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City-Logistik: Schaeffler und TH Nürnberg entwickeln E-Lastenrad

Auf Basis des zur CES vorgestellten Prototypen soll ein praxistaugliches Cargo Bike für die Lieferbranche entstehen. Wissenschaftler sieht Defizite im Hinblick auf robuste und ökonomische Lastenradtechnik. Serienreife bis 2019, Kapazität wie ein kleiner Pkw.
Lastenträger: Mit längerem Radstand und mit einem Kofferaufbau soll das als Personenbeförderungsversion vorgestellte Elektro-Quad zum Cargo Bike mutieren. | Foto: J. Reichel
Lastenträger: Mit längerem Radstand und mit einem Kofferaufbau soll das als Personenbeförderungsversion vorgestellte Elektro-Quad zum Cargo Bike mutieren. | Foto: J. Reichel
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Johannes Reichel

Der Logistikwissenschaftler Prof. Dr. Ralf Bogdanski von der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm hat angekündigt, gemeinsam mit dem Autozulieferer Schaeffler eine neue Generation von E-Lastenrädern für die Zustellung von Paketen in urbanen Räumen zu entwickeln. Das gab der Hochschullehrer am 7. Juli im Rahmen eines Vortrags auf dem Logistik Forum 2017 in Nürnberg bekannt. Bei dem Projekt „LEV@KEP“ handelt es sich um ein Nachfolgeprojekt des Mikro-Depot-Konzeptes der Technischen Hochschule, das sich seit März 2017 im Testbestrieb in Nürnberg befindet. Ziel der neuen Maßnahme ist es laut Bogdanski, ein Light Electric Vehicle für eine nachhaltige Stadtlogistik zu entwickeln, das den professionellen Ansprüchen der KEP-Auslieferung entspricht. Diese könnten mit den bisher am Markt vorhandenen Lieferfahrrädern nicht erfüllt werden, wie der Wissenschaftler erklärte (LOGISTIK HEUTE berichtete).

Der Schaeffler-Konzern arbeitet bereits seit Längerem an Fahrzeugen für die urbane Mobilität von morgen. So stellte der Zulieferer mit Sitz in Herzogenaurach anlässlich der Consumer Electronic Show in Las Vegas ein vierrädriges Cargo-Bike mit Elektroanrieb vor (LOGISTRA berichtete). Hinsichtlich Größe und Reichweite soll das Fahrzeug nach Unternehmensangaben einem kleinen Pkw ähneln. Neben den täglichen Ansprüchen des Zustellbetriebs soll das Fahrzeug auch auf die speziellen Anforderungen des Mikrodepot-Konzepts zugeschnitten sein. Entwickelt und getestet wird das neue Lastenrad noch bis Ende 2019, die Serienproduktion ist für Anfang 2020 geplant, kündigte Bogdanski an.

Vier Räder sollen für Fahrstabilität des nur 85 Zentimeter breiten Fahrzeugs sorgen. Die Breite habe man so gewählt, dass in den meisten Ländern die Fahrradwege benutzt werden dürften, skizzierten die Entwickler bei der ersten Vorstellung im Januar 2017. Der Fahrer des Bio-Hybrid wird wie bei einem Pedelec üblich von einem elektrischen Antrieb unterstützt. Beim Bremsen soll der Elektromotor rekuperieren und den gewonnenen Strom wieder dem Akku zuführen. Dieser soll eine Reichweite von 50 bis 100 Kilometer ermöglichen. Der Energiespeicher lasse sich mit einem Handgriff entnehmen und an jeder Haushaltssteckdose aufladen. Schaeffler verspricht zudem funktionales und hochwertiges Design sowie eine Smartphone-Integration. Als Plattformkonzept sollen auf dem Bio-Hybrid auch andere Aufbauten, wie zum Beispiel eine dreirädrige Variante, realisierbar sein. Ohne grundsätzliche Modifikation an Antrieb und Achsen lasse sich auch eine Cargo-Version umsetzen, etwa für einen Pizza-Lieferservice. „Der Bio-Hybrid ist kein Serienprodukt. Er soll vor allem das Nachdenken über neue Mobilitätsformen beflügeln“, räumte Prof. Peter Gutzmer, Technologievorstand von Schaeffler bei der Premiere ein. „Wir können uns aber vorstellen, gemeinsam mit einem Partner eine Testflotte für den Betrieb in einer Metropole aufzubauen“, gab der Entwickler im Januar zu Protokoll. Jetzt scheint ein solcher Partner gefunden.

Ebenfalls aus dem Mikro-Depot-Konzept entwickelt wurde das Projekt Value@Service, das den Startschuss ebenfalls Anfang Juli erhalten hat. Hier sollen laut Bogdanski nachhaltige logistische Mehrwertdienste für den Einzelhandel sowie für Apotheken entwickelt werden. Im Fokus stünden Same-Day-Delivery für die untersuchten Handelsbereiche sowie Next-Day-Delivery für den Einzelhandel hin zu überregionalen Kunden. Ebenfalls getestet würden Retourenkonzepte für den Onlinehandel. Partner des Projekts sind Bogdanski zufolge Tiramizoo, DPD sowie Sanacorp. (sln/jr)

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