Werbung
Werbung
Werbung

Blaue Plakette: Widerstand aus dem Gewerbe

IHK Hessen und Möbelverband AMÖ fürchten gravierende Auswirkungen. IHK empfiehlt andere Maßnahmen, etwa auch Mikrodepots und Lastenräder auf der letzten Meile. Verkehrsminister Dobrindt will keine Einschränkung der Mobilität.
Fahrt ins Blaue: Verbände befürchten eine massive Einschränkung für gewerbliche Verkehre bei Einführung einer blauen Plakette. | Foto: Fotolio/Sven Krautwald
Fahrt ins Blaue: Verbände befürchten eine massive Einschränkung für gewerbliche Verkehre bei Einführung einer blauen Plakette. | Foto: Fotolio/Sven Krautwald
Werbung
Werbung
Johannes Reichel

Die von den Umweltministern der Länder beschlossene Einführung einer "blauen Plakette" für Dieselfahrzeuge schlechter als Euro 6 und die damit verbundene Verschärfung der Umweltzonenregelung zum Ende des Jahres stößt auf massiven Widerstand im Gewerbe und bei Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Der Verkehrsminister lehnt die Pläne seiner Kabinettskollegin, Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) generell als "unausgegoren und mobilitätsfeindlich" ab, wie er gegenüber der Bild am Sonntag sagte. Das Ergebnis der Einführung sei ein faktisches Fahrverbot für Dieselfahrzeuge. "Das werde ich nicht akzeptieren", so die Ansage des Ministers allgemein.

Speziellere Sorgen bereiten die Pläne gewerblichen Vertretern. Die Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern (ARGE) befürchtet, mit der neuen Regelung würde einem Großteil der Dieselfahrzeuge die Einfahrt in Umweltzonen verwehrt. Besonders heftig würde es die leichten Nutzfahrzeuge treffen, so die IHK-Vertreter. Aus wirtschaftlicher Sicht sei unklar, wie die Versorgung der Städte aufrechterhalten werden solle. "Zumindest würde sie aber erheblich teurer werden", so die ARGE in einer Pressemitteilung. Auch im ÖPNV sieht man Probleme: viele der Busse führen noch nicht mit Euro VI/6. Gleiches gelte für die meisten der Taxis. Die ARGE fordert wesentlich längere Übergangsfristen und großzügige Ausnahmegenehmigungen für Unternehmen bei einer Verschärfung der BImSchV und Einführung der blauen Plakette. Zudem empfiehlt man vor einer weiteren Regulierungen andere Maßnahmen, wie intelligente Verkehrslenkung per Lkw-Routenkonzept oder "grüner Welle", langfristig die Förderung alternativer Antriebe, den Ausbau des ÖPNV sowie der Radinfrastruktur. In der Logistik ließen sich mit der Etablierung von Mikrodepots oder die Feinverteilung mit E-Fahrzeugen oder Lastenfahrrädern, Schadstoffemissionen einsparen, so die Handelsvertreter.

Der Vertreter des Bundesverband Möbelspedition und Logistik e.V. AMÖ Dierk Hochgesang erklärte: „Auch für Möbelspediteure ist der Schutz der Umwelt ein wichtiges Thema. Umweltpolitik muss aber praktikabel für die Wirtschaft sein.". Im Vertrauen auf die getroffenen politischen Entscheidungen hätten viele Möbelspediteure in einen modernen Fuhrpark investiert, um die Voraussetzungen der grünen Feinstaubplakette zu erfüllen. Die geplante, neue blaue Plakette würde nun in Innenstadtbereichen die Möbelspeditionen vor erhebliche Probleme stellen, ihre dortigen Kunden sicher, schnell und zuverlässig zu bedienen, so der Verbands-Geschäftsführer.

Eine Lösung des Konflikts hatte die Chefin des Umweltbundesamts (UBA) allerdings bereits bei der Vorstellung des UBA-Jahresberichts ins Spiel gebracht. Sie empfahl die Erwägung von Ausnahmeregelungen für gewerbliche Verkehre und sieht bei schärferen Maßnahmen zur Luftreinhaltung zuvorderst die Nutzer von Privat-Pkw gefordert. Diesel-Pkw trügen 67 Prozent der städtischen Stickoxid-Emissionen bei, der Effekt sei hier ungleich größer, während gewerbliche Verkehre mit Lkw nur etwa 22 Prozent der Emissionen verursachten, so die Analyse des Amts.

Printer Friendly, PDF & Email
Werbung