Brandbrief an Bundeskanzlerin: BGL sieht Lieferketten in Gefahr

Spitzenverband des Transportgewerbes warnt vor Grenzchaos, sieht die Lieferketten in Gefahr und die Fahrer gefährdet durch Coronainfektionen an überfüllten Übergängen.

Kein Hygieneschutz: Dicht an dicht stehen die Fahrer an den Teststationen im Bereich der Grenzübergänge Waidhaus sowie in Sterzing. (Foto: BGL)
Kein Hygieneschutz: Dicht an dicht stehen die Fahrer an den Teststationen im Bereich der Grenzübergänge Waidhaus sowie in Sterzing. (Foto: BGL)
Johannes Reichel
(erschienen bei Transport von Christine Harttmann)

Mit einem Brandbrief an die Bundeskanzlerin reagiert der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung BGL auf die aktuelle Situation an deutschen Grenzen und am Brennerübergang. In kilometerlangen Staus würden die Lkw stehen, beschreibt der BGL die Lage. Die Fahrerinnen und Fahrer drängten sich gefährlich eng an den wenigen provisorisch eingerichteten Testzentren. Der Verband macht dafür die deutschen Corona-Regeln verantwortlich. Diese würden die Lieferketten und in der Folge die Versorgungssicherheit gefährden.

Dass es für den Güterverkehr nur partiell Ausnahmen gibt, wiederspricht nach Auffassung des BGL den auf europäischer Ebene vereinbarten Green Lanes. Darüber hinaus führe es zu einem unbeherrschbaren Regelungs-, Kontroll- und Grenzchaos. Der BGL schreibt, dass sich wegen der Situation an Testzenten mittelständischen Transportunternehmer „hilfesuchend“ an ihn wenden würden. Explizit nennt der Verband das Testzentrum in Sterzing sowie das am Grenzübergang in Waidhaus.

Ein Fahrer bringe die Situation auf den Punkt:

„Seit Monaten bin ich nichtmehr in einer derart dicht gedrängten Menschenansammlung gewesen. Wenn ich bislang kein Corona bekommen habe, dann jetzt.“

In seinem offenen Brief fordert der BGL, das Güterverkehr sofort bundesweit umfassende Ausnahmen von Test- und Quarantänepflichten braucht, ohne 72h-Beschränkung! Deutschland müsse die EU-Green Lanes Guidelines ohne Einschränkung umsetzen sowie den Beschluss des Rates vom 1. Februar 2021, wonach Testungen bei Störungen der Lieferketten beendet werden müssen.

Alternativ müsste für Teststrategie geschaffen werden, die für den Straßengüterverkehr tauglich sei:

  • Testzentren, orientiert am Vorbild von Großbritannien (Abstriche vom Fahrpersonal aus der Fahrerkabine, Aufnahme der Personalien inkl. Handynummer, Weiterfahrt, Testergebnis folgt nach 15 Minuten per SMS). Übertragen auf den Landverkehr könnte etwa 15 Minuten vor dem Grenzübergang eine Ausleitung der Lkw erfolgen.
  • Selbsttests für Fahrpersonal ohne ärztliche Bestätigung, denn diese ist unterwegs nicht zu erhalten. Ein Ansatz könnte auch das Angebot der Brancheninitiative #LogistikHilft sein unter Schirmherrschaft von Minister Andreas Scheuer. Notwendig wäre eine klare Aussage von BMG/RKI zur Anerkennung.

Der BLG beendet seine  Brief mit einem dringenden Appell:

„Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, bitte retten Sie die Versorgungssicherheit und beenden Sie dieses Grenzchaos. Das Zusammenbrechen der Lieferketten steht direkt bevor. Sobald ein weiteres Virusvariantengebiet hinzukommt, können wir die Versorgung nicht mehr sicherstellen.“

 

 

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