Auto-ID: Scania optimiert Ersatzteillieferungen per RFID

Das zentrale Ersatzteil-Vertriebszentrum von Scania versorgt Nutzfahrzeugkunden weltweit. Ein passives RFID-System soll die manuellen Prozesse effizienter machen.

RFID optimiert die Lagerprozesse im Ersatzteilvertriebszentrum von Scania in Belgien. | Bild: Mieloo & Alexander
RFID optimiert die Lagerprozesse im Ersatzteilvertriebszentrum von Scania in Belgien. | Bild: Mieloo & Alexander
Tobias Schweikl

Der schwedische Lkw-Hersteller Scania hat in seinem zentralen Ersatzteil-Vertriebszentrum in Opglabbeek, Belgien, ein passives UHF-RFID-Ortungssystem im Einsatz. Im Scania Parts Center lagern auf gut 12.000 Quadratmetern mehr als 100.000 verschiedene Ersatzteile. 600 Mitarbeiter bearbeiten rund 26.500 Bestellungen pro Tag, die anschließend an die regionalen Ersatzteilzentren und Distributoren weltweit sowie an europäische Händler und Distributoren der Marke Scania versandt werden.

Das neue Ortungssystem stammt vom Anbieter Mojix Inc. und soll helfen, diese Prozesse effizienter zu gestalten. Verantwortlich für Design, Bau und Implementierung des Projekts ist Mieloo & Alexander. Das Unternehmen entwickelte die RFID-Applikationen, rollte das Mojix-System aus und verantwortet das Projektmanagement. Außerdem betreut das Support-Team von Mieloo & Alexander das System.

Das RFID-System soll die Abläufe für die Mitarbeiter verbessern, indem es den Zielort der Transportgüter (Kolli) angibt, sobald diese das Export-Versandlager erreichen. So sollen alle Artikel einer Lieferung so nahe wie möglich an der Laderampe platziert werden. Da die Pakete oft verschiedenste Ersatzteile enthalten und unterschiedliche Größen und Maße aufweisen, reicht der Platz vor der Laderampe nicht immer aus. Das RFID-basierte Echtzeit-Ortungssystem, das die Arbeiter während der Beladung über den Lagerort zugehöriger Stückgüter informiert, träge zur Beschleunigung des Vorgangs bei, heißt es.

Die „STAR-Phased-Array“-Antenne des passiven UHF-RFID-Ortungssystems deckt den gesamten Exportversandbereich ab und ist imstande, passive UHF-Tags über 200-Meter-Entfernung mithilfe von Anreger- bzw. Mojix-Antennen zu lokalisieren. Diese RFID-Antennen sind an den drei Eingangstoren zum Versandbereich verbaut und überwachen alle Kollibewegungen in den und aus dem Bereich heraus. Ein Netz aus 128 dieser Antennen (4 × 4 Meter, in 5 Metern Höhe) deckt das ganze Versandareal ab, um die gelagerten Packstücke zu lokalisieren. Zur Erfassung der Bewegungen an den sechs Laderampen sind ebenfalls RFID-Antennen installiert.

Die Transportgüter werden wie bisher ausgewählt und verpackt. RFID-/Barcode-Drucker vom Typ „ToshibaTec“ erzeugen das Barcode-Etikett und beschreiben einen „Smartrac Frog 3D“-RFID-Transponder, der in den Barcode-Etiketten enthalten ist. Verpackte und etikettierte Kolli werden dann von Gabelstaplern abgeholt und zum Exportversandbereich gefahren. Die Antennen an den Eingangstoren aktivieren die Transponder auf den Staplern sowie einen RFID-Transponder, der den jeweiligen Gabelstapler identifiziert.

Ortung beim Wechsel der Lagerbereiche

Die STAR-Antenne lokalisiert die Tags und bestimmt den Übergang der Packstücke vom Exportbereich zur Kommissionierfläche. Gleichzeitig zeigt die RFID-Anwendung auf dem Gabelstapler dem Mitarbeiter über ein Terminal die jeweiligen Versandziele und Abstellbereiche an. Das RFID-System lokalisiert nun jedes einzelne Stückgut. Sollten die Transportgüter für eine Lieferung nicht als Ganzes in dem vorgesehenen Lagerbereich gruppiert werden können (weil beispielsweise während der Kommissionierung nicht ausreichend Lagerfläche vorhanden war), kann der Vorarbeiter die Umbau-Applikation einsetzen, um dem Gabelstaplerführer anzuzeigen, welche Paletten zur Optimierung des Ladevorgangs umgeräumt werden sollen.

Stehen schließlich alle Kolli für eine Lieferung auf den entsprechenden Kommissionierplätzen bereit, wird die Verladung freigegeben. Jetzt kann der Mitarbeiter über das RFID-Programm auf dem Staplerterminal die zugehörige Laderoute auswählen. Wurde eine falsche Route gewählt, erscheint eine Fehleranzeige. Ebenfalls angezeigt wird, wenn Packstücke vom Kundenservice noch nicht freigegeben sind oder ein ADR-Code für Gefahrgut eine spezielle Abwicklung vorschreibt. Sollten Artikel nicht gefunden werden, können die Mitarbeiter die Kolli-Suchfunktion zum Orten fehlender Güter nutzen.

Die Erfassungsrate der RFID-Systeme an den Rampen beträgt laut Mieloo & Alexander 99,8 Prozent. Darin eingeschlossen seien rund 15 Prozent der Artikel, die nicht mit dem Stapler transportiert werden können und manuell in die Lkws getragen werden müssen.

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