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Conti-Studie: Viele Logistiker arbeiten noch ohne Software

Zwar sind viele Transporteure laut einer Umfrage mit ihrer Management-Software zufrieden, über ein Drittel allerdings nutzt aber überhaupt keine Programme. Nachfrage unter anderem bei Assistenzsystemen.

Laut einer in Auftrag von Continental durchgeführten Studie fühlen sich die meisten Transportunternehmen sicher und investieren daher zurückhaltend in Cybersicherheit - das kann Risiken bergen. | Bild: Continental.
Laut einer in Auftrag von Continental durchgeführten Studie fühlen sich die meisten Transportunternehmen sicher und investieren daher zurückhaltend in Cybersicherheit - das kann Risiken bergen. | Bild: Continental.
Johannes Reichel
(erschienen bei PROFI-Werkstatt von Claudia Leistritz)

Laut einer aktuellen Studie des Automobilzulieferers zeigen sich deutsche Unternehmen in der Logistik- und Transportbranche zwar mit ihrer Management-Software zufrieden, über ein Drittel allerdings nutze keine Programme. Nachfrage besteht unter anderem bei Assistenzsystemen. Meistens seien es kleinere Logistikunternehmen, die die Softwarelösungen zum Fahrer-, Fahrzeug- und Logistikmanagement weniger befürworteten, konstatiert das Technologieunternehmen in seiner Studie „Der vernetzte Truck“, die Continental nach 2016 zum zweiten Mal im Frühjahr 2020 von dem Sozialforschungsinstitut infas durchführen ließ.

Die Softwareanwender unter den insgesamt 45 befragten Transportfirmen, Logistikern und Spediteuren seien jedoch mit den Lösungen zum Fahrer-, Fahrzeug- und Logistikmanagement insgesamt zunehmend zufrieden und erwarteten sich für die Zukunft vor allem mehr Assistenz- und kraftstoffsparende Anwendungen.

Mehr Nachfrage nach Überwachung und Assistenzfunktionen

Die Anzahl der Nichtnutzer blieb dabei im Vergleich mit der vorhergehenden Studie etwa gleich. Auch 2016 zeigten sich vor allem kleinere Unternehmen weniger an softwaregesteuerten Abläufen interessiert. Bei den Befürwortern stellt das Umfrageinstitut in Bezug auf die technische Ausstattung bevorzugt ein stärkeres Interesse an Fahrassistenzfunktionen und kraftstoffsparenden Lösungen fest. Ein weiterer Schwerpunkt bei der Nachfrage manifestierte sich laut Bericht um die Themen Fahrzeugtracking und Softwaresicherheit, wobei konkrete Investitionen jedoch noch kaum ins Auge gefasst wurden.

Um eine halbe Note verbessert

Beispielsweise registriert man bei der auf einer Notenskala von 1 bis 6 bewerteten, im Arbeitsalltag am stärksten genutzten Software für das Fahrverhalten ein um eine halbe Note verbessertes Ergebnis, von annähernd 2,7 auf etwa 2,2. Als nächstwichtigste Softwarelösung kristallisiert sich die Planung der Fahrereinsätze heraus, die aber nur zwei Drittel aller Befragten nutzten. Auch hier ergibt sich mit einer leichten Verbesserung ein mit der Software zum Fahrverhalten vergleichbares Ergebnis. Ähnlich sieht es bei der Bewertung von Lösungen zum Fahrzeugmanagement und zur Logistiksteuerung aus.

Auf kleinere Unternehmen fokussieren

Auch wenn mit etwa zwei Dritteln eine Mehrheit der Befragten mit Softwarelösungen für ihre Abläufe arbeitet, blieben jedoch immer noch eine recht große Anzahl vorwiegend kleinerer Transportunternehmen, die diese entweder kaum oder gar nicht verwenden. Zwar unterliegen auch kleinere Flotten dem steigenden Kosten- und Effizienzdruck, diese seien jedoch von der Nützlichkeit von Softwarelösungen für ihr Unternehmen nicht unbedingt überzeugt, schließt Gilles Mabire, Leiter Geschäftsbereich Commercial Vehicles and Services bei Continental.

Die Anbieter müssten genau hier ansetzen, den Kunden den Mehrwert bei der Nutzung von Softwarelösungen verdeutlichen und stärker auf deren Bedürfnisse eingehen, da sich die Etablierung der Anwendungen bei Großunternehmen mit der Zeit nachteilig auf die Geschäftsentwicklung der kleineren Unternehmen auswirken könnte:

„Bleibt es bei den starken Unterschieden in der Nutzung, kann es sein, dass sich die Kluft zwischen großen, technologie- und ertragsstarken Unternehmen auf der einen Seite und kleinen Transportunternehmen mit immer niedrigerer Marge auf der anderen Seite weiter vergrößert.“

Nachfrage nach Fahrassistenz und Kraftstoffeinsparung

Der Wunsch nach mehr Fahrassistenzfunktionen sowie kraftstoffeinsparenden Technologien blieb laut Studie mit zwei Dritteln beziehungsweise der Hälfte der Teilnehmer ähnlich hoch wie 2016. Die nächsten Punkte auf der Wunschliste sind mehr Komfortfunktionen für den Fahrzeuginnenraum, Reifendrucküberwachungssysteme und Systeme zur Verbesserung der Kommunikation mit dem Fahrer. Dieses Ergebnis korrespondiere mit den gegenwärtigen Veränderungen im Transportsektor, so Mabire.

„Die neuen Regulierungen zielen darauf ab, die Verkehrssicherheit zu erhöhen und Emissionen zu reduzieren, wie etwa die EU-Richtlinie zur Senkung des CO2-Ausstoßes.“

Entsprechende Technologien würden weiterhin stark nachgefragt und könnten sogar noch bedeutender werden, meint Mabire. Dieser Einschätzung entspreche auch der zunehmende Kostendruck in der Branche und die daraus folgende Forderung nach Einsparungen. Logistiker könnten also wegen des hohen Bedarfs mit der Einsparung an Kraftstoff am effektivsten ihre Kosten senken.

Investitionen müssen sich rasch lohnen

Sind Logistiker zu Investitionen bereit, erwarten über drei Viertel der Befragten dass sich kraftstoffsparendes Fahren nach spätestens zwei Jahren rechnet; und je kleiner das Unternehmen, umso geringer fällt laut Umfrage diese Zeitspanne aus. Daher müssten Hersteller und Zulieferer für die Unternehmen Lösungen entwickeln, die sich bereits nach kurzer Zeit betriebswirtschaftlich positiv auswirken, sagt Mabire. „Die Anforderungen an die Branche sind hoch und somit auch die Erwartungen an neue Technologien.“

Sicherheit wichtig, Investitionsbereitschaft gering

Als wichtigster Faktor bei der Software zählt laut Umfrage die Sicherheit. Der gestiegene Datentransfer vergrößere auch die Angriffsflächen für Cyberkriminalität. Hier sind in der Branche zuverlässige Lösungen besonders gefragt. Aber die Sicherheit habe auch ihren Preis, den die Anwender nicht immer zu zahlen bereit sind: Laut Studie haben nur etwa die Hälfte der Unternehmen Maßnahmen zur Abwehr von Angriffen auf Logistik- oder Flottenmanagementsysteme getroffen.

Drei Viertel planten innerhalb des kommenden Jahres keine größeren Investitionen. Die mangelnde Investitionsbereitschaft entspreche hier nicht der Wichtigkeit des Sicherheitsfaktors, meint Mabire. Der Grund für diese Schieflage sei wohl darin zu suchen, dass Transportunternehmen noch nicht Opfer von Cyberangriffen geworden seien, aber das könne sich ändern, denn die steigende Zahl an Cyberattacken weise auf eine steigende Bedeutung dieses Bereichs.

Die Umfrage des infas Instituts für angewandte Sozialwissenschaft fand im Auftrag von Continental zwischen Februar und Mai 2020 statt. Angesprochen waren „die erste und zweite Führungsebene kleiner, mittlerer und großer Unternehmen aus der deutschen Logistik- und Transportbranche, darunter Spediteure sowie Logistik- und Transportunternehmen“. Wegen der Corona-Krise wurde der Studienumfang laut Angaben reduziert. An der Befragung nahmen 45 Unternehmen teil, „deren Ergebnisse als Trendanzeige gewertet werden können“, so Continental.

Das Unternehmen hat die Umfrageergebnisse auf seiner Website veröffentlicht.

 

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