Citroën ë-Jumpy: Mit zwei Akkugrößen und Anhänger

Auch die französische Van-Marke forciert die Elektrifizierung und bringt nach dem frühen Berlingo Electric den ë-Jumpy. Zwei Akkugrößen, Schnellladung sowie Anhängeroption erweitern das Spektrum.

Laden beim Laden: Dank Schnelllader an Bord, lohnt sich auch das Zwischenladen während des Tages. | Foto: Citroën/William Crozes
Laden beim Laden: Dank Schnelllader an Bord, lohnt sich auch das Zwischenladen während des Tages. | Foto: Citroën/William Crozes
Johannes Reichel

Der französische Transporterhersteller Citroën hat erste Details zu seinem vollelektrisch angetriebenen Kompakttransporter ë-Jumpy bekannt gegeben. Diese entsprechen im Wesentlichen den Daten des baugleichen Pendants von Vivaro-e von Opel, das informationell den Anfang machen durfte. Dafür handelt es sich bei Citroën bereits um das zweite vollelektrisch angetriebene Fahrzeug: Schon seit einigen Jahren wurde bereits vom Vorgängermodell des aktuellen City-Vans Berlingo eine elektrisch angetriebene Variante in Serie gefertigt und vertrieben. Bevor es 2021 eine Neuauflage des e-Berlingo gibt und Ende des Jahres auch der größere Jumper als E-Variante kommt, führt die PSA-Tochter den 3,0-Tonner als E-Version ein.

Akku-Wahl: Bis zu 330 Kilometer Reichweite

Wie beim Rüsselsheimer Pendant setzt der Hersteller dabei auf den E-Antriebsstrang aus dem PSA-Groupe-Baukasten, der auch bei den Kleinwagen Peugeot e-208, DS 3 e-tense sowie Opel Corsa-e verwendet wird und für den Einsatz in den Nutzfahrzeugen modifiziert wird. Die Leistung des Elektromotors bleibt formal bei 100 kW sowie 260 Nm Drehmoment, was in dem 3,0-Tonner für ansprechende Fahrleistungen sorgen dürfte.

Auch die Kapazität des unterflur verbauten Lithium-Ionen-Akkus liegt wie bei den Pkw-Pendants bei 50 kWh, was im Van für 230 Kilometer nach WLTP-Zyklus genügen soll. Allerdings ergänzt der Hersteller für größere Reichweitenanforderungen eine Variante mit 75 kWh Kapazität. Dies soll einen Radius von 330 Kilometern ermöglichen, schmälert allerdings die Nutzlast. Diese soll im Bestfall und je nachdem, welche der drei Fahrzeuglängen zugrunde liegt, bei 1.200 Kilogramm (inkl. Fahrer) liegen. Das Höchsttempo beträgt 130 km/h.
 

Schnelllader macht großen Akku meist obsolet

Darüber hinaus lässt sich der e-Jumpy hinter der Ladeklappe in der Frontpartie wahlweise mit bis zu 100 kW Leistung im DC-Betrieb schnellladen, womit die 50 kWh-Batterie in einer halben Stunde, die 75-kWh-Speicher in einer dreiviertel Stunde zu 80 Prozent laden lässt, was etwa auch den Schichtbetrieb ermöglicht. Mit dem 7,4-kW-AC-Bordlader soll das in acht Stunden passiert sein, sodass sich Übernachtladen anbietet. Das schont nebenbei die Akkus. In jedem Fall gewährt der Hersteller die Leistungsfähigkeit des kompletten E-Antriebs und der Speicher über acht Jahre oder 160.000 Kilometer.

Zeitgemäße Assistenz, erstmals eine Anhängekupplung

Citroën bietet den ë-Jumpy in vier Ausstattungsvarianten an: Worker mit Robustpaket samt erhöhter Bodenfreiheit und Unterfahrschutz, Control, Club und Driver, bei denen die Ausstattung differenziert wird bis zum Fahrerassistenzpaket inklusive Spurassistent und Verkehrszeichenerkennung oder Müdigkeitswarner. Extra gibt es auch einen Notbremsassistenten, ein Head-up-Display sowie ein Parkpaket mit Ultraschallsensoren, das auch vor Fahrzeugen im toten Winkel warnt. Optional ist eine 180-Grad-Rückfahrkamera sowie ein Keyless-Start-System erhältlich. Ebenso gibt es in allen der drei Längenvarianten mit 4,6 bis 6,6 m³ Ladevolumen die sogenannte Moduwork-Beifahrerbank, die sich variabel aufstellen und zum Durchladen längerer Gegenstände bis vier Meter Länge oder als Arbeitstisch mit Tablethalterung nutzen lässt. Erstmals bei einem E-Transporter ist auch eine Anhängekupplung verfügbar, die Anhängelast beträgt maximal eine Tonne. Dank einer weiterhin niedrigen Dachhöhe von 1,90 Meter soll der E-Van insbesondere auch für Tiefgaragen geeignet sein.

Zugriff auf Ladedaten via Smartphone-App

Über ein Bordmodem (Connect Box) eröffnet der Hersteller via App den Fernzugriff auf diverse Fahrzeuginformationen per Smartphone, etwa die Abfrage von Ladezustand der Batterie und Reichweite,  die  Programmierung der Innenraumtemperatur  vor  Fahrtantritt  sowie  von zeitlich  versetzten  Ladezeiten. Das Multimediasystem Connect Nav mit 7"-Touchscreen soll dann neben der Konnektivität mittels Mirror Link und Apple Carplay oder Android Auto auch eine TomTom-Echtzeitnavigation ermöglichen. Auch Ladestationen werden hier angezeigt. Zusätzlich kann der Kunde über die Free2Move Services App 3 das laut Hersteller größte Netzwerk an öffentlichen Ladestationen in Europa, das 160.000  Ladestationen erschließt. Die App listet dabei alle kompatiblen und freien Ladestationen auf, berechnet die optimale Route und ermöglicht zudem die Abrechnung des Ladevorgangs.

LOGISTRA-Kommentar:

Dieses Fahrzeug kommt zur rechten Zeit: In der bei KEP-Diensten in Zeiten höherer Lieferfrequenz schwer gefragten Kompaktklasse gibt es bisher noch kein wirkliches Angebot, wenn man vom Mercedes-Benz eVito mal absieht, der auch gerade erst richtig anläuft und im ersten LOGISTRA-Test noch nicht wirklich überzeugte. Konkurrenz könnte also hier gut tun und das Geschäft beleben. Wenn die PSA-Gruppe beim Preis Maß hält und unter die 40.000er-Marke peilt, könnte inklusive der staatlichen Förderung für Transporteure trotz der hohen Anschaffungskosten ein Schuh draus werden - über die niedrigen Betriebs- und Energiekosten. Das Package passt auch, ein 50 kWh-Akku dürfte für die angepeilte Anwendung allemal genügen, wenn sich der E-Jumpy denn größerer Effizienz befleißigt als der eVito.

Die Option des Schnellladers, hier auch noch mit üppigen 100 kW, hat er diesem schon mal voraus. Und eigentlich braucht es dann keinen großen Akku, der nur den Preis weiter treibt - und das Gewicht. Andererseits könnte der e-Jumpy dann auch für Mittel- oder gar längere Strecken in Frage kommen, einmal Zwischenladen und dann ist man auch von München in Berlin mit einer naja nicht ganz so eiligen Fracht. Was in jedem Fall bisher generell bei E-Vans fehlt, ist die gerne genutzte Möglichkeit, einen Anhänger zu kombinieren. Mit diesem Manko, wenngleich auf eine Tonne begrenzt, räumt der neue E-Transporter aus dem Hause PSA jetzt auf. Er wirft jeglichen Vorserien- oder Bastelcharme ab und treibt die E-Entwicklung weiter voran. Wir sind gespannt auf den ersten Test - im wahrsten Sinne des Wortes.

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