Alligator: Reifendruckkontrolle soll bei Graß Kosten senken

Silospedition rüstet komplette Flotte mit automatisiertem System sens.it nach. Datenübertragung per Mobilfunk. Ein Praxisbericht.
Alles unter Kontrolle: Die Spedition Edgar Graß fuhr Feldversuche mit dem neuen Alligator-Reifendruckkontrollsystem sens.it. | Foto: Alligator
Alles unter Kontrolle: Die Spedition Edgar Graß fuhr Feldversuche mit dem neuen Alligator-Reifendruckkontrollsystem sens.it. | Foto: Alligator
Johannes Reichel

Seit etwa drei Jahren befasst man sich bei der Silospedition Edgar Graß intensiv mit Reifendruckkontrollsystemen (RDKS) für Nutzfahrzeuge. Ein optimaler Reifendruck reduziert Kraftstoffverbrauch und CO2-Emission, Reifenverschleiß sowie -ausfälle, das ist den Beteiligten der Spedition längst klar. „Reifen sind ein hoher Kostentreiber. Dabei geht es nicht nur um die Anschaffung, sondern vor allem um Pannen. Wenn das Fahrzeug liegen bleibt, geht dies häufig mit Schäden am eigenen sowie an nachfolgenden Autos einher“, erklärt Geschäftsführer Alexander Kay Steinberg. Nach ersten, eher durchwachsenen Versuchen mit RDKS setzt Steinberg jetzt auf das jüngst präsentierte sens.it Reifenmanagment des Ventil- und Sensorik-Spezialisten Alligator, das sich zum damaligen Zeitpunkt noch in Feldphase befand. Die Spedition Graß begleitete sens.it HD also von den Erstversuchen bis hin zur Serienreife.

Sens.it HD besteht aus Sensoren, deren Befestigungsgurten, einem ‚Router‘ – der Empfänger- und Telematik-Einheit des System – und einer Management-Softwareplattform. Das System sei unkompliziert und schnell installiert, wirbt der Hersteller. Der Sensor wird vor der Reifenmontage mittels eines patentierten Befestigungsgurtes SAS („Sensor Attachment Strap“) auf der Felge befestigt. Die Daten wie Reifendruck und -temperatur, welche der Sensor misst, sendet er an den Router. „Dieser ist etwas aufwändiger zu montieren“, sagt Seelbach. Bei der bei Graß‘ eingesetzten ‚Fahrzeug-Variante‘ verbaut der Monteur diesen einmalig an jedem Fahrzeug. Seelbach benötigt dafür etwa zwei Stunden. Die empfangenen Reifendaten überträgt der Router über eine Mobilfunkverbindung zum Host, einem zentralen Rechner. Zugmaschine und Auflieger beziehungsweise Anhänger behandelt das System als individuelle Fahrzeugeinheiten. Diese sens.it HD-Version sei ideal für die Langstreckenlogistik, Leasingfahrzeuge, hook-and-drop-Einsätze sowie für Zugmaschinen und Trailer mit unterschiedlichen Besitzern. Bei der „Gate-Variante“ werden am Fahrzeug selbst ausschließlich die Sensoren verbaut. Der erforderliche Router sitzt dann stationär an einer Stelle des Betriebshofes, an der sich die Fahrzeuge regelmäßig aufhalten, beispielsweise an der Tankanlage. Die Schleife löst bei Überfahrt die Datenübermittelung der verbauten Sensoren aus. Diese Variante kommt insbesondere für die Kurzstreckenlogistik, Busfahrparks sowie kommunale Fahrzeuge, welche mehrmals täglich aufs Betriebsgelände zurückkehren, in Frage. In einem cloudbasierten Datenbanksystem werden die Reifendaten hinterlegt. Der Flottenbetreiber oder Fuhrparkmanager kann diese über die zum System gehörige Management-Softwareplattform jederzeit und überall online abrufen. [pagebreak]

„Anfangs war die Plattform etwas kompliziert. Aber durch die eingearbeiteten Vereinfachungen ist sie jetzt nach kurzer Zeit zu kapieren, selbst wenn man kein Computerfreak ist“, berichtet Georg Seelbach, Werkstattleiter. Die Plattform managt die komplette Fahrzeug- und Hardwareverwaltung, wie auch die Zuordnung der Sensoren und Routern sowie die erforderlichen Soll- und Schwellwerte für die Reifenüberwachung. Auf Wunsch erstellt das System Analysen, Statistiken und Servicelisten. Bei Grenzwertüberschreitungen des Reifendrucks oder der Temperatur wird eine Alarmmeldung ausgelöst. Diese erhält der Fuhrparkleiter als Alarm-E-Mail oder wird direkt am optionalen Fahrerdisplay angezeigt. Letzteres stellt eine unmittelbare Information des Fahrers, auch bei nicht vorhandenem Mobilfunknetz sicher, da das Display direkt mit dem Router verkabelt ist. Außerdem ermöglicht es eine ‚funktechnische‘ Koppelung zum Router der gezogenen Fahrzeugeinheit, so dass der komplette Zug überwacht wird. Inzwischen rüstet Graß neben seinen Testfahrzeugen die restliche Flotte mit sens.it HD aus.

Er hat sich momentan für die ‚Fahrzeug-Variante‘ ohne Fahrerdisplay entschieden. Auf das Fahrerdisplay verzichtet er derzeit bewusst. „Das verschafft mir einen Überblick darüber, wie die Fahrer mit dem Luftdruck umgehen. Zudem ist die Anschaffung der Displays eine Kostenfrage, aber eine Nachrüstung ja jederzeit möglich.“ Für die ‚Gate-Lösung‘ kommen seine Fahrzeuge zu selten auf den Hof. Zeigt die Software einen auffälligen Reifendruck auf, greifen Steinberg oder seine Werkstattmitarbeiter zum Telefon und informieren den entsprechenden Fahrer über die Meldung. Doch das reicht noch nicht aus. Den Fahrern die Bedeutung der Temperaturkompensation wirkungsvoll zu erklären sei eine Herausforderung. Dass bei manueller Reifendruckprüfung bei heiß gefahrenen Reifen etwa 1,5 bar zu viel anzeigt werden, ist noch nicht bei allen angekommen. Daher teilt Steinberg dem Fahrer direkt mit, wie viel Luft er auffüllen muss.

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