Werbung
Werbung

BGL-Analyse: Explodierende Kosten drücken Quartalsergebnis

Die BGL-Konjunkturanalyse sieht wenig Grund zur Freude: Das Transportgewerbe kämpft weiter mit steigenden Kosten und blickt teils düster ins nächste Halbjahr.

Hohe Kosten, die nur teilweise in den Frachtpreisen weitergegeben werden können. Ein Problem, dass das Transportgewerbe auch im 3. Quartal beschäftigte. (Symbolbild: Pixabay)
Hohe Kosten, die nur teilweise in den Frachtpreisen weitergegeben werden können. Ein Problem, dass das Transportgewerbe auch im 3. Quartal beschäftigte. (Symbolbild: Pixabay)
Werbung
Werbung
Johannes Reichel
(erschienen bei Transport von Nadine Bradl)

Der Bundesverband Straßengüterverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) befragte für seine Konjunkturanalyse über das 3. Quartal 2022 insgesamt 398 Unternehmen, 220 (= 55,3 Prozent) antworteten. Im deutschen Transportlogistikgewerbe war im Berichtsquartal die wirtschaftliche Lage erneut geprägt von diversen Kostenexplosionen. Diese konnten jedoch nur zum Teil in den Frachtpreisen weitergegeben werden, auch wenn das Statistische Bundesamt einen Anstieg der Frachtpreise im 3. Quartal 2022 um 14,9 Prozent zum Vorjahresquartal meldete. So fiel denn auch der Geschäftslage-Saldo (= Durchschnitt aus Umsatz- und Betriebsergebnis-Saldo) gegenüber dem Vorquartal von +9½ auf –½ Prozentpunkte (siehe unten). Die Erwartungen für das dem Berichtsquartal folgende Halbjahr sind teils erheblich negativer als im Vorquartal wie auch im Vorjahresquartal.

Im Vergleich zum Vorquartal reduzierten im 3. Quartal 2022 gut 13 Prozent aller befragten Betriebe ihre Fuhrparkkapazität, nur 4½ Prozent erhöhten sie. Bei 14 Prozent der Unternehmen sanken im Berichtszeitraum im Vergleich mit dem Vorquartal die Umsätze, bei 24 Prozent stiegen sie. 23½ Prozent der Unternehmen bewerteten im 3. Quartal 2022 ihr Betriebsergebnis als schlecht, lediglich 13 Prozent als gut. Die Fahrzeugauslastung sank bei 12½ Prozent der Betriebe, bei 9 Prozent stieg sie. Im Berichtsquartal ging bei 15½ Prozent der Fahrpersonalbestand zurück, bei nur 9½ Prozent erhöhte er sich.

88 Prozent der befragten Firmen kämpften im 3. Quartal 2022 mit gestiegenen Gesamtkosten, 69½ Prozent mit höheren Personalkosten, 79½ Prozent mit gestiegenen Fahrzeugkosten und 73 Prozent mit erhöhten Treibstoffkosten. Fast jeder sechste Betrieb war mit einer gesunkenen Zahlungsmoral seiner Kunden konfrontiert.

Kostenentwicklung: Saldo immer noch im Extrembereich

Der Saldo der Gesamtkostenentwicklung sank im 3. Quartal 2022 minimal von +91½ Prozentpunkten (Pp) im Vorquartal auf jetzt +86 Pp. Dabei sank der Anteil der Betriebe mit gestiegenen Gesamtkosten von 92 Prozent im 2. Quartal 2022 auf jetzt 88 Prozent; der Anteil der Betriebe mit gefallenen Gesamtkosten erhöhte sich von ½ Prozent auf 2 Prozent. Höhere Personalkosten verzeichneten 69½ Prozent (im Vorquartal 68½ Prozent), 79½ Prozent (im Vorquartal 82 Prozent) gestiegene Fahrzeugkosten und 73 Prozent (im Vorquartal 85½ Prozent) erhöhte Treibstoffkosten.

Für das dem Berichtsquartal folgende Halbjahr erwarteten nach im Vorquartal 82 Prozent jetzt 81 Prozent der Betriebe steigende Gesamtkosten und nach ½ Prozent im Vorquartal nun 1½ Prozent sinkende (Saldo = +79½ Pp; im Vorquartal: +81½ Pp). 74½ Prozent (im Vorquartal 77 Prozent) der Unternehmen erwarteten höhere Personalkosten, 68½ Prozent (72½ Prozent) steigende Fahrzeugkosten und 57½ Prozent (im Vorquartal 63 Prozent) erhöhte Treibstoffkosten.

 

Betriebsergebnisse: Saldo mit dem drittschlechtesten Wert für ein 3. Quartal seit acht Jahren

Der Betriebsergebnis-Saldo stieg im 3. Quartal 2022 zwar von –15½ Prozentpunkten (Pp) auf –10½ Pp, dennoch war dies der drittschlechteste Wert für ein 3. Quartal seit acht Jahren. Wie im Vorquartal bewerteten auch im Berichtsquartal 13 Prozent der befragten Unternehmen ihr Betriebsergebnis als gut und 23½ Prozent – nach 29 Prozent im Vorquartal – als schlecht. Im gleichen Vorjahresquartal lag dieser Saldo bei –14 Pp.

Der Betriebsergebnis-Prognosewert für das dem Berichtsquartal folgende Halbjahr sank im 3. Quartal 2022 gegenüber der Prognose aus dem Vorquartal von –20 Pp auf –27 Pp. Optimistische Erwartungen hegten im Berichtsquartal nur noch 7½ Prozent (im Vorquartal 10½ Prozent), pessimistische dagegen 34½ Prozent (nach 31 Prozent im 2. Quartal 2022). Vor einem Jahr lag dieser Prognose-Saldo noch bei –22½ Pp.

Umsätze: Saldo bricht massiv ein

Der Umsatz-Saldo stürzte im 3. Quartal 2022 trotz der vielen Kostenexplosionen und deren teilweise Weitergabe (laut Statistischem Bundesamt stiegen die Frachtpreise im 3. Quartal 2022 gegenüber dem Vorjahresquartal um 14,9 Prozent) von +34½ Prozentpunkten (Pp) im 2. Quartal 2022 auf jetzt +9½! Im Berichtsquartal waren die Umsätze bei 24 Prozent (nach 45 Prozent im Vorquartal) der befragten Unternehmen gestiegen; gefallen waren sie – nach 10½ Prozent im Vorquartal – bei 14 Prozent. Im gleichen Vorjahresquartal lag der Wert des Umsatz-Saldos bei +10½ Pp.

Der Prognosewert zu den Umsatzerwartungen für das dem Berichtsquartal folgende Halbjahr stürzte gegenüber demjenigen aus dem Vorquartal weiter von +21½ Pp im 1. Quartal 2022 über +1 Pp im 2. Quartal 2022 auf jetzt nur noch –19½. Nur noch 12 Prozent (im 2. Quartal 2022: 19½ Prozent) erwarteten steigende Umsätze, dagegen prognostizierten – nach 18½ Prozent im Vorquartal – 31½ Prozent sinkende Umsätze. Vor Jahresfrist lag dieser Saldo noch bei –½ Pp.

 

Fahrzeugauslastung: Saldo erstmals seit anderthalb Jahren wieder negativ

Im 3. Quartal 2022 stürzte der Fahrzeugauslastungs-Saldo nach +15 Prozentpunkten (Pp) im Vorquartal auf jetzt –4 Pp und damit auf den schlechtesten Wert seit anderthalb Jahren. Bei 9Prozent der befragten Unternehmen war die Auslastung im Vergleich zum Vorquartal gestiegen (nach 23 Prozent im 2. Quartal 2022), gesunken war sie stattdessen bei 12½ Prozent (im Vorquartal bei 8½ Prozent). Im gleichen Vorjahresquartal lag dieser Saldo noch bei +12 Pp.

Der Saldo zur erwarteten Fahrzeugauslastung für das dem Berichtsquartal folgende Halbjahr fiel gegenüber der Prognose aus dem 2. Quartal 2022 sehr deutlich von –7 Pp auf –22½ Pp. Der Anteil der positiven Erwartungen sank gegenüber der Prognose aus dem Vorquartal von 8½ Prozent auf 4½ Prozent, der Anteil der negativen Einschätzungen stieg von 15½ Prozent auf 27 Prozent. Im letzten Jahr zur gleichen Zeit lag dieser Saldo noch bei –3 Pp.

Fahrpersonalbestand: Saldo weniger negativ

Im 3. Quartal 2022 stieg der Fahrpersonalbestands-Saldo gegenüber dem Vorquartal von –11 Prozentpunkten (Pp) auf –5½ Pp. 9½ Prozent der befragten Betriebe (im 2. Quartal 2022: 8½ Prozent) erhöhten ihren Fahrpersonalbestand gegenüber dem Vorquartal, bei 15½ Prozent – nach 19½ Prozent im 2. Quartal 2022 – ging er zurück. Im gleichen Vorjahresquartal lag dieser Saldo noch bei –12½ Pp.

Für das dem Berichtsquartal folgende Halbjahr stieg der Prognose-Saldo zur Fahrpersonalbestandsentwicklung im 3. Quartal 2022 gegenüber der Prognose vom 2. Quartal 2022 von –6 Pp auf nunmehr –2½ Prozent. Nach im Vorquartal 8 Prozent erwarteten jetzt 10½ Prozent der Unternehmen einen erhöhten Fahrpersonalbestand. Von einem niedrigeren Fahrpersonalbestand gingen dagegen 13 Prozent aus – nach 14 Prozent im Vorquartal. Der Referenzwert im Vorjahr für diesen Prognose-Saldo betrug noch –9 Pp.

 

Fuhrparkkapazität: Saldo zum fünften Mal in Folge tiefer im Minus

Der Fuhrparkkapazitäts-Saldo sank im 3. Quartal 2022 zum fünften Mal in Folge, und zwar von –5 Prozentpunkten (Pp) im Vorquartal auf jetzt –8½ Pp. Dies war der zweitschlechteste Wert für ein 3. Quartal seit 13 Jahren. Nach im Vorquartal 5 Prozent gaben diesmal 4½ Prozent der Unternehmen an, ihre Fuhrparkkapazität gegenüber dem Vorquartal erhöht zu haben, 13½ Prozent haben (im Vorquartal 10 Prozent) diese verringert. Im gleichen Quartal des Vorjahres lag dieser Saldo noch bei –2 Pp.

Der Saldo der Fuhrparkkapazitäts-Prognose für das dem Berichtsquartal folgende Halbjahr stieg von –10½ Pp im Vorquartal auf –6 Pp. 7 Prozent (im Vorquartal 4½ Prozent) aller Unternehmen planten die Erhöhung ihrer Fuhrparkkapazität, während 13 Prozent (im Vorquartal 15 Prozent) eine Reduzierung vorsahen. Vor Jahresfrist lag dieser Wert bei –7 Pp.

Werbung
Werbung