Citylogistik: Apotheker realisiert urbanes Versorgungsnetzwerk

Mehr Lagerhaltung bei Arzneimitteln, ohne dass die Kosten explodieren – mit einer automatisierten Intralogistik will die Central Apotheke Frankfurt den Spagat schaffen. Emissionsfreie Lieferung geplant.

Marc Schrott, Eigentümer Central Apotheke Frankfurt. | Bild: Knapp
Marc Schrott, Eigentümer Central Apotheke Frankfurt. | Bild: Knapp
Tobias Schweikl

Die Central Apotheke Frankfurt will mit ihrem neuen Healthcare Campus die Vorteile einer lokalen Apotheke mit dem Komfort des Onlineshoppings verbinden. Medikamente und Gesundheitsprodukte sollen innerhalb weniger Stunden nicht nur an Apotheken, sondern auch in Bürokomplexe, Krankenhäuser und zu Privatkunden ausgeliefert werden. Die technologische Lösung hierfür kommt vom Intralogistikspezialisten Knapp.  

„In den letzten Jahren hat sich bei vielen notwendigen Arzneimitteln gezeigt, dass die internationalen Lieferketten für unsere Patienten zu unsicher geworden sind. Eine Rückkehr zu Lagerbeständen, die wir selbst vor Ort steuern können ist unumgänglich, auch wenn dies natürlich höhere Kosten in den Apotheken verursacht“, erklärt Marc Schrott, Eigentümer der Central Apotheke Frankfurt.

Diese Kosten gelte es zu optimieren. Deshalb habe man sich bei der Central Apotheke Frankfurt für einen hohen Automatisierungsgrad entschieden. Aber die Auswirkungen auf die Lieferketten in der Pandemie seien nur die Spitze des Eisbergs.

„Die strukturellen Probleme in der Versorgung mit Arzneimitteln verschlimmern sich leider von Jahr zu Jahr. Aus diesem Grund haben wir uns für die Rückkehr zu einer gesunden Lagerhaltung, wie vor der Globalisierung der Pharmamärkte üblich, entschieden“, so Schrott weiter.

Man wollte aber nicht in die 80er-Jahre zurückgehen, sondern das neue Jahrzehnt mit eigenen Ideen und Optimierungen mitgestalten, um Patienten und Kunden liefersicher versorgen zu können. Das Projekt mit Knapp und Noventi sei so geplant, dass es jeder Apotheker in seiner Region ebenso umsetzen könne. Damit soll auch eine Plattform aus Individualisten geschaffen werden, die mit dem internationalen Arzneimittelversand konkurrieren könne.

Die logistischen Herausforderungen ergeben sich durch die Vermischung des B2B- und B2C-Geschäfts. Während die Artikelstruktur bei beiden Geschäftsmodellen sehr ähnlich ist, unterscheidet sich die Auftragsstruktur gänzlich. Dementsprechend werden beim Zusammenstellen der Lieferungen im Lager verschiedene Packungsgrößen benötigt: ein Originalkarton für die Erfüllung eines Krankenhaus-Auftrages, eine Bündelpackung für einen Apotheken-Auftrag und eine einzelne Packung für die Bereitstellung eines Auftrages für einen Privatkunden.

„Das Bündeln unterschiedlicher Geschäftsmodelle in einem zentralen Logistikzentrum ist der Schlüssel zum Erfolg für eine effiziente Logistik im urbanen Umfeld. Dafür liefert Knapp das technologische Backbone“, betont Johannes Kompek, Senior Sales Engineer Healthcare Solutions Knapp AG. 

Die Central Apotheke Frankfurt möchte mit der neuen Anlage innerhalb weniger Stunden ausliefern können. Das erfordert eine intralogistische Lösung mit einer sehr kurzen Auftragsdurchlaufzeit. Ausgeliefert wird mit Elektrofahrzeugen und E-Bikes. Wichtig sei es auch gewesen, dass die Lösung erweiterbar ist. Das Versorgungsnetzwerk der Apotheke biete eine Vielzahl an Möglichkeiten, in Kooperation mit anderen Nahversorgern, regionale Produkte in der Stadt auszuliefern, so Schrott.

Der gesamte Healthcare Campus wird mit Sonnenstrom betrieben werden, der auf der Dachfläche und den aktiven Fassaden gewonnen wird. Die Central-Apotheke nutzt die maximale Sonnenladekapazität am Gebäude für die Lieferflotte. Ebenso wird das Gebäude mit Geothermie zur Heizung und Kühlung des Lagers und der Kommissionierung energetisch maximal effizient und umweltfreundlich gestaltet. 

Für den Healthcare Campus liefert Knapp ein Paletten- und Shuttle-Lager, vollautomatische Zentralbandsysteme, ergonomische Ware-zur-Person-Arbeitsplätze und eine Versandlösung, die apothekenspezifische Sicherheitsvorgaben berücksichtigt. In der Automatisierungs- und Softwarelösung sind verschiedene Erweiterungsszenarien bereits berücksichtigt. Je nach Ausbau des Geschäfts können Technologie- und Softwaremodule ergänzt werden.

Das Go-live der Anlage ist für das dritte Quartal 2022 vorgesehen. Bei den Angaben zur Lage hält man sich noch bedeckt. "In strategisch guter Lage am Stadtrand von Frankfurt – zentrumsnah", ist die Aussage, die wir auf Nachfrage bekommen.

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