BGL warnt: Steigen die Spritpreise weiter, stehen Lkw still

Die Preisexplosion beim Diesel gefährdet Mittelständler, die Versorgungssicherheit und den Reisebusverkehr. Der Verband fordert schnelle Maßnahmen, bevor Lkw stillgelegt werden müssen.

Bleiben Supermarktregale bald leer, weil die Lkw stehen bleiben müssen? Symbolbild: Pixabay
Bleiben Supermarktregale bald leer, weil die Lkw stehen bleiben müssen? Symbolbild: Pixabay
Redaktion (allg.)
(erschienen bei Transport von Nadine Bradl)

Wann steht Deutschland still? Das war die Hauptfrage der Pressekonferenz des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL). Bei explosionsartig ansteigenden Kraftstoffpreisen ziehe sich die Schlinge um die Unternehmen aus dem Transport- und Logistiksektor, aber auch die Busunternehmen immer enger, berichtete BGL-Vorstandssprecher Prof. Dirk Englhardt aus erster Hand. Zahlreiche Firmen würden sich bei ihm melden, die die hohen Kraftstoffkosten nicht mehr leisten könnten: 

"Viele sagen, sie müssen stehen bleiben", berichtet Englardt.

Der BGL sei "schockiert und verärgert", dass das Bundeswirtschaftsministerium nichts unternehme. In anderen EU-Ländern gäbe es eine Energiesteuererstattung. In Deutschland will das Wirtschaftsministerium davon - bislang - noch nichts wissen. Doch Englhardt prophezeit: 

"Wenn das Wirtschaftsministerium nicht reagiert, wird sie die Realität einholen. Wenn die Lieferketten nicht mehr funktionieren, werden sie reagieren müssen! Aber muss es erst so weit kommen?"

Alternative Antriebe, die erst in gut 20 Jahren tragfähig würden, könnten heute keine Lösung sein:

"Wenn morgen die Supermarktregale noch gefüllt sein sollen, brauchen wir Diesel-Lkw", betont der Vorstandssprecher.

Eine Mehrwertsteuersenkung, wie in den vergangenen Tagen öfters als Lösung dargestellt, bringe den Firmen effektiv gar nichts. Die Steuer sei als durchlaufender Posten irrelevant, es zähle nur der Nettobetrag. Es brauche dringend eine temporäre Unterstützung, die die Firmen direkt entlaste, bis die höheren Kosten beim Endverbraucher eingepreist sind und die höheren Transportkosten bezahlt werden.

 Auch für LNG brauche es dringend einen Rettungsschirm, so Engelhardt. 

"Bei LNG ist die Situation sogar noch angespannter als bei Diesel."

Wie sehr die Firmen von der momentanen Situation belastet sind, berichtete auch Annette Weiß von Ernst Weiss Transporte und Baustoffe. Sichtlich ergriffen erklärte sie in der Pressekonferenz:

"Es ist nicht zehn vor zwölf, sondern schon zehn nach zwölf! Wir sind jetzt an einem Punkt, die Reißleine zu ziehen."

Und sie sei dazu auch bereit, um den Betrieb, den damals ihr Vater aufgebaut hat, zu schützen.

In einem gemeinsamen Hilferuf wendeten sich der  Bundesverband Möbelspedition und Logistik (AMÖ), der Bundesverband Deutscher
Omnibusunternehmen, der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) und der Bundesverband Wirtschaft, Verkehr bereits an das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Darin heißt es: 

"Um die sich abzeichnenden, negativen Auswirkungen nicht nur auf die Transport-, Logistik- und Busbranche, sondern auch auf die Versorgungssicherheit der Bevölkerung und Wirtschaft insgesamt abzufedern, bedarf es der Einführung von Gewerbediesel, der diesen Marktentwicklungen Rechnung trägt. Zudem müssen Hilfsmaßnahmen für diejenigen Unternehmer geben, die ihre Flotte zu einem Großteil auf LNG/CNG umgestellt haben und existenzgefährdet sind."

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