Biomethan-Anteil verbessert Klimabilanz von CNG deutlich

Dank eines fast verdoppelten Anteils an Biomethan verbessert sich die Klimabilanz von CNG weiter. Der von VW-Chef Diess verkündete, mittelfristige Ausstieg des Konzerns erscheint um so mehr überhastet.

"Grünste verfügbare Technologie": Mit dem immer höheren Biomethan-Anteil sind CNG-Fahrer teils fast klimaneutral unterwegs. | Foto: J. Reichel
"Grünste verfügbare Technologie": Mit dem immer höheren Biomethan-Anteil sind CNG-Fahrer teils fast klimaneutral unterwegs. | Foto: J. Reichel
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Vor dem Hintergrund der Ankündigung des VW-Konzernchefs Herbert Diess, mittelfristig aus der CNG-Technologie aussteigen zu wollen, hat der Erdgasantrieb im vergangenen Jahr weitere Argumente für sein Nachhaltigkeitspotenzial geliefert. So hätten sich sowohl die Anteile von regenerativem Biomethan am CNG-Kraftstoff an deutschen Gas-Tankstellen als auch die Anzahl der CNG-Stationen, die zu 100 Prozent regeneratives Methan als Kraftstoff anbieten, jeweils beinahe verdoppelt, vermeldet der 2017 gegründete CNG-Club e.V.

„Betrug der regenerative Anteil traditionell bis ins vergangene Jahr zwischen 20 und 25 Prozent, so werden wir in Kürze voraussichtlich bei über 50 Prozent Biomethan-Anteil im Kraftstoff landen“, konstatiert der Präsident des CNG-Club e.V., Miklos Graf Dezasse, fest.

Aus seiner Warte sei CNG daher auch für den sofort wirksamen Klimaschutz bei der Mobilität ideal. „Wer einen aktiven Beitrag gegen die Erderwärmung leisten will, kommt an CNG-Fahrzeugen nicht vorbei – dies gilt für Pkw ebenso wie für Transporter, Lkw und Busse“, führt der Präsident des Vereins weiter aus. Die CNG-Mobilität liege hinsichtlich der regenerativen Erzeugung und CO2-Einsparung auch deutlich vor der "staatlich massiv geförderten Elektromobilität“, betonte Dezasse weiter.

E-Autos: Nur auf dem Papier "Null-Emissionsfahrzeuge"

Er kritisierte, dass Elektrofahrzeuge auf dem Papier mit null Emissionen geführt würden, der Anteil erneuerbaren Energien aber bei nur 40 Prozent liege. "Würde das E-Fahrzeug jedoch mit dem EU-Strom-Mix bemessen, läge das CNG-Fahrzeug schon mit 40 Prozent erneuerbarem Anteil auf gleicher Höhe", rechnete Dezasse hoch. Bei CNG-Fahrzeugen tendiere der Anteil aber heut schon in Richtung 50 Prozent, präzisiert der Clubchef. Gegenüber einem mit Benzin oder Diesel betriebenen Fahrzeug sorge ein CNG-Fahrzeug, das mit Biomethan fährt, für eine CO2-Einsparung von 80 bis 95 Prozent, betont der Verband weiter.

„Beim Kraftstoff Biomethan aus überschüssigem Stroh erreicht ein Mittelklasse-Pkw CO2-Emissionen, die die EU-Grenze von 95 g/km mehr als deutlich unterschreiten – man ist nahezu klimaneutral unterwegs“, wirbt Dezasse.

Politik gefordert: Biomethan-Anteil im CNG anerkennen und anrechnen

Dennoch werde ein CNG-Fahrzeug nach wie vor auf fossiler Basis berechnet und damit das Bild so massiv verzerrt. Hier sei nach Ansicht des Clubs die Politik gefordert, den mittlerweile deutlich hohen – und weiter steigenden – Biomethananteil anzurechnen. „Mit keinem Treibstoff schafft man die Dekarbonisierung leichter als mit Biomethan“, führt der CNG-Club Präsident weiter an. Er verweist zudem darauf, dass sich fossiler, erneuerbarer oder synthetischer Kraftstoff in jedem CNG-Fahrzeug ohne technische Veränderungen nutzen lasse.

"Damit ist der CNG-Antrieb für das Autoland Deutschland nicht zuletzt die Chance, Arbeitsplätze zu erhalten und die Wertschöpfung im eigenen Land zu belassen“, resümiert der Vereinschef.

LOGISTRA-Kommentar:

Im Tennis würde man wohl von einem "unforced Error" sprechen, der VW-Konzernboss Herbert Diess da bei der Führungskräfteversammlung jüngst unterlaufen war: Voreilig und völlig unnötig verkündete er, man werde aus der Erdgastechnologie aussteigen. Er meinte natürlich, mittel- und langfristig, was in der Konzerndenke einem Zeithorizont von sieben bis 15 Jahren entspricht. Das geht aber dann im allgemeinen medialen Rummel meist unter, wenn so eine bewusst kernige Aussage erstmal in der Welt ist. Hätte Diess nur geschwiegen, dann hätten sich die jetzt angekündigten neuen und frischen Erdgasmodelle bei VW, bei Seat, bei Skoda, aber auch bei Audi vielleicht mit ein wenig wirklich williger Marketingflankierung noch gut verkauft. Aber vor allem auch die Potenziale bei Vans und Trucks, die mit Bio-LNG eine auch langfristig plausible Perspektive und Alternative zur Elektrifizierung aufweisen, hat der VW-Boss immer weniger im Blick, seit die Töchter Scania und MAN bei Traton zunehmend eigener Wege gehen.

Nun ist höchst fraglich, ob man das Ruder noch einmal herumreißen kann und die öffentliche Meinung drehen zugunsten eines über Jahrzehnte auch von der Politik fahrlässig vernachlässigten und vertändelten Technologie. Diese hätte uns nicht nur die ganzen üblen Diskussionen um Fahrverbote und Luftreinhaltung in den Städten erspart, wir wären auch in Sachen Klimaschutz bei frühem konsequentem Ausbau der Biomethanisierung viel weiter. Und sie würde uns selbst jetzt noch viel schneller über die Brücke ins reine Elektrozeitalter helfen. Stattdessen sucht man sein Heil in der Flucht in die Plug-in-Hybride, die auch noch massiv gefördert werden, obwohl sie tendenziell teure und spritschluckende Feigenblätter und Pseudo-Stromer sind, weit entfernt jedenfalls von der Umweltfreundlichkeit, wie sie sich mit einem CNG-Antrieb und Biomethan erzielen lässt. Jetzt steht mit Schiller zu befürchten: "Zu spät, Du rettest den Freund nicht mehr".

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