ADAC-Mobilitätsindex: Der Verkehr kommt nicht vorwärts

Der ADAC stellt mit dem Mobilitätsindex erstmals eine wissenschaftliche Gesamtanalyse vor. Demnach ist der Verkehr in Deutschland in den letzten Jahren nicht nachhaltiger geworden.

Woran es krankt: Zu viele Staus, zu inzuverlässig und mangelhafte Alternaitven zum Straßenverkehr. (Foto: Pixabay)
Woran es krankt: Zu viele Staus, zu inzuverlässig und mangelhafte Alternaitven zum Straßenverkehr. (Foto: Pixabay)
Johannes Reichel
(erschienen bei Transport von Christine Harttmann)

Im Verkehr wurden die positiven Entwicklungen in der Nachhaltigkeit von negative Entwicklungen kompensiert. Dies zeigt der neue ADAC Mobilitätsindex, den der ADAC in Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Partner Prognos entwickelt und vorgestellt hat. Danach hat Deutschland zwar leichte Fortschritte beim Umweltschutz und bei der Verkehrssicherheit gemacht. Rückschritte bei der Zuverlässigkeit der Verkehrssysteme hätten diese aber wieder zunichtegemacht, teilt der Verkehrsclub in einer Pressemeldung mit. Der Indexwert für die ganzheitliche Bewertung nachhaltiger Mobilität liege damit – wie bereits 2015, dem Basisjahr des Indexes – auch 2019 bei 100.

Mit seinem Mobilitätsindex stellt der ADAC eine wissenschaftlich basierte Bewertungsgrundlage zur Verfügung. Entwicklungen im Bereich der Mobilität erfasst sie anhand von 16 Leitindikatoren und weiteren 39 Indikatoren. Damit würde sie transparent, meint der ADAC. Nachhaltigkeit werde dabei umfassend verstanden und berücksichtige ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte. Der Mobilitätsindex soll diese durch die Dimensionen Verkehrssicherheit, Umwelt und Klima, Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit sowie Bezahlbarkeit abbilden.

Dabei zeigen sich im Bereich Klima und Umwelt seit 2015 Fortschritte. In dieser Bewertungsdimension werden unter anderem Treibhausgas-Emissionen, Luftschadstoffe, aber auch der Flächenverbrauch berücksichtigt. Der Teilindex kann sich hier auf 105 verbessern: Vor allem Luftschadstoffe und Lärmbelastungen konnten reduziert werden, während die Treibhausgas-Emissionen nicht gemindert wurden.

Bei der Verkehrssicherheit ist mit einem Teilindex von 101 nur eine leichte Verbesserung erkennbar. Zwar gibt es seit 2015 weniger Personenschäden zu beklagen, gleichzeitig passierten insgesamt aber mehr Unfälle, wodurch die positive Entwicklung überlagert wurde. Hauptursache für fehlende Fortschritte im Zeitverlauf seit 2015 ist eine deutliche Verschlechterung des Faktors Zuverlässigkeit. Straßenstaus sowie Verspätungen und Ausfälle auf der Schiene führen dazu, dass der Teilindex auf 83 abfällt.

„Mit nachhaltiger Mobilität lassen sich die Lebensqualität der Menschen und die Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen verbessern. Der neue ADAC Mobilitätsindex zeigt, dass sich das Verkehrssystem viel zu langsam in Richtung Nachhaltigkeit verändert. Schon um die erforderlichen Minderungen der CO2-Emissionen zu erzielen, muss sich der Wandel des Verkehrssystems erheblich beschleunigen", erklärte ADAC Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand dazu.

Die Verbraucher müssten ihr Mobilitätsverhalten ändern, so Hillebrand. Sie müssten dazu aber auch in der Lage sein. Ohne einen schnelleren Ausbau des öffentlichen Verkehrs, der Ladeinfrastruktur oder von Radwegen werde dies nicht gelingen. Der ADAC Mobilitätsindex mache diese Zusammenhänge transparent, sagt der ADAC Verkehrspräsident.

„Es muss gelingen, Mobilität weiterhin zu ermöglichen und gleichzeitig die großen gesellschaftlichen Ziele zu erreichen. Der Index zeigt, dass es in den vergangenen Jahren nicht gelungen ist, nachhaltige Mobilität voranzutreiben. Die Anstrengungen müssen deshalb ebenso erhöht werden wie das Tempo.“

Der ADAC Mobilitätsindex zeigt die Entwicklung nachhaltiger Mobilität in den fünf Bewertungsdimensionen auf der Bundesebene. Da sich die Entwicklung regional teilweise erheblich unterscheidet, wurden zusätzlich Indizes für die 16 Bundesländer gebildet und in Steckbriefen dargestellt. Ein Großteil der Daten wird aus öffentlich zugänglichen Statistiken gewonnen. Quellen sind unter anderem das Statistische Bundesamt, das Kraftfahrt-Bundesamt und das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung. 2019 ist der Datenstand für die Erstveröffentlichung des ADAC Mobilitätsindexes.

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