CO2-Emissionen: Energiesektor liefert, Verkehrssektor patzt

Der Energiebereich reduziert die Emissionen dank höherer Zertifikatpreise, sinkender Rentabilität der Kohleverstromung und hohem Regenerativanteil stark. Verkehr und Gebäude dagegen verbrauchten 2019 sogar mehr.

Keine Trendumkehr: Der Mineralölabsatz für Mobilität und Heizen ist 2019 laut Agora-Studie sogar noch gestiegen. | Foto: Pixabay
Keine Trendumkehr: Der Mineralölabsatz für Mobilität und Heizen ist 2019 laut Agora-Studie sogar noch gestiegen. | Foto: Pixabay
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Deutschland ist im vergangenen Jahr der etwaigen Erreichung seiner Klimaziele für 2020 wohl einen entscheidenden Schritt näher gekommen und hat seine CO2-Emissionen um 50 Millionen Tonnen senken können. Damit läge man bei 35 Prozent Einsparung gegenüber 1990, das Ziel sind 40 Prozent für 2020. Das zumindest legt eine Auswertung des ThinkTanks Agora Energiewende nahe, die jetzt vorgestellt wurde und die das Umweltbundesamt für plausibel hält. Den größten Beitrag zur Reduktion leistete allerdings vor allem der Energiesektor, während gerade im Verkehr, aber auch im Gebäudebereich die Emissionen erneut angestiegen seien.

Geht doch: Höherer Zertifikatpreis drängt die Kohle aus dem Markt

Am meisten zur Senkung des Ausstoßes trug die Drosselung oder Stilllegung von Kohlekraftwerken bei, die aufgrund der gestiegenen CO2-Zertifikatpreise im europäischen Emissionshandel weniger rentabel zu betreiben waren. Steinkohle wurde fast ein Drittel weniger verbrannt, Braunkohle 22 Prozent. Der CO2-Zertifikat-Preis war zuletzt auf 25 Euro je Tonne gestiegen, exakt der Preis mit dem jetzt die deutsche Bundesregierung in einem Kompromiss in eine nationale CO2-Bepreisung einsteigen will. Zugleich legten aber die regenerativen Energien nach einem guten Wind- und Sonnenjahr auf einen Anteil von 42,6 Prozent zu, in etwa so viel, wie Atom- und Kohlekraftwerke gemeinsam leisten. Darüber hinaus sank auch der Stromverbrauch selbst auf den tiefsten Stand seit 20 Jahren.

Allerdings schwächelte weiterhin neben dem Bausektor auch der Verkehr, der sogar weiter an Emissionen zulegte. Jedenfalls stieg der Mineralölabsatz für Pkw, Lkw und Flugzeuge wie auch für Heizöl.

"Das, was die Politik im Energiesektor geschafft hat, müssen wir auch im Verkehrssektor hinbekommen", forderte Umweltbundesministerin Svenja Schulze (SPD) in einer Reaktion gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Auch müssten die regenerativen Energien noch weiter ausgebaut werden. Das unterstrich der neue Präsident des Umweltbundesamts UBA, der konstatierte, 2019 seien deutlich zu wenig Windkraftanlagen errichtet worden. Generell hält Agora-Chef Patrick Graichen es für so gut wie ausgeschlossen, dass Deutschland seine Emissionslücke von 65 Millionen Tonnen noch schließen kann. Dafür fehle der politische Wille und das Instrumentarium, meinte er gegenüber der SZ.

LOGISTRA-Kommentar:

Während der Energiesektor offenbar seine Hausaufgaben macht und getrieben von immer höherem und günstigerem Regenerativ-Anteil im Strommix vom hohen Emissionsniveau allmählich herunterkommt, patzt der Verkehrssektor weiterhin. Klar, das ist deutlich unbequemer für den Einzelnen als im abstrakteren Strommarkt und ein unbequemeres Thema für die Politik. Wobei Experten sich einig sind: Das schöne Zwischenresultat jetzt waren die sogenannten "low hanging fruits" - ab hier wird's ungleich härter mit jeder weiteren CO2-Reduktion. Aber auch weil die Regierung mit unsinnigen Abstandsregelungen die Windkraft abwürgt, mit welcher "hidden agenda" auch immer.

Dennoch verweisen die Stromkonzerne immer mal wieder nicht zu unrecht darauf, dass jetzt auch die anderen Bereiche nachziehen müssen. Wobei das Hand in Hand geht: Ohne den nötigen regenerativen Strom macht der Betrieb von Elektroautos und E-Trucks keinen Sinn. Überschüssiger Wind- und Solarstrom könnte mittels "Power2Gas"-Technologie in Wasserstoff- oder Methanform gespeichert werden, um dann wiederum dem Mobilitätssektor als "grüne Energie" zur Verfügung zu stehen, vor allem auch für Schwer-Lkw als regeneratives LNG.

Aber solange hier mit Plug-in-Hybriden, hohem Benzineranteil und dem anhaltenden SUV-Trend immer noch mehr "Fossiles" verbrannt wird und vorhandene "grüne Brückentechnologien" wie Biomethan im Erdgasantrieb kaum genutzt werden, kommt man sicher nicht voran. Immerhin hebt die Agora-Studie auch einen Aspekt aufs Tapet, der immer sträflich vernachlässigt wird: Weniger Verbrauch muss der erste Schritt sein, in diesem Fall an Strom, in der Mobilität an Sprit. Soweit waren wir doch schon mal: Anfang der 80er-Jahre fuhr die Bundesregierung eine Kampagne "Ich bin Energiesparer". Federführend dabei: Das Wirtschaftsministerium! Aus dem kommen heute eigentlich immer nur Hinweise, was alles nicht geht.

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