City-Logistik: Lastenräder im Vergleichstest

Im europaweit größten Vergleich von aktuellen Lastenradmodellen prüft die Organisation ExtraEnergy die Tauglichkeit der City-Transportmittel für gewerbliche Zwecke. LOGISTRA war beim Test mit dabei.
Voll im Einsatz auf der letzten Meile: Die Organisation ExtraEnergy prüfte die Lastenräder auf Herz und Nieren nach einem komplexen Testzyklus, jeweils mit und ohne Beladung. | Foto: ExtraEnergy
Voll im Einsatz auf der letzten Meile: Die Organisation ExtraEnergy prüfte die Lastenräder auf Herz und Nieren nach einem komplexen Testzyklus, jeweils mit und ohne Beladung. | Foto: ExtraEnergy
Johannes Reichel

Beim europaweit größten Vergleichstest von Lastenrädern hat die Organisation ExtraEnergy aus dem thüringischen Tanna elf aktuelle Lastentransporträder diverser Hersteller verglichen. Die Ergebnisse sollen im August auf der Radmesse Euro Bike in Friedrichshafen veröffentlicht werden. LOGISTRA war im Rahmen des LOGISTRA City Check für die Logistik-Fachpresse exklusiv vor Ort. Mit Spannung erwartet worden war vor allem die Teilnahme des ersten Volumenherstellers im Fahrradbereich:Hercules hat zu Anfang des Jahres sein Modell Cargo am Markt eingeführt.

Tatsächlich konnte das mit einer 250 Liter Staubox versehene Lastenpedelec bei ersten kleineren Testrunden überzeugen mit professioneller, für gewerbliche Einsätze geeigneter Machart, gutmütigem und verlässlichen Handling und bestens dosierter Tretunterstützung per Bosch-Tretlager-Motor. Besonders raffiniert:Der Vorbau lässt sich per Schnellspannerarretierung komplett abnehmen und somit als Wechselsystem und Transportwagen verwenden. Auch ein sogenanntes S-Pedelec mit bis zu 45 km/h zulässiger Geschwindigkeit war unter den Test-Rädern. Das Rapid des schwäbischen Herstellers Radkutsche bot satte Beschleunigung auch bei voller Ausladung und in schwieriger Topographie, ist mit seiner eher langen und schmalen Ladeplattform auch für sehr enge Gassen geeignet.

Derzeit experimentieren fast alle großen KEP-Logistiker mit dem Thema Lastenrad. UPS erprobt nach Hamburg mittlerweile auch in anderen Städten die Kombination aus Lastenrad und Mikrodepot, GO! Express&Logistics baut in Berlin eine Lastenradbelieferung auf. Vor kurzem gaben DPD und GLS bekannt, in Nürnberg gemeinsam die Kombination aus Lastenrad und Mikrodepot erproben zu wollen. Aus der Praxis kommt allerdings häufig der Vorwurf, dass es noch an nach Großserienstandard gefertigter und dem rauen Kurieralltag gewachsener Technik fehle. Der Markt entwickelt sich derzeit allerdings äußerst schnell.

Zuletzt stand etwa das International Cargo Bike Festival im holländischen Nijmegen im Zeichen der City-Logistik und es wurden immer größere und transporttauglichere Modelle vorgestellt. Im Zentrum der Diskussion stand die Palettentauglichkeit sowie die sogenannte Containerisierung der Lastenräder, sodass sich diese per Wechselbehälter ähnlich den Wechselbrücken beim Lkw in logistische Standard-Abläufe eingliedern lassen. Daran arbeitet etwa intensiv die Deutsche Post DHL Gruppe, die mit dem Velove Armadillo auch eines der wenigen vierrädrigen Lastenräder im Piloteinsatz hat. Kleinere und spezialisierte City-Logistik-Start-Ups wie die belgische Bubble Post entwickeln gemeinsam mit dem baskischen Lastenradhersteller Evolo für ihre Zwecke geeingete Lösungen, deren jüngsten Ergebnis ebenfalls in Nijmegen zu sehen war.

Wie die weiteren neuen Lastenräder beim Vergleichstest in Tanna abgeschnitten haben und welche sich am besten für den Einsatz in der City-Logistik eignen, lesen Sie in einer der nächsten Ausgaben ausführlich.

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