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ARS Altmann realisiert ersten vollelektrischen Standard-Autotransporter mit Scania

Bis zu acht Pkw vollelektrisch verfrachtet: Automobillogistik hat einen Scania P 25 Autotransporter als Standardautotransporter umgesetzt, ohne Überlänge oder Überhöhe.

Der erste seiner Art: der vollelektrische Scania Standard-Autotransporter. (Bilder: Scania)
Der erste seiner Art: der vollelektrische Scania Standard-Autotransporter. (Bilder: Scania)
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Johannes Reichel
(erschienen bei Transport von Nadine Bradl)

Der Automobillogistiker ARS Altmann weiß, was die Fahrzeugbranche bewegt – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn das Dienstleistungsunternehmen mit Hauptsitz im bayerischen Wolnzach gehört zu den größten Betrieben der Branche in Privatbesitz. Täglich transportieren 650 Spezial-Lkw Autos aller Art. Hinzu kommen Transporte per Bahn. Jährlich sind es insgesamt 2,5 Millionen Fahrzeuge, die der Speziallogistiker von A nach B befördert.

Dass die Transportbrache immer stärker auch mit Nachhaltigkeitszielen verbunden ist, ist sich ARS Altmann bewusst und hat den Code of Conduct im Unternehmen etabliert. Umweltschutz und Nachhaltigkeit gehören hier ganz klar zu den Werten wie Fairness, Gleichbehandlung und Gesundheits- und Arbeitsschutz, für die der Speziallogistiker steht.

„Im Rahmen der Öko-Strategie der ARS Altmann gibt es ein großes Ziel, nämlich die CO2-Neutralität bis 2030. Damit ist es nur eine logische Konsequenz, in fast allen unseren Tätigkeitsbereichen, also insbesondere im Lkw-Transport, so viel CO2-Emissionen wie möglich zu vermeiden“, sagt Wolfgang Ketterle, COO und Vorstandsmitglied der ARS Altmann AG.

Das Nachhaltigkeitskonzept der ARS Altmann AG setzt sich aus den drei Schwerpunkten Straße, Schiene und Stützpunkte zusammen und funktioniert wie ein Ökosystem. Die Langstreckentransporte über 300 Kilometer werden im „ARS-Ecosystem“ auf den firmeneigenen Bahnwaggons umgesetzt. Ein großes Photovoltaik-Projekt, welches die Überdachung der Firmengelände mit Carports beinhaltet, rundet das Konzept ab, da auf diese Weise ausreichend Strom für den Betrieb mehrerer E-Lkw-Flotten erzeugt wird. Ein mobiles Speicher-Konzept, welches ebenfalls aus diesen Anlagen gespeist wird, ermöglicht den flexiblen E-Lkw-Einsatz an verschiedenen Orten, auch wenn die öffentliche Infrastruktur nicht ausreichend entwickelt ist.

Neu in der Flotte

Bei der Umsetzung dieser Nachhaltigkeitsziele unterstützt seit Jahresanfang auch ein besonderes Fahrzeug die Flotte: der weltweit erste vollelektrische Standard-Autotransporter Scania P 25 mit einem Kässbohrer-Aufbau und Anhänger. Der Motorwagenaufbau Modell Metago, Typ M4, ist für den alltagstauglichen Praxiseinsatz seitens Kässbohrer konzipiert und an die Anforderungen eines E-Lkw angepasst worden.

„Das für den vorrangigen Distributionsverkehr gewählte Aufbaumodell Metago M4 zeichnet sich durch eine besonders einfache, sichere und schnelle Be- und Entladung der Pkw aus. Durch das geringere Aufbaugewicht bei diesem Modell konnte auch eine effektive Nutzlast von deutlich über 8 Tonnen am Motorwagen umgesetzt werden“, erklären Ing. Horst Fössl und Dr. Markus Guggenbichler, die Projektverantwortlichen bei Kässbohrer, die Details.

Durch eine sehr kompakte Batterieanordnung einerseits und die Integration des elektrischen Nebenantriebs innerhalb des Chassis-Rahmens andererseits, konnte die für Fahrzeugtransporter besonders wichtige niedrige Rahmenhöhe realisiert werden. Innovationen an der Elektroanlage des elektrohydraulischen Kässbohrer Anhänger Modell Intago Typ tt ermöglichen einen optimierten Betrieb durch den elektrischen Nebenantrieb (E-PTO) und damit einen minimalen Energieverbrauch der hydraulischen Anlage. Aufbau und Anhänger erreichen eine Gesamt-Nutzlast von über 19.700 Kilogramm.

„Mit diesem Lkw können bis zu acht Pkw transportiert werden, und zwar ohne Überlänge oder Überhöhe. Mit einem Gesamtzuggewicht von maximal 42 Tonnen ist der Elektro Scania in weniger als 90 Minuten bei maximal 130 kWh (CCS 2) voll aufgeladen“, erläutert Thiemo Freyer, Produktmanager Elektromobilität bei Scania, die Vorteile.

Die zusätzlichen Gewichte des elektrischen Antriebstrangs wirken sich nicht auf den Einsatz aus. Durch den Wegfall des Verbrenner-Motors werden sie vollkommen ausgeglichen. Die ab Werk verbaute vollintegrierte Vorlaufachse verfügt über einen eigenen Bremskreis. Dies wirkt sich wiederum positiv auf den Reifenverschleiß aus. Eine weitere Besonderheit ist der im Display für den Fahrer jederzeit ablesbare Achsdruck der Vorlaufachse.

Diese und noch weitere Vorteile am Fahrzeug sieht auch Alberto Picco, Vertriebsvorstand bei ARS Altmann: „Mit einem sinnvollen Mix aus Verbrennungsmotoren und Elektroantrieben unterstreichen wir unser Selbstverständnis als modernes und innovatives Unternehmen und den Willen, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Denn moderne und zukunftsweisende Technik macht es unter anderem auch attraktiv, Teil der ARS Altmann Familie zu sein. Darüber hinaus können wir mit einem solchen Ansatz auch die anspruchsvollen Ziele der Automobilhersteller bei der Reduzierung der CO2-Emissionen unterstützen.“

Der 230 kWh beziehungsweise 2.200 Nm starke Scania P 25 BEV wird bei ARS Altmann im Verteilerverkehr eingesetzt. Mit einer maximalen Zuladung von fast 10 t (ohne Anhänger) bei einer Achslast von 18,5 t steht der vollelektrische Autotransporter den dieselbetriebenen Standard-Fahrzeugen in nichts nach. Alberto Picco präzisiert das angestrebte Einsatzprofil des elektrifizierten Neuzugangs der Flotte:

„Der künftige Einsatzbereich sind Kurz- und Mittelstreckentransporte in einem Radius von etwa 100 und bis zu 150 Kilometer. Innerhalb unseres Portfolios gibt es konkrete Möglichkeiten, wo wir Schichtmodelle anstreben, um dieses wertvolle Gut so produktiv wie möglich zu nutzen.“

Dabei werden Pkw beispielsweise von der Produktion zum Lagerplatz transportiert. 

Am Ziel angekommen, kann während des Ent- und Beladevorgangs die Lkw-Batterie auf 100% aufgeladen werden. Die nächste Tour startet dann wieder mit voller Batteriekapazität.

„Scania ist der führende Hersteller umweltfreundlicher, alternativer Antriebsarten in der Nutzfahrzeugbranche. Wir unterstützen unsere Kunden sowohl mit rein elektrischen Fahrzeuglösungen als auch mit der notwendigen Ladeinfrastruktur sowie Services. Damit bietet Scania ein umfassendes Leistungsspektrum, um den Umstieg zur Elektromobilität erfolgreich zu meistern“, fasst Christian Hottgenroth, Direktor Verkauf Lkw Scania Deutschland Österreich, das Portfolio von Scania zusammen.

Mitarbeiterbindung durch Innovationen und Diversifizierung des Fuhrparks

Für die Fahrer bei ARS Altmann ist der weltweit vollelektrische Standard-Autotransporter eine Besonderheit. Während von außen die Optik und die Größe nahezu identisch sind, merkt man spätestens beim Starten des Motors den Unterschied zu einem Diesel. Leise und doch enorm durchzugsstark präsentiert sich der Neuling. Und auch die Vorstände bei ARS Altmann sehen im vollelektrischen Autotransporter ein positives Zeichen für die Fahrer. Das Engagement in Bezug auf nachhaltige Transporte wirke sich positiv auf die Mitarbeiterbindung aus.

„Im täglichen Einsatz werden die offensichtlichen Vorteile der geringen Geräuschemissionen und des hohen Drehmoments von den Fahrern sehr geschätzt“, berichtet Wolfgang Ketterle. Dies bestätigt auch Manfred Rakoczi, Mitarbeiter technische Qualität und einer der ersten Fahrer des Scania P 25 BEV bei ARS Altmann. „Die ersten Eindrücke vom Auto sind gewaltig! Das Fahrverhalten ist sehr gut und gegenüber dem Diesel ist er spritzig. Vom Geräuschpegel in der Kabine ist er einmalig.“

Für ARS Altmann ist die Auslieferung und der Einsatz des ersten elektrischen Scania Standard-Autotransporters ein weiterer Meilenstein zur Diversifizierung des Fuhrparks hin zu alternativen Antrieben. Weitere damit einhergehende Aspekte, wie Ladelösungen und Stromquellen sind wichtige Pfeiler der Nachhaltigkeitsstrategie.

„Scania ist schon seit langem ein guter Partner. Mit dieser neuen E-Lkw-Erfahrung setzen wir unsere bisherige Zusammenarbeit fort. Die gemeinsame Arbeit an diesem Pilotprojekt intensiviert unsere Beziehung“, sagt Alberto Picco.

Wolfgang Ketterle ergänzt: „Eine moderne Lkw-Flotte ist ein wichtiger Pfeiler unserer Strategie, um den gesamten Bedarf an Transporten von Fertigfahrzeugen und Dienstleistungen abzudecken. Als einer der größten Dienstleister in Europa mit mehr als 3.000 eigenen Eisenbahnwaggons und einer hohen Dichte an Lagerflächen wollen wir die Dinge zu Ende denken und uns auf zukünftige Herausforderungen vorbereiten. Wir gehen damit unseren Weg für eine moderne und verantwortungsvolle Zukunft weiter.“

Das gemeinsame Pilotprojekt wird im Rahmen der Richtlinie über die Förderung von leichten und schweren Nutzfahrzeugen mit alternativen, klimaschonenden Antrieben und dazugehöriger Tank- und Ladeinfrastruktur (KsNI) mit insgesamt 188.000 € durch das Bundesministerium für Digitales und Verkehr gefördert. Die Now GmbH fungiert als Koordinator bei der Umsetzung der Förderrichtlinie. Anträge werden durch das Bundesamt für Logistik und Mobilität bewilligt.

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