Autonomes Fahren: Münchner Norden wird Teststrecke und Lieferzone

Pilotprojekt unter Beteiligung von UPS im Norden Münchens soll im Realbetrieb Daten sammeln, wie sich automatisiertes Fahren und Digitalisierung auf das Verkehrsgeschehen auswirkt.

Autonom und geräumig: Der e.GO-Mover bietet Platz für 15 Passagiere und sollte im April an den Start im Olympia-Gelände gehen. | Foto: MVG
Autonom und geräumig: Der e.GO-Mover bietet Platz für 15 Passagiere und sollte im April an den Start im Olympia-Gelände gehen. | Foto: MVG
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Der grün-rote Münchener Stadtrat will das autonome Fahren vorantreiben und hat ein Pilotprojekt zum Beschluss vorgelegt, das im Norden der Landeshauptstadt und über die Grenzen hinaus ein Testfeld etablieren soll. Nach dem Plan werden im Rahmen des Forschungsprojekts "Tempus" automatisierte und vernetzte Fahrzeuge unter realistischen Bedingungen erprobt. Das Vorhaben, dessen Abkürzung für "Testfeld München - Pilotversuch Urbaner automatierter Straßenverkehr" steht, soll bereits Anfang 2021 starten und bis 2023 fortgesetzt werden. Gebündelt werden unter der Ägide der Stadt dabei die Kompetenzen von zwölf Projektpartnern, darunter die TU München, der Autohersteller BMW, die Stadtwerke sowie der Freistaat Bayern. Bereits im Januar hatte die SWM-Tochter MVG einen Test mit einem e.GO-Mover des zwischenzeitlich insolventen Aachener Start-up-Unternehmens auf einem begrenzten Areal angekündigt.

Leitende Fragestellungen sind, wie sich das autonome Fahren auf den Verkehr auswirkt, wie die Sicherheit ist und wie hoch die Akzeptanz bei "nicht-motorisierten" Verkehrsteilnehmern ist. Dafür seien Versuche im Realverkehr unerlässlich, zu denen etwa auch ein autonomer ÖPNV sowie ein automatisierter Lieferverkehr gehören soll. Zu den Partnern zählt daher auch der US-Logistikdienstleister UPS. Vorraussetzung ist die Aufrüstung der Infrastruktur, etwa mit vernetzten Ampeln.

Chancen der Digitalisierung eruieren

Neben den Potenzialen der Automatisierung erhofft man sich auch Erkenntnisse, wie die Digitalisierung zur Entspannung im Stadtverkehr beitragen kann. Dafür sollen Verkehrsdaten in Echtzeit erhoben werden und diese in die IT-Systeme der Stadt integriert werden. Eine Kameraüberwachung kommt aber wohl aus Kosten- und Datenschutzgründen nicht in Frage. Erwogen wird, die Daten der Navigationsdienstleister zu integrieren sowie zeitlich begrenzte Einflüsse wie Baustellen oder Unfälle. Alle Erkenntnisse könnten dann in Prognosen münden, die Verkehrsvorhersagen für die kurze Frist ermöglichen würden. In der Überlegung ist auch eine Steuerung der Ampeln über künstliche Intelligenz, wobei das Kreisverwaltungsreferat hier eine Beeinträchtigung der Vorfahrt für den ÖPNV befürchtet. Zudem ist die aktuelle Signaltechnik nicht auf dem Stand, diese Technologie zu implementieren.

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