25 bis 100 Terawattstunden verwendet, während der Gesamtenergiebedarf des Verkehrsbereiches 300 bis 400 Terawattstunden beträgt. 60 bis 80 Prozent des im Verkehr eingesetzten Wasserstoffs werden im Schwerlastverkehr benötigt. Auch im Busverkehr und in der Binnenschifffahrt kann der Einsatz von Wasserstoff anteilig sehr hoch sein, allerdings wird der Endenergiebedarf dieser Sektoren insgesamt gering sein.

E-Fuels für Luftverkehr und Schifffahrt

Im Jahr 2045 werden laut der untersuchten Szenarien 85 bis 150 Terawattstunden Wasserstoff darauf verwendet werden, E-Fuels herzustellen. Diese E-Fuels, also unter Einsatz von Wasserstoff erzeugte synthetische Kraftstoffe, werden primär im inländischen Luftverkehr und, in geringerem Maße, in der inländischen Schifffahrt zum Einsatz kommen. Auf deutschen Straßen werden E-Fuels lediglich dazu beitragen, Bestandsflotten sowie den Schwerlastverkehr auf der Langstrecke zu defossilisieren.

„Unsere Auswertung verschiedener Studien zeigt Einigkeit unter den Modellierern: Beim Großteil der Verkehrsanwendungen kommen zukünftig batterieelektrische Fahrzeuge zum Einsatz. Nur da, wo es technisch nicht möglich oder ökonomisch nicht sinnvoll ist, werden Wasserstoff und E-Fuels genutzt, die insbesondere auch für den klimaneutralen Betrieb der Bestandsflotten von Bedeutung sein werden“, erläutert Kurt Wagemann, Projektleiter Wasserstoff-Kompass bei der Dechema die Ergebnisse.

Sein Fazit: „Der Bedarf an reinem Wasserstoff wird im Verkehrsbereich von schweren Lkw dominiert.“

Die Publikation fasst weiterhin ein Roundtable-Gespräch zusammen, in dem im Frühjahr 2022 jeweils drei Fachleute aus der Wissenschaft, aus Unternehmen und aus Wirtschaftsverbänden sowie ein Experte des öffentlichen Dienstes über die Rolle von Wasserstoff im Verkehrssektor diskutierten. Weiterhin veranschaulicht die Publikation mithilfe von Grafiken, wie hoch der Energiebedarf im Verkehrsbereich sowie der Anteil der E-Fuels von verschiedenen Studien prognostiziert wird.

„Die meisten Szenarien gehen von einer drastischen Senkung des Endenergieverbrauchs in der Mobilität aus“, resümiert Andrea Lübcke, Projektleiterin Wasserstoff-Kompass bei Acatech. „Dies erklärt sich vor allem durch die stärkere Elektrifizierung im Pkw- und Lkw-Bereich und dem damit verbundenen deutlich höheren Wirkungsgrad.“

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