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Bundesregierung befindet Elektroautos für effizienter als Verbrenner

Nach einer "Kleinen Anfrage" gibt es jetzt also auch die Bundesregierung zu: Der Stromer ist dem Verbrenner überlegen, zumindest energetisch.

Jetzt vermeldet auch das BMWi: Stromer sind effizienter als Verbrenner. Und die Mauer steht übrigens auch nur noch abschnittsweise - zum Beispiel an der East-Side-Gallery, dort als Kulisse! | Foto: P. Dargatz/Pixabay
Jetzt vermeldet auch das BMWi: Stromer sind effizienter als Verbrenner. Und die Mauer steht übrigens auch nur noch abschnittsweise - zum Beispiel an der East-Side-Gallery, dort als Kulisse! | Foto: P. Dargatz/Pixabay
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Julian Kral
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Kleine Anfrage, große Wirkung: Eine sogenannte „Kleine Anfrage“ der Abgeordneten Mario Brandenburg, Katja Suding, Jens Brandenburg, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP betr.: „Bemühungen der Bundesregierung im Bereich Batterietechnologie“, war der Grund für die Erklärung des Wirtschaftsministeriums. Daraufhin hat jetzt die Bundesregierung ausführlich Stellung zu Batterietechnologien und der Elektromobilität genommen und kam zu folgender Einschätzung: Die Kosten für Elektroauto-Batterien werden aus Sicht der Politik im kommenden Jahrzehnt deutlich sinken. So kostet die Kilowattstunde bei Lithium-Ionen-Akkus aktuell noch etwa 200 Euro, doch zwischen 2025 und 2030 sollte dieser Betrag auf rund 100 Euro sinken.

Interessant und wenig zielführend erscheint in diesem Zusammenhang, dass sich die Bundesregierung tatsächlich mit Langstrecken beschäftigt – also Reichweiten, die um die 1.000 Kilometer betragen. Distanzen, die in der Realität schon an der Blase und dem Sitzfleisch der Fahrer scheitern. Auch die Fertigung eines Elektroautos mit 1.000 Kilometer Reichweite sei technisch bereits heute realisierbar, doch dies sei nur „mit einer erheblichen Steigerung der Anschaffungskosten von derzeit ca. 4.000 Euro pro 100 Kilometer verbunden“. Damit Langstrecken-Elektroautos erschwinglicher werden, bedarf es neuer Batteriekonzepte. Wichtig für die Kostenreduktion sei der Einsatz moderner Technologien in der Großserienfertigung von Batterien und Batteriezellen. Übrigens bieten auch die Verbrenner längst keine derartigen Reichweiten mehr, seit die Autohersteller auch aus Gewichtsgründen erheblich kleinere Tanks verbauen, die in Serienausführung selten mehr als 40 bis 50 Liter fassen.

Doch die Zellfertigung startet in Deutschland der chinesische Konzern CATL. Denn der Aufbau von Batteriefertigungskapazitäten in Deutschland sei laut Bundesregierung das Ergebnis privatwirtschaftlicher Entscheidungen. Man messe dem Aufbau einer deutschen und europäischen Batteriezellfertigung aber besondere Bedeutung zu. Zusammen mit der EU und den Europäischen Partnern werde daher der Aufbau einer wettbewerbsfähigen Batteriezellfertigung unterstützt. Außerdem fördere Deutschland mit vielen Projekten die Weiterentwicklung der Akkutechnik. Man hofft hier immer noch auf den Feststoffakku. Dazu zählten auch die Forschung unter anderem zu Batteriematerialien, Prozess- und Produktionstechnologien sowie Recyclingprozessen und Wiederverwendung von Batterien. Eines der dazu gedachten Projekte werde von Deutschland koordinierend geleitet und vom Wirtschaftsministerium mit einer Milliarde Euro gepusht.

Spannende Einsicht: Das Batterie-Auto hat einen Effizienzvorteil

In sachen Effizienz vertritt die Bundesregierung die Meinung, dass batterieelektrische Fahrzeuge „sowohl energetisch als auch bezogen auf die С02- Emissionen einem Antrieb mit Verbrennungsmotor überlegen sind“. Und: Mit fortschreitender Dekarbonisierung der Stromversorgung steige dieser Effizienzvorteil. Das ist dem hohen Wirkungsgrad der Stromer zuzuschreiben und eine Tatsache, die übrigens auch schon Mineralölkonzerne wie Shell in einer ausführlichen Well-to-Wheel-Betrachtung ermittelt und kommuniziert haben! Und dass, obwohl sie vom Mineralöl und dessen Veredelung leben!

Auch auf die anspruchsvollen С02-Flottenziele ging man ein: Dies zwängen die Autohersteller, alternative Antriebe zu entwickeln und attraktive Produkte anzubieten. Batterieelektrische Mobilität leiste dabei „einen ganz wesentlichen Beitrag“, die Erderwärmung auf unter 1,5 Grad zu begrenzen. Und: Weltweit investierten alle Hersteller stark in die Elektromobilität. Trotzdem bleibt die Bundesregierung natürlich strikt bei der „Technologieneutralität“ und unterstütze den Markthochlauf durch verschiedene Maßnahmen, etwa durch „Förderung von Forschung und Entwicklung, Umweltbonus, Ausbau der Ladeinfrastruktur, steuerliche Anreize und anderes.“ Und man plant weiter: Zusätzliche Maßnahmen zur Unterstützung des Markthochlaufes sollen Gegenstand der Diskussionen im Kabinettausschuss Klimaschutz sein.

Was bedeutet das?

Lange hielt sich die Bundesregierung mit einer Stellungnahme zur Effizienz der Elektromobilität zurück – auch aus Rücksicht auf die Autolobby. Doch der Wind hat sich gedreht: Gerade die Premiumhersteller, die weniger forsch in reine Batterieelektriker investierten, tun sich aktuell scher mit starken Bilanzzahlen, während der VW-Konzern, der die Stromer als Lösung postuliert wie kein anderer, abermals schwarze Zahlen liefert. Und: Wenn sogar Shell entsprechende Well-to-Wheel-Berechnungen hat und CATL eine Akkufertigung in Deutschland hochzieht…guten Morgen! Die Bundesregierung scheint langsam aus dem Tiefschlaf aufzuwachen.  

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