BMDV: Bessere Notbremssysteme schnell EU-weit umsetzen

Spätestens ab 2028 gelten für Notbremssysteme von Lkw und Bussen strengere Kriterien. Sie müssen Fußgänger erkennen und dürfen nicht mehr dauerhaft ausschaltbar sein. Das soll Leben retten. Bundesminister reklamiert deutschen Impuls bei der Neuregelung.

Unter anderem der ADAC testet regelmäßig die Funktion von Fahrerassistenzsystemen. Bild: ADAC/Uwe Rattay
Unter anderem der ADAC testet regelmäßig die Funktion von Fahrerassistenzsystemen. Bild: ADAC/Uwe Rattay
Johannes Reichel
(erschienen bei Transport von Nadine Bradl)

Notbremsassistenten sollen noch sicherer und effektiver werden: Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) habe sich erfolgreich für höhere Anforderungen an die Fahrerassistenzsysteme bei Lkw und Bussen eingesetzt, teilt das Ministerium mit. Die neuen Vorgaben wurden jetzt auf Ebene der Vereinten Nationen (UN) beschlossen. Die technische Expertengruppe der UN, die die Neuerungen beschlossen hat, wird von Deutschland und Japan geleitet.

„Mit den neuen technischen Vorschriften, die Lkw-Notbremsassistenten künftig weltweit erfüllen müssen, erhöhen wir die Verkehrssicherheit und reduzieren die Gefahr von Auffahrunfällen. Deutschland war hier ein wesentlicher Impulsgeber. Davon profitieren künftig auch Fußgänger, denn die neue Generation von Notbremsassistenten wird neben Fahrzeugen auch Personen erkennen. Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten für den Einsatz der lebensrettenden Systeme. Deshalb geht es jetzt darum, die Vorgaben schnellstmöglich auf EU-Ebene umzusetzen. Auch dafür werden wir uns mit Hochdruck einsetzen", erklärte Bundesverkehrsminister Volker Wissing zu der Neuregelung. 

Die jetzt beschlossenen Neuerungen bedeuten unter anderem, dass sich die Systeme künftig bei Unfallgefahr frühzeitiger einschalten. Droht ein Lkw auf ein stehendes Fahrzeug zu fahren, wird die Geschwindigkeit massiv reduziert. Dies kann insbesondere an einem Stau-Ende Leben retten. Außerdem können Notbremsassistenten in Zukunft nicht mehr dauerhaft manuell ausgeschaltet werden. Wird das System vom Fahrer deaktiviert, schaltet es sich nach 15 Minuten automatisch wieder ein.

Fußgänger-Erkennung wird Pflicht

Neu ist auch, dass Notbremsassistenten ihre Wirkung nicht mehr nur auf Autobahnen entfalten sollen: Die neue Generation von Notbremsassistenten muss neben Fahrzeugen auch Fußgänger erkennen können. Damit wird der Anwendungsbereich von Lkw-Notbremsassistenzsystemen erstmals auf den innerstädtischen Bereich erweitert.

Spätestens ab 2028 verpflichtend

Die Änderungen gelten völkerrechtlich auf UN-Ebene ab September 2025 für neue Fahrzeugtypen und ab September 2028 für alle Neufahrzeuge. Diese internationalen Regelungen müssen in einem weiteren Schritt in verbindliches EU-Recht umgesetzt werden, heißt es vom Ministerium. Fahrzeughersteller können diese neuen Anforderungen grundsätzlich ab Inkrafttreten auf UN-Ebene anwenden und somit freiwillig früher verbesserte Systeme auf den Markt bringen.

Das BMDV wird sich auf europäischer Ebene mit Nachdruck dafür einsetzen, dass die neuen Anforderungen und Einführungsfristen schnellstmöglich auch im Rahmen der EU-Fahrzeugtypgenehmigung verpflichtend verankert werden.

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