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Bundesregierung: Wasserstoff soll Schlüsselelement werden

Bisher hatte das Thema Wasserstoff nicht oberste Priorität. Doch nun legt die Regierung ein Thesenpapier vor, will bis Jahresende eine H2-Strategie präsentieren und das Tanknetz ausbauen, das auch Lkw nutzen sollen.

Energiequelle für die Zelle: Hersteller wie Toyota setzen auch auf Wasserstoff als Energieträger und begrüßten die deutschen Ausbaupläne. | Foto: Toyota
Energiequelle für die Zelle: Hersteller wie Toyota setzen auch auf Wasserstoff als Energieträger und begrüßten die deutschen Ausbaupläne. | Foto: Toyota
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Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Die Bundesregierung hat nach ihrem "Masterplan" für den Ausbau der E-Mobilität und Ladeinfrastruktur eine Absichtserklärung mit Stakeholdern zur Förderung der Brennstoffzellentechnologie und des Wasserstoffantriebs unterzeichnet. Das Bundesverkehrsministerium und die H2 Mobility Deutschland GmbH & Co. KG fixierten in dem Papier im Rahmen einer Konferenz zur nationalen Wasserstoffstrategie in Berlin, dass man das Tankstellennetz  erweitern und damit die Nutzung des lokal emissionsfreien Brennstoffzellenantriebs fördern wolle.

Bis Ende des Jahres soll eine "Wasserstoff-Strategie" präsentiert werden. Deutschland müsse in diesem Bereich "die Nummer eins in der Welt" werden, forderte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bei der Konferenz. Nach seinem Dafürhalten könne ohne CO2-Emissionen hergestellt werden. Er sieht ihn daher als "Schlüsselrohstoff einer langfristig erfolgreichen Energiewende".

"In der Industrie kann perspektivisch bei vielen Prozessen CO2-frei erzeugter Wasserstoff zum Einsatz kommen", glaubt man in den beteiligten Ministerien für Wirtschaft, Verkehr, Forschung und Wirtschaftliche Zusammenarbeit. Die Aktivitäten im Wasserstoffbereich sollen verzahnt werden.

Im Verkehrsbereich stünden der Luftverkehr, die Schifffahrt sowie Schwerlastwagen im Mittelpunkt.

Wie die Förderung genau aussehen soll, blieb unklar. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) nahm die Autoindustrie in die Pflicht und befand laut einem Bericht der ARD, es seien bereits viele Studien und Pilotprojekte zu Wasserstoff und Brennstoffzelltechnologien gefördert worden. In drei Jahren will der Minister 60.000 wasserstoffbetriebene Autos in Deutschland auf der Straße sehen, derzeit seien es 600.

"Jetzt muss die Automobilindustrie bezahlbare Fahrzeuge auf den Markt bringen und den Menschen zeigen, dass die Technik zuverlässig funktioniert."

Der japanische Hersteller Toyota verwies in dem Kontext auf sein bereits lieferbares Modell Mirai, der im nächsten Jahr in zweiter Generation kommt und mit einem verbesserten Antrieb ein Drittel mehr Reichweite bieten soll. Die Japaner sehen Wasserstoff als Energieträger in einer wesentliche Rolle bei der Umsetzung der Umwelt- und Nachhaltigkeitsziele, zu denen sich das Unternehmen verpflichtet hat. Auch der koreanische Hersteller Hyundai forciert den Antrieb massiv, jüngst durch ein Pilotprojekt mit 1.600 Fuel-Cell-Lkw in der Schweiz. Außerdem ist sein Modell Nexo ebenfalls bereits auf dem Markt, in der zweiten Generation.

Minister: Wasserstoff hatte nicht oberste Priorität

Der Minister räumte ein, das Thema Wasserstoff habe allerdings auf dem jüngsten "Autogipfel" nicht die erste Priorität gehabt. Er sieht die Tankinfrastruktur als zentralen Aspekt an und bestätigte den Plan, bis zum Frühjahr 2020 100 Wasserstoff-Tankstellen in Betrieb zu haben, bis 2021 will man weitere 15 neu errichten. Andere Quellen sprechen hier von bis zu 30 zu zu errichtenden H2-Zapfstellen, die zum Teil auch größer dimensioniert sein sollen und drei mal so viele Fahrzeuge wie bisher versorgen sollen. Neben 60.000 Pkw soll die Infrastruktur dann auch 500 Nutzfahrzeuge mit Brennstoffzelle bedienen können.

Den Ball zurück spielte der Bundesverband der Deutschen Industrie, der mehr Geld für Forschung und Entwicklung und weniger Hürden forderde, um Wasserstoff wirtschaftlich einsetzen zu können. Deutschland werde auch in einer Wasserstoffwirtschaft langfristig Energieexporteur bleiben. Daher sei es wichtig, den Aufbau eines globalen Wasserstoffmarktes voranzutreiben, argumentiert der Bundesverband der Deutschen Industrie laut ARD.

Eine grundsätzlichere Neuausrichtung verlangte die Opposition.

"Verkehrswende heißt nicht, das wir 47 Millionen fossile Verbrenner durch 47 Millionen Elektromobile ersetzen", erklärte der Vorsitzende des Verkehsrausschussses im Bundestag, der Grünen-Politiker Cem Özdemir, im Morgenmagazin von ARD und ZDF.

Man hätte dann zwar weniger Abgase, weniger Lärm in den Innenstädten, aber das Problem mit dem Verkehrsinfarkt nicht gelöst. Stattdessen müsse man mehr auf Carsharing, den öffentlichen Nahverkehr und das Fahrrad setzen, forderte Özdemir.

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