Cargobike of the Year 2023 startet und gastiert auf EUROBIKE und IAA

Die Bikebranche wächst mit dem Trend zur nachhaltigen Citylogistik. Dem trägt der Preis für gewerblich genutzte Lastenräder und Trailer Rechnung − mit einem zweistufigen Verfahren: den „Test Days“ auf der EUROBIKE in Frankfurt und den „Finale & Award“ auf der IAA MOBILITY in München. Bewerbung gestartet.

Den Preis wert: Der Cargobike of the Year-Award honoriert die Innovationen der jungen Lastenradbranche. | Foto: HUSS VERLAG
Den Preis wert: Der Cargobike of the Year-Award honoriert die Innovationen der jungen Lastenradbranche. | Foto: HUSS VERLAG
Johannes Reichel

Lastenräder im gewerblichen Einsatz erleben einen anhaltenden Boom, die Hersteller vollziehen große Entwicklungssprünge bei Technik und Industrialisierung. Dem trägt der seit 2019 jährlich verliehene Award zum „International Cargobike of the Year“ (CABOTY) Rechnung, mit einem erstmals zweistufigen Verfahren. Damit reagiert der Initiator auf das deutlich breitere Angebot in der Branche und will so ein möglichst weites Spektrum an gewerblichen Lastenrädern abbilden. Den Auftakt bilden die „CABOTY Test Days“, die im Rahmen der Branchen-schau EUROBIKE in Frankfurt und dem Thementag „Cargo Academy“ am Donnerstag, 22. Juni 2023 stattfinden und bei denen eine Zwischenbilanz vorgesehen ist. Das CABOTY-Finale und die feierliche Award-Verleihung an die Gewinner wird dann auf der IAA MOBILITY in München (5. − 10.9.) über die Bühne gehen. Schon im vergangenen Jahr hatte der Award an die IAA TRANSPORTATION angedockt, die weltweit wichtigste Bühne für Nutzfahrzeuge. Die Präsenz auf führenden Messen soll auch untermauern, dass das Nischenthema im Mainstream der Logistik angekommen ist.

„Lastenräder speziell in der Logistik können ein Schlüsselelement für mehr Nachhaltigkeit und mehr Flächen- und Energieeffizienz in der Citybelieferung sein. Klug kombiniert sind sie das ultimative Transportmittel, um die Quadratur des Kreises zu schaffen: das durch den anhaltenden E-Commerce-Boom höhere Sendungsaufkommen mit weniger Emissionen zu verknüpfen und den Klimaschutz in der Logistik entscheidend voranzubringen“, erklärt LOGISTRA-Test+Technik-Ressortleiter und CABOTY- Initiator Johannes Reichel.

Der nun zum vierten Mal ausgerufene Wettbewerb hat sich am Markt etabliert als Plattform für die Innovationen der jungen, aber experimentierfreudigen Cargobike-Industrie. „Nicht nur in der privaten, sondern gerade auch in der gewerblichen Anwendung wird E-Lastenrädern von vielen Experten ein großes Potenzial attestiert. In Verbindung etwa mit Mikrodepots und E-Trucks im Vorlauf, können sie zum Gamechanger in der urbanen Logistik avancieren. Diesem für Klimaschutz und Verkehrswende wichtigen Trend wollen wir mit unserem Award Rechnung tragen und die Innovationsfreude der Hersteller damit honorieren“, erklärt HUSS-VERLAG-Geschäftsführer Rainer Langhammer.

Drei Kategorien am Start

Der Cargobike-Award wird erneut in drei Kategorien vergeben: Light, Heavy sowie Trailer. Damit will man den unterschiedlichen Anwendungen Rechnung tragen. Die Kandidatenliste für den Preis ist ab sofort offen, die Bewerbung per Onlineformular einfach. Vor Ort in Frankfurt und München werden von der Jury in einem Testprozedere die Kandidaten-Bikes überprüft und deren Praxistauglichkeit nach einem Kriterienkatalog bewertet. Das Gremium besteht neben Initiator Reichel wieder aus Praktikern wie dem Radlogistiker und RLVD-Vorstand Thomas Schmitz von der Firma Radlader aus Mainz, RLVD-Vorstand Martin Schmidt von der Firma Cycle Logistics aus Berlin, der Radkurierin und Radlogistikbe-raterin Aline Künzler von velogisch aus Zürich sowie dem Hochschullehrer für Engineering und Produktdesign Satish Kumar Beella von The Hague University of Applied Sciences.

Bewerbungen können hier einfach online abgegeben werden!

Radlogistik im Aufwind - trotz Flaute von der Politik

Die Radlogistikbranche sieht sich generell weiter im Aufwind und hat im jüngsten Branchenreport des Radlogistikverbands Deutschland e. V. (RLVD) ein jährliches Wachstum von 30 Prozent in den nächsten fünf Jahren prognostiziert. Herstellerseitig haben sich die Absätze von Lastenrädern und
-anhängern fast verdoppelt. Die Radlogistik, im Wesentlichen von kleinen und mittleren Unternehmen getragen, hat im Jahr 2022 circa 620 Tonnen CO2 eingespart gegenüber einer Last-Mile-Logistik mit Dieselfahrzeugen, rechnen die Autoren vor.

„Als Branche sind wir lieferfähig. Aber dafür braucht es faire Marktbedingungen, bessere und höhere Förderung von Lastenrädern und -anhängern, mehr Gestaltungsspielräume und Planungskapazitäten für Kommunen und deutlichen Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur“, erklärt der Vorstand des RLVD mit Dr. Tom Assmann und Martin Schmidt.

„Die Technik bewegt sich, getrieben auch von erfahrenen Anbietern aus dem Automotive-Bereich, weiter Richtung Großserie und streift die Kinderkrankheiten ab. Dadurch werden die Bikes nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch für Unternehmer immer relevanter. Denn am Ende darf der Einsatz von Cargobikes nicht vom Idealismus einzelner Unternehmer abhängen, sondern es muss einen echten Business Case für Radlogistik geben“, erklärt auch CABOTY-Initiator Reichel.

Er sieht weiter Fortschritte beim Thema Reifen/Felgen/Bremsen, E-Antriebe, etwa mit kettenfreien Konzepten, aber auch bei der Digitalisierung der Bikes mit Telematik und Konnektivität, wie man sie von Transportern kennt. Doch auch beim Handling und Komfort für die Fahrer gebe es große Fortschritte. Nicht zuletzt das zentrale Thema Standardisierung komme voran: Zuletzt hatte der RLVD zusammen mit dem Bundesverband der Kurier-Express-Post-Dienste e. V. (BdKEP) eine Empfehlung für die Normung von Aufbauten und Containern für Lastenräder vorgelegt, die auf den Standardmaßen der Logistik wie Europalette oder Eurobox basiert. Darin sieht man eine wichtige Voraussetzung für eine weitere Skalierung der Radlogistik.