Werbung
Werbung
Werbung

Brexit beginnt: Der Handel bricht schon ein

Eine aktuelle Analyse zeigt: Industrieunternehmen entflechten ihre Supply Chains zwischen Deutschland und Großbritannien. Die Exporte sinken deutlich.
Bereits der drohende Brexit hinterlässt in den Außenwirtschaftszahlen Spuren. Die Unternehmen suchen sich offenbar bereits neue Handelspartner. | Foto: Fotolia/Rozol
Bereits der drohende Brexit hinterlässt in den Außenwirtschaftszahlen Spuren. Die Unternehmen suchen sich offenbar bereits neue Handelspartner. | Foto: Fotolia/Rozol
Werbung
Werbung
Tobias Schweikl

In der aktuellen Ausgabe des Export- / Import-Seismographen Deutschland (ESD/ISD), der die deutschen Außenhandelsströme analysiert, offenbart der Brexit bereits jetzt Bremsspuren. Schon Monate vor dem offiziellen Austrittsdatum Großbritanniens aus der EU brachen im ersten Halbjahr 2018 die deutschen Exporte nach Großbritannien gemessen am Gewicht gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 8,1 Prozent auf 8,7 Mio. Tonnen ein. In die umgekehrte Richtung wurden 7,6 Mio. Tonnen Güter gehandelt. Das sind sogar 15,2 Prozent weniger als im 1. Halbjahr 2017.
„Die Delle im Handel mit Großbritannien verdeutlicht die Herausforderungen, mit denen Unternehmen sich konfrontiert sehen, wenn Handelsgrenzen aufgebaut werden: Supply Chains müssen umgebaut werden, um weiter im Wettbewerb bestehen zu können“, so Prof. Christian Kille vom Institut für Angewandte Logistik (IAL) der Hochschule Würzburg-Schweinfurt. Dieses gibt den ESD/ISD gemeinsam mit dem Softwarehaus AEB heraus. „Deutsche Unternehmen suchen Alternativen zu ihren britischen Lieferanten und probieren diese bereits aus. Das gilt auch für zahlreiche britische Unternehmen, die gleichzeitig ihre Produktion zurückfahren, weil sie nach dem Brexit weniger Absatzchancen in der EU sehen“, ergänzt Dr. Ulrich Lison, Außenwirtschaftsexperte bei AEB.
Chemie und Automotive besonders betroffen
Diese Entwicklungen zeige sich deutlich in zwei Branchen, in denen die deutschen und britischen Unternehmen bisher eng vernetzt arbeiteten, so die Experten. In der chemischen Industrie sanken die deutschen Exportmengen auf die Insel um 21 Prozent, in umgekehrter Richtung betrug der Rückgang 5,5 Prozent. Ein ähnliches Bild in der Automotivebranche: Bei den Kfz-Teilen betrug das deutsche Exportminus 9,3 Prozent, während die Importe um 6,8 Prozent sanken.
Insgesamt wächst der deutsche Außenhandel weiter. Die Exporte, gemessen am Gewicht, stiegen im 1. Halbjahr 2018 um 3,2 Prozent auf 218 Mio. Tonnen, während die Importe um 1,9 Prozent auf 332 Mio. Tonnen zulegten.

Printer Friendly, PDF & Email
Werbung