BLV-pro: Mit Schneckentempo gegen hohe Dieselpreise

Die explodierenden Dieselkosten machen Transporteuren schwer zu schaffen. Der BLV-pro, ein Zusammenschluss von kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie Berufskraftfahrern, will nun mit einer Protestaktion ein Zeichen setzen. 

Alle Räder stehen still, wenn die Logistik es so will, so betitelt der BLV-pro seine Protestaktion. Bild: BLV-pro
Alle Räder stehen still, wenn die Logistik es so will, so betitelt der BLV-pro seine Protestaktion. Bild: BLV-pro
Johannes Reichel
(erschienen bei Transport von Nadine Bradl)

Um gegen die hohen Kraftstoffpreise zu protestieren, startet der Zusammenschluss BLV-pro ab 21. März eine „Schnecken-Tempo-Woche“. Die Fahrzeuge sollen mit 50 Stundenkilometern über die Straßen und mit Tempo 60 über die Autobahnen schleichen - der Verkehrssituation angepasst und ohne Fremdgefährdung, heißt es in einer Pressemitteilung. BLV-pro rechnet damit, dass viele mitschleichen werden vom Lkw-Fahrer über Traktoren, bis hin zu Taxen und Bussen. Zu erkennen wird die Aktion am gemeinsamen Symbol – einer gelben Warnweste, die außen am Fahrzeug befestigt ist - sein.

Zu den Beweggründen heißt es: "Die Preise an den Zapfsäulen sind kaum noch zu stemmen und drängen so manchen Unternehmer, aber auch Bürger in die Knie. Es droht in den nächsten Wochen für viele Betriebe die Insolvenz. Die derzeitige Lage in Deutschland zwingt zu unkonventionellen Maßnahmen, aber schafft auch Verbundenheit und Schulterschluss."

Unterstützt werde die Aktion unter anderem von der Allianz im deutschen Transportwesen AidT e.V. sowie einigen Influencer aus der Transportbranche.

Gleichzeitig betont BLV-pro aber ausdrücklich, dass man sich nicht an ungesetzlichen Aktionen wie Blockaden oder ähnlichem beteiligen werden.

BLV-pro fordert:

  • sofortige Treibstoffpreisbremse,
  • die Einführung eines Gewerbediesels,
  • temporäre Hilfen,
  • Appell an die Auftraggeber, die Frachtraten an die Situation anzupassen,
  • ein Ende der willkürlichen Verlängerung der Zahlungsziele. Zu Lasten der Unternehmen wird Liquidität geschaffen. Wir plädieren für ein gesetzlich festgelegtes Zahlungsziel von 14 Tagen.
  • Stringente Überwachung des Mobilitätspakets 2 in Bezug auf Kabotage, MiLoG, Verbringung der Wochenruhezeit außerhalb des Lkw, vollständige Mautdatenfreigabe zur Überwachung.
  • Gespräche mit der Politik über strukturelle Änderungen um das jetzt vorhandene Sozialdumping zu beenden.

Sollte sich in der kommenden Woche keine spürbaren Erleichterungen seitens der Regierung bewilligt werden, sind weitere unkonventionelle Aktionen in Planung, teilt BLV-pro mit.

"Hier bleibt aus der wirtschaftlichen Notwendigkeit heraus für viele Frachtführer nur der absolute Stillstand der Fahrzeuge als Maßnahme der Wahl, sowie die strikte Ablehnung nicht kostendeckender Transportaufträge. Die nächsten Wochen werden entscheiden, wohin die Reise für Deutschland und die deutsche Transport- und Logistikbranche gehen wird", heißt es weiter.

Alle spüren laut BLV-pro - ob geschäftlich, beruflich, privat - derzeit die Auswirkungen des Russland-Ukraine-Konflikts. Das Wegbrechen von Lieferketten und deren Ausmaße sei aus ihrer Sicht aber noch der Anfang; mit großer Sorgen sehe man die fehlenden Warenflüsse aus der Ukraine, fehlende Saatgüter, ausbleibende Rohstoffe. Schon jetzt stehe der Verbraucher vor leeren Regalen mit Speiseöl und Mehl.

"Die Branche drückt der Mangel an AdBlue, Diesel und seinen Folgen, LNG-Flotten werden stillgelegt. Ein Ausweg oder Ende ist aktuell nicht in Sicht."

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