ADAC Truckservice: E-Nutzfahrzeuge sicher bergen

Welche Gefahren beim Bergen von Lkw mit E-Antrieb bestehen und was es genau zu beachten gilt, hat der ADAC Truckservice in einem Ratgeber zusammengefasst.

Keine größere Brandgefahrt geht laut ADAC von E-Lkw aus. | Foto: ADAC Truck Service
Keine größere Brandgefahrt geht laut ADAC von E-Lkw aus. | Foto: ADAC Truck Service
Johannes Reichel
(erschienen bei Transport von Anna Barbara Brüggmann)

Laut ADAC Truckservice sind E-Lkw nicht brandgefährdeter als Fahrzeuge mit herkömmlichem Antrieb, dem Pannenservice zufolge beurteilen Experten die Brandgefahr für Elektro-Lkw sogar als sehr niedrig. Was aber tun, wenn es zu einem Unfall kommt und die Gefahr besteht, dass der Akku Feuer fängt oder sich nach Tagen selbst entzündet? Ein Batteriebrand infolge eines Unfalls kommt dem ADAC Truckservice zufolge selten vor, bei Lithium-Ionen-Akkus bestehe prinzipiell die Gefahr, dass die Temperatur der Batterie steigt und zu immer wieder neuen Kurzschlüssen und weiteren Selbstzündungen führt, und sich ein zunächst gelöschter Brand immer wieder entzündet. Doch sind die Batterien in einem stabilen Gehäuse verbaut, sodass den Pannenhelfern zufolge ein Wiederentzünden nicht sehr oft vorkomme.

Brandursachen

Eine mögliche Ursache für einen Batteriebrand kann die Deformation des Akkus beispielsweise nach einer Kollision mit einem Baum sein. Zudem ist die Batterie mit zunehmendem Ladestand umso brandgefährdeter – also vor allem auch direkt an der Ladesäule, in vielen Fällen verursacht durch eine fertigungsbedingte Fremdkörpereinbringung. Schwierig zu beurteilen sei das Gefahrenpotenzial für einen möglichen Batterieschaden nach moderaten Unfällen, bei denen keine Deformation der Batterie ersichtlich ist. In einem solchen „unklaren Zustand“ bestehe prinzipiell die Gefahr eines Kurzschlusses, eventuell jedoch nicht sofort, sondern erst nach mehreren Tagen. Ein solches Fahrzeug sollte nach Möglichkeit nicht mehr gefahren werden, jede Erschütterung erhöhe das Risiko eines Kurzschlusses. Auch jeder andere Fahrzeugbrand, zum Beispiel durch brennende Reifen, schmorende Kabel oder einen Motorbrand könnten bei einem E-Fahrzeug auf die Batterie übergehen, jedoch zeitverzögert und nicht sofort. Bei Brandstiftung steigt die Gefahr laut ADAC Truckservice mit zunehmender Dauer der Löscharbeiten.

Regeln für den Pannenfall

Wie sollte man sich im Falle eines Unfalls mit einem E-Fahrzeug verhalten? Fahrer sollten beim Absetzen eines Pannenrufs darauf hinweisen, dass es sich um ein Fahrzeug mit Akku handelt und den Schaden detailliert beschreiben, damit entsprechend geschulte Pannenhelfer zum Einsatz geschickt werden können. Die Unfallstelle ist ordnungsgemäß zu sichern und es sollte ein ausreichender Abstand vom Fahrzeug eingehalten werden – nicht nur wegen eines möglichen Feuers, sondern auch weil gefährliche Dämpfe entstehen können. Logistikunternehmen sollte ihre Fahrer mit entsprechenden Merkblättern mit Informationen zur Fahrzeugnutzung sowie einer Hotline des Herstellers ausstatten. Die Bergung von Elektrofahrzeugen sollte durch speziell geschulte Fachkräfte erfolgen, die vor Ort entscheiden können, ob die Abschleppung eines Pannen- oder Unfallfahrzeugs problemlos möglich oder aufgrund eines Batterieschadens der Abtransport in einem speziellen Behälter erforderlich ist. Ein generelles komplettes Fluten des E-Fahrzeugs in einem Abrollbehälter sehen ADAC und deutscher Feuerwehrverband kritisch – vor allem für wenig beschädigte Fahrzeuge.

Lösungswege

Verschiedene Lösungsansätze werden gerade entwickelt, auch, um die Gefahr eines Brands während des Fahrzeug-Transports zu minimieren. Mit speziellen extrem hitzebeständigen Löschdecken könnte ein brennendes Fahrzeug direkt eingewickelt werden, um die Flammen zu ersticken und die Ausbreitung eines Brandes auf andere Fahrzeuge zu verhindern. Auch zur Sicherung der Fahrzeuge während des Transportes oder für die Quarantäne auf dem Gelände von Abschleppunternehmen und Werkstätten könnten sie verwendet werden. In der Entwicklung befindet sich ein thermisch isolierter Transportbehälter, der einem möglichen Fahrzeugbrand während des Transports standhält und nicht mit Wasser geflutet werden muss. Zusätzliche Filter könnten die Freisetzung von Brandgasen und schwermetallhaltigem Staub verhindern. Die ersten Prototypen wurden bereits produziert.

Sogenannte Löschlanzen, die in die Batterie eindringen und einen Eintrittspunkt für Löschwasser schaffen bergen einige Gefahren für die Feuerwehrleute – im Extremfall besteht das Risiko eines Stromschlags. Aus diesem Grund wird in Österreich eine Löscheinheit erprobt, der ähnlich wie ein Wagenheber zwischen Fahrzeug und Fahrbahn positioniert wird. Auf Knopfdruck sorgt dann ein Löschdorn dafür, dass das Batteriegehäuse durchstoßen und das Batterieinnere mit Wasser geflutet wird - ohne Gefahr für die Feuerwehr. Darüber hinaus sind verschiedene digitale Lösungsansätze in Entwicklung und bei einigen Herstellern in ähnlicher Form bereits im Einsatz. Erforscht wird, wie Sensoren in eine Batterie verbaut werden können, die ständig die Zustandsdaten messen und bei Abweichungen einen Alarm senden.

Richtlinien für Werkstätten

Werkstätten, zu denen Elektrofahrzeuge mit unklarem Batteriezustand gebracht werden, müssen unter anderem über eine ausreichend große Quarantänefläche verfügen, auf der das Fahrzeug zunächst einmal sicher abgestellt werden, damit ein später auftretender Brand nicht auf andere Fahrzeuge oder benachbarte Gebäude übergreifen kann. Für Arbeiten am Fahrzeug sollte ein Hochvoltschein der Klasse 2 vorhanden sein. Derzeit gibt es laut ADAC Truckservice noch keine klaren gesetzlichen Vorgaben für die Abschleppung von E-Fahrzeugen und den Umgang damit in den Werkstätten. Ein Expertenkreis will dem Pannenservice zufolge Bergerichtlinien für E-Fahrzeuge entwickeln und zudem regeln, über welche Versicherungen die Werkstätten verfügen sollten und welche Papiere vorgehalten werden müssen. Man plant, diese Regeln in Kürze zu veröffentlichen.

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